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Gefährliche Eindringlinge

Bioinvasoren verdrängten heimische Arten

Kokospalme © USDA

Die Kokospalme gehört zu Hawaii wie die Vulkane Mauna Kea und Mauna Loa oder Honolulu – sollte man meinen. Doch um 600 nach Christus, als die ersten Menschen die Inseln in Besitz nahmen, gehörte sie keineswegs zur biologischen Grundausstattung Hawaiis. Die ersten polynesischen Siedler waren es, die diesen Baum von den Marquesas Inseln aus nach Hawaii mitbrachten.

Wenn schon die Kokosnuss nicht immer auf Hawaii heimisch war, dann aber doch wenigstens Banane oder Zuckerrohr? Keineswegs! Ananas und Mango? Auch nicht! Diese ganze für Hawaii anscheinend so typische tropische Vielfalt ist erst nach und nach durch den Menschen nach Hawaii importiert worden.

Mit den Siedlern, die die Inseln im Laufe der Jahrhunderte von Süden nach Norden in Beschlag nahmen, kamen aber auch zahlreiche andere Einwanderer mit auf die Inseln inmitten des tropischen Pazifiks. Ratten, Flöhe, Schweine, aber auch Bakterien oder Viren – sie alle machten sich auf Hawaii breit und fanden hier einen üppigen neuen Lebensraum.

Die Folgen für die heimische Tier- und Pflanzenwelt waren fatal. Die als „Blinde Passagiere“ auf den Booten der Polynesier oder im Gefieder der Vögel eingereisten Arten entpuppten sich als Invasoren, die die einheimischen Arten in Windeseile dezimierten, verdrängten oder sogar ganz ausrotteten. Wissenschaftler haben festgestellt, dass schon im Jahr 1778 als der berühmte Seefahrer und Entdecker James Cook Hawaii für Europa entdeckte, 39 Vogelarten ausgestorben waren.

Mit den Europäern, den Festlandamerikanern oder Japanern, die später in großer Anzahl auf die Inseln kamen, ging die biologische Invasion und damit das Massensterben unter den einheimischen Arten erst richtig los. Forscher schätzen, dass in den vergangenen gut zweihundert Jahren rund die Hälfte aller hawaiianischen Tiere und Pflanzen für immer von den Inseln verschwunden sind.

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Jahr für Jahr mindestens 20 neue Arten

Ein Ende dieser Entwicklung ist noch längst nicht in Sicht. Ganz im Gegenteil. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass jährlich etwa 20 neue Arten nach Hawaii kommen. In Zeiten der Globalisierung, des weltweiten Handels und des Massentourismus sind die Meere längst kein unüberwindliches Hindernis mehr. Mit dem Luft- und Schiffsverkehr hat auch der Verkehr der Lebwesen explosionsartige Ausmaße angenommen.

Laut IUCN haben die heimischen Pflanzen Hawaiis darunter ganz besonders zu leiden. Bis jetzt wurden insgesamt fast 5.000 Pflanzenarten eingeschleppt, mehr als 900 davon haben erfolgreich und dauerhaft die Inseln erobert.

Mittlerweile werden die berühmten Blumenkränze, die man zur Begrüßung auf Hawaii überreicht, nicht mehr aus heimischen Arten gebunden – sie sind viel zu selten und deshalb streng geschützt -, sondern aus den Blüten der eingewanderten Ingwer-Pflanze.

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Stand: 24.09.2004

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Hawaii
Tropisches Paradies auf heißem Untergrund

Weit weg von jeder Plattengrenze…
Wie kommen die Vulkane ins Meer?

Vulkanische Perlenkette
Was die Hawaii-Inseln über die Erdgeschichte erzählen

…und sie bewegen sich doch
Streit um Hot Spots

Krater, Aa-Lava und ein drive in volcano
Erdgeschichte „live“

humuhumunukunu...
…und andere Tiere und Pflanzen

Gefährliche Eindringlinge
Bioinvasoren verdrängten heimische Arten

Mungos gegen Ratten
Ein Experiment mit Folgen

Keine Chance für den Wald?
Folgen der Bioinvasion

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