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Handeln tut not

Die aktuellen Szenarien der Klimaforscher

In Montreal treffen sich die Politiker nicht nur zum Diskutieren, Streiten und Verhandeln, sie werden sich auch Neuigkeiten aus der Welt der Klimaforschung anhören müssen – und diese sind nicht eben ermutigend.

Gefährdet bei steigendem Meeresspiegel: Atoll © NASA/GSFC

Extremwetter als Vorbote?

Schon jetzt zeigen sich die ersten dramatischen Auswirkungen des Klimawandels. In diesem Jahr wurden die USA von einer Hurrikanserie bisher unerreichter Stärke heimgesucht. Katrina und Co. – ein Vorgeschmack kommenden Unheils? Möglicherweise. Denn auch wenn die Daten noch einige Lücken aufweisen: Die meisten Klimaforscher halten einen Zusammenhang zwischen der zunehmenden Häufigkeit extrem starker Hurrikans und der bisher messbaren Erwärmung der Meerestsemperatur um rund ein halbes Grad zumindestens für wahrscheinlich.

Auch andere extreme Wetterereignisse wie der sehr heiße Sommer 2003, die in immer kürzeren Abständen auftretenden Jahrhundert- und Jahrtausendhochwasser oder gravierende Dürren im Mittelmeerraum könnten nach Ansicht der Experten erste Anzeichen des sich anbahnenden Wandels sein.

Klimafolgen schon messbar

Inzwischen gibt es auch erste messbare Bestätigungen weiterer Prognosen und Modelle der Klimaforscher: Der Golfstrom, der Europa mit „Fernwärme“ versorgt, zeigt, wie am 1. Dezember 2005 in „Nature“ zu lesen war, offenbar bereits klimabedingte Veränderungen. Die Vorhersagen gehen von einer zunehmenden Abschwächung, im Extremfall sogar einem Ausfall der „Fernheizung“ aus, wenn die globalen Temperaturen steigen. Jetzt stellen Forscher fest, dass tatsächlich nur noch etwa halb so viel warmes Wasser in den großen Strömungskreislauf nach Norden eingespeist wird, wie noch 1957.

Rekord-Hurrikan Katrina © NOAA

Und auch die Meeresspiegel, deren Anstieg schon seit Jahren fester Bestandteil aller Klimaprognosen ist, sind längst in Bewegung: Sie steigen heute doppelt so schnell wie noch vor 150 Jahren. Mit fast zwei Millimetern pro Jahr ist die Geschwindigkeit des Anstiegs nach Ansicht der Klimaforscher zwar noch kein unmittelbarer Anlass für eine Weltuntergangsstimmung, zeige aber deutlich, dass ihre Sorge um den sich beschleunigenden Klimawandel berechtigt sei.

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Aber lässt sich diese Entwicklung überhaupt noch aufhalten?

Zwei Grad als Mindestziel

Selbst wenn von heute auf morgen alle CO2-Emissionen um 60 bis 70 Prozent reduziert werden würden, wäre der Klimawandel damit noch nicht gestoppt. Die Trägheit des Klimasystems sorgt dafür, dass die globalen Temperaturen in den kommenden Jahrzehnten dennoch weiter ansteigen würden – um rund ein halbes Grad. Realistisch ist eine solche Reduktion aber ohnehin nicht, das sehen inzwischen auch die Klimaforscher.

Schmelzende Gletscher © NOAA

„Realistisch und ohne größere Einbußen erreichbar ist jedoch die Begrenzung der globalen Erwärmung auf insgesamt zwei Grad Celsius“, erklärte Stefan Rahmstorf, Klimaforscher am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung in einem Artikel in der taz. „Eine Begrenzung der Erwärmung unter zwei Grad erscheint kaum noch realistisch möglich, eine Erwärmung über zwei Grad hinaus birgt dagegen große Gefahren.“

Um dieses Ziel zu erreichen, das sich inzwischen auch die EU offiziell auf die Fahne geschrieben hat, müssten die weltweiten Treibhausgas-Emissionen in den nächsten 30 Jahren jedes Jahr um mindestens ein Prozent gesenkt werden. Klingt erstmal nicht extrem viel, doch auf die nächsten 50 Jahre aufsummiert läuft dies auf eine Reduktion der jetzigen Emissionen um die Hälfte hinaus.

Handlungsfenster schließt sich

Erschwerend kommt hinzu, dass die Zeit läuft: „Mit jedem Jahr des Nichtstuns schließt sich die Tür zur Erreichung des Zwei-Grad-Zieles weiter und die Gefahr wächst, künftig entweder schlimme Klimaschäden zu erleiden oder drastische und kostspielige Gegenmaßnahmen einleiten zu müssen“ so Rahmstorf.

Die Klimaforscher plädieren daher für eine „Koalition der Freiwilligen“, die auch ohne die USA die nötigen Klimaschutzmaßnahmen beschließen und einleiten. Rahmstorf: „Zeit für weiteres Abwarten gibt es nicht.“

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Stand: 02.12.2005

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Countdown für das Klima?
Erste Klimakonferenz nach Inkrafttreten des Kyoto-Protokolls tagt

Aktuelles zur Klimakonferenz
Wichtige Meldungen im Überblick

Klimaschutz der Zukunft gesucht
Die Themen auf dem Klimagipfel

Handeln tut not
Die aktuellen Szenarien der Klimaforscher

Industrieländer müssen nachsitzen
UN-Treibhausgas- Bilanz 2005

Dreckschleudern und Saubermänner
Die Länder- Treibhausgas-Bilanz im Einzelnen

Der Anfang des Ganzen: Die Klimarahmen- konvention
Die Beschlüsse der UN-Konferenz von Rio de Janeiro

Was lange währte…
Das Kyoto-Protokoll

Handel mit heißer Luft
Emissionshandel in Theorie und Praxis

Reduzieren anderswo…
Die beiden „anderen“ Kyoto-Mechanismen

Chronik
Internationale Klimagipfel und Klima- schutzvereinbarungen

Von A wie Annex bis S wie Senke
Kleines Klimaschutz- Glossar

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Wetterextreme - Klimatische "Ausrutscher" oder Folgen des Klimawandels?

Klimawandel - Bringt der Mensch das irdische Klima aus dem Gleichgewicht?