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Gewinner und Verlierer

Warum der Klimawandel nicht auf alle Tiere gleich wirkt

Für die eine Tierart ist der Klimawandel eine Bedrohung, für die andere sogar eine Chance. Während den Eisbären in der Arktis mit dem Schwinden des Packeises ihr Lebensraum wegtaut, wurden an Englands seit jeher warmer Südküste schon Mondfische beobachtet, die sonst am Äquator vorkommen. Der Löffler, eine im Mittelmeer heimische Ibisart, nistet inzwischen bereits im deutschen Wattenmeer. Und in Afrikas Savannen begünstigt der steigende CO²-Gehalt in der Atmosphäre das Wachstum von Wäldern. Doch was langfristig den Waldelefanten freut, entzieht dem Savannenelefant oder der Giraffe den Lebensraum.

Menschenaffen wie hier ein Berggorilla, gehören eher zu den Verlieren - ihre Lebensräume schwinden. © Rod Waddington / CC-by-sa 2.0

Folgen sind ganz unterschiedlich

Viele Arten sind zum Umsiedeln gezwungen, manchen eröffnen sich zusätzliche Lebensräume, anderen droht der Artentod, weil sie nicht ausweichen können. Hinzu kommt: Viele zum Teil recht allgemeine Vorhersagen – etwa die von der Verschiebung von Lebensräumen Richtung Pole – entpuppen sich als zu schlicht. So geschehen die Veränderungen für jede zehnte Säugetierart zu schnell, als dass sie folgen können, wie Forscher vor einiger Zeit ermittelten. In anderen Fällen löst der Klimawandel Wechselwirkungen zwischen den Arten aus, die erst erforscht werden müssen.

Beispiel Himalaya. Wie anderswo schmelzen auch auf dem „Dach der Welt“ die Gletscher. Mit steigenden Temperaturen rückt die Vegetation in zuvor eisige Höhen vor. Bergaufwärts wandert nicht nur die Baumgrenze, die im Himalaya heute bei 4.400 Metern liegt. Auch Tierarten erobern neue Höhenlagen, zum Beispiel der Leopard (Panthera pardus), der in den bewaldeten Hochtälern am Fuße von Mount Everest und Lhotse vorkommt.

Schneeleoparden können nicht weiter nach oben ausweichen © Snow Leopard Conservancy/Jammu & Kashmir Wildlife Protection Department

Schneeleopard: Kein Platz zum Ausweichen

Dabei gibt es einen Verlierer: den Schneeleoparden. Sein Reich sind die offenen Gras- und Buschlandschaften, die steinigen und steilen Bergmatten der Hochgebirgsregionen. Bisher geht er seinem Konkurrenten aus den niedrigeren Regionen aus dem Weg, um tödliche Konfrontationen zu vermeiden. Beliebig kann der Schneeleopard seine Reviere aber nicht nach oben ausdehnen – ihm droht die Verdrängung.

„Schneeleoparden im Himalaya sind gefährdet durch die Dezimierung seiner Beute, durch Wilderei und durch den Klimawandel“, sagt der italienische Verhaltensforscher Sandro Lovari von der Universität Siena. „All das kann für die Katze tödlich sein.“ Den Verlust von 30 bis 50 Prozent seiner Habitate im Himalaya sagt Lovari dem Schneeleoparden voraus.

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Der US-amerikanische Wildbiologe George Schaller beobachtet die Verschiebung von Lebensräumen durch den Klimawandel mit Sorge. „Die Tiere müssen mitwandern, über die Grenzen der heutigen Schutzgebiete hinaus“, schreibt Schaller in einem Essay. Damit Tiere wie der Schneeleopard oder der Tiger überleben können, brauche es ein Mosaik aus Kernzonen ohne Siedlungen und Menschen. Wo die Habitate der Tiere wandern, werden auch die Grenzen von Nationalparks und Reservaten wandern müssen.

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Kai Althoetmar
Stand: 15.05.2015

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Wandern, anpassen oder weichen?
Wie Tiere auf den Klimawandel reagieren

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