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Gletscher als Seenmacher

Wenn das Eis Kerben, Senken und Dellen hinterlässt

Die Gletscher der Eiszeit transportierten aber nicht nur Schutt mit sich. Ihr ungeheures Gewicht, gepaart mit ihrer stetigen Bewegung, wirkte auch wie eine gewaltige Raspel: Die Ströme aus Eis kerbten tiefe Spuren in den Untergrund.

Der Königssee in Bayern liegt in einem von Gletschern ausgekerbten Trogtal. © Bobak Ha'Eri / CC-by-sa 3.0

In Gebirgen wie den Alpen schlossen sich die Gletscher der Haupt- und Nebentäler irgendwann zusammen und flossen gemeinsam abwärts, ähnlich einem Strom, der auf seinem Weg zahlreiche Flüsse aufnimmt. Dabei wurden ehemalige Kerbtäler mit einem V-Querschnitt durch die Kraft des Eises zu U-förmigen Trogtälern umgewandelt. Typisch für letztere sind die breiten, flachen Talböden und die steilen, oft sogar senkrechten Seitenwände. Bekannte Beispiele dafür sind das Inntal, das Tal des Gschlößbaches in den Hohen Tauern Österreichs oder der Königssee, ein langgestreckter Gebirgssee im Berchtesgadener Land.

Auch viele andere Seen verdanken ihre Entstehung den Kaltzeiten und speziell der Arbeit von Gletschern. Durch ihre ausschürfende Wirkung, Wissenschaftler sprechen von Exaration, bildeten sich tiefe Dellen in der Landschaft, in denen sich später Wasser sammeln konnte. Solche glazialen Seen findet man besonders in den Regionen, die während des Pleistozäns noch von Gletschereis bedeckt waren. Dort haben sich viele der ehemals vereisten Gebiete sogar in ausgedehnte Seenlandschaften verwandelt, wie zum Beispiel die Großen Seen in Nordamerika oder die Mecklenburgische Seenplatte.

Typische, vom Gletscher- Schmelzwasser eingekerbte Rinnenseen: Lago Maggiore und Lugano © NASA

Zungenbecken und sesselförmige Kuhlen

Am nördlichen Alpenrand trifft man zudem auf zahlreiche, oft in Nord-Süd-Richtung verlaufende Seen. Sie sind Relikte der letzten Eiszeit (Würm-Eiszeit), die vor rund 115.000 Jahren begann und bis vor etwa 12.000 Jahren andauerte. In dieser Zeit schoben sich mächtige Gletscher aus den Alpen mit ihren breiten Zungen bis weit in das Vorland vor. Dabei gruben sie tiefe Kerben in den weichen Untergrund. Nach dem Abschmelzen der Eismassen blieben mächtige Becken in der Landschaft zurück und füllten sich mit Schmelzwasser – Zungenbeckenseen nennt man diese heute.

Nicht durch das Eis, sondern durch Schmelzwasser, das unterhalb des Gletschers zu Tal strömte, sind dagegen Rinnenseen entstanden. Zu ihnen gehören beispielsweise der Lago Maggiore und der Luganer See.

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Ebenfalls typisch für Höhenzüge wie die Alpen oder den Schwarzwald sind darüber hinaus Karseen wie der Mummelsee oder der Feldsee in Baden-Württemberg. Solche heute mit wassergefüllte Mulden beruhen ebenfalls auf der Erosion durch Gletscher. Immer dann, wenn während der Kaltzeiten ein Gletscher an einer Hangnische seinen Ursprung hatte, wurde diese durch das Zusammenspiel von Herausbrechen, Ausschürfen und durch am Gletscherboden mitgeführtes Material weiter ausgehöhlt. Mit der Zeit bildete sich eine schüsselartige oder sesselförmige Hohlform, ein Kar, im dem sich in wärmeren Zeiten Wasser ansammelte.

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Redaktion scinexx
Stand: 28.02.2014

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Die Kraft des Eises
Wie die Eiszeiten unsere Landschaften formten

Erst heiß, dann Eis
Auf und Ab im Eiszeitalter

Auf der Gletscherautobahn
Wie das Eis die Landschaften prägte

Schuttwälle und Hügelketten
Landschaften aus End- und Mittelmoränen

Gletscher als Seenmacher
Wenn das Eis Kerben, Senken und Dellen hinterlässt

Landschaft als Eiszeit-Uhr
Von Jung- und Altmoränen-Landschaften

Riesenbocken und feinster Staub
Findlinge und Löss als Relikte der Eiszeiten

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