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Warum der Orgasmus ohne Oxytocin nur halb so schön ist

Hormonell zum Höhepunkt

James Bond wusste Bescheid: Durch Sex lassen sich Frauen am einfachsten zu Verbündeten machen und Geheimnisse hervorlocken. Denn der Orgasmus löst eine wahre Schwemme des Kuschelhormons Oxytocins aus. Das sorgt einerseits für intensive Gefühle und stärkt unsere Bindung, andererseits aber es macht uns vertrauensvoller und löst unsere Zunge.

Beim Sex und vor allem beim Orgasmus werden große Mengen Oxytocin ausgeschüttet © Shironosov/ thinkstock

Lustvolle Hormonschwemme

Beim Sex arbeiten unsere Hormondrüsen auf Hochtouren. Sie schütten Geschlechtshormone, Endorphine und Dopamin aus und bringen damit uns in Hochstimmung und unseren Körper in Erregung. Kommt es dann zum Höhepunkt, folgt eine wahre Schwemme eines weiteren Hormons: des Oxytocins. Innerhalb von Sekunden steigt der Spiegel des Kuschelhormons um das Dreifache an, wie Messungen zeigen. Rein körperlich sorgt dies dafür, dass sich die Muskeln in der Gebärmutter der Frau rhythmisch zusammenziehen, beim Mann reagieren Samenkanälchen und Prostata.

Noch entscheidender aber ist die psychische Wirkung des Oxytocins, denn es entscheidet darüber, wie intensiv wir beim Orgasmus empfinden. Das demonstrierte ein Versuch auf verblüffend eindeutige Weise: Erhielten Männer vor dem Sex oder Masturbieren ein Mittel verabreicht, das die Wirkung des Oxytocins blockiert, kamen sie zwar zum Orgasmus, fühlten sich aber weder sonderlich befriedigt, noch erlebten sie das sonst typische Glücksgefühl.

Beim Plaudern danach löst das Oxytocin die Zunge © Milan Markovic/ thinkstock

Postkoitale Vertraulichkeiten

Aber auch nach dem Orgasmus ist die Wirkung des Oxytocins noch nicht vorbei. Zusammen mit dem ebenfalls auf dem Höhepunkt ausgeschütteten Hormon Prolaktin sorgt es nun für die Entspannung danach und fördert das postkoitale Kuscheln. Und genau hier kommt die große Chance für James Bond und andere Spione. Denn die Schwemme des Kuschelhormons sorgt dafür, dass wir offener und vertrauensvoller werden und die Angst verlieren, zu viel preiszugeben, wie im Jahr 2014 eine Studie belegt hat.

Wie Amanda Denes von der University of Connecticut und ihre Kollegen feststellten, enthüllen Menschen, die beim Sex einen Orgasmus erleben, ihrem Partner gegenüber mehr Informationen als diejenigen, die nicht zum Höhepunkt kommen oder nur kuscheln. Das Hormonhoch schwächt die Selbstkontrolle und animiert dazu, sich Dinge zu erzählen, die man sonst vielleicht eher für sich behalten würde.

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Eine solcherart gelöste Zunge mag bei Geheimnisträgern fatal sein, in einer Partnerschaft jedoch stärkt dies die Beziehung zusätzlich. Denn vom Kuschelhormon durchspült lässt sich über Gefühlsdinge und sogar potenziell Problematisches entspannter plaudern.

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Nadja Podbregar
Stand: 17.07.2015

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Oxytocin
Ein Kuschelhormon mit vielen (Neben-) Wirkungen

Bindung als Droge
Wie Oxytocin uns treu macht

Hormonell zum Höhepunkt
Warum der Orgasmus ohne Oxytocin nur halb so schön ist

Rosa Brille
Oxytocin gegen Angst und Misstrauen

Antenne für soziale Signale
Die Rolle des Oxytocins für Empathie und Autismus

Der Nüchternmacher
Verblüffende Wechselwirkung von Oxytocin und Alkohol

Kuschelhormon als Schlankmacher?
Weniger Kalorien dank Oxytocin

Jungbrunnen Oxytocin?
Kuschelhormon gegen Muskel- und Knochenalterung

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