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Schiefergas als Perspektive

Gas-Boom auch bei uns?

Erdgas-Bohrturm am texanischen Barnett-Shale Gasvorkommen © David R. Tribble / (CC BY-SA 3.0)

Diese neue Abbaumethode für Schiefergas oder „Shale Gas“ hat in den USA in den vergangenen Jahren einen wahren Gas-Boom ausgelöst: Bei fast zwei Dritteln der neu angelegten Gasbrunnen kommt dort nun Fracking zum Einsatz. Dadurch stammen mittlerweile 40 Prozent der US-amerikanischen Gasvorräte aus nicht-konventionellen Lagerstätten. Zwei Drittel aller Erdgasbohrungen werden gefrackt. Das ist so viel, dass dort der Begriff „nicht-konventionell“ kaum noch verwendet wird: Fracking ist zur konventionellen Fördermethode geworden.

Gasreiche Schieferschichten wie in den USA gibt es allerdings auch bei uns. Besonders unter der Norddeutschen Tiefebene und im Oberrheingraben lagert vermutlich eine beachtliche Menge Schiefergas, das durch Fracking gewonnen werden könnte. Energiekonzerne stehen in den Startlöchern, um diese Vorkommen auszubeuten. Fracking an sich ist in Deutschland nicht unbekannt: Bereits seit 1975 werden mit der Technik Vorkommen von „Tight Gas“ aufgebrochen – in den vergangenen 40 Jahren rund 300 Mal. Dabei handelte es sich jedoch um Erdgas, das größtenteils in Sandstein eingeschlossen war. Die Schiefergasvorkommen sind nun das nächste Ziel der Gasförderer.

Gebiete mit möglichem Schiefergas in Deutschland (orange) © Maximilian Dörrbecker / (CC BY-SA 2.5)

Eigenes Gas – günstiges Gas?

Die Vorteile des möglichen neuen Gasreichtums liegen auf der Hand: Der jährliche Gasverbrauch in Deutschland liegt bei knapp 100 Milliarden Kubikmetern. Steigende Energiekosten sind ein anhaltendes Streitthema, sei es nun beim Strompreis oder beim Treibstoff für Autos. Die nicht-konventionellen Gasvorkommen könnten die Energiepreise in Deutschland deutlich senken: Gas müsste nicht mehr über tausende von Pipeline-Kilometern importiert werden, sondern käme aus Quellen vor Ort.

Befürworter des Frackings führen auch politische Gründe ins Feld: Eigene Gasreserven machen Deutschland unabhängig vom Hauptlieferanten Russland. Steigende Preise oder ganz gestoppte Lieferungen waren schon häufiger ein politisches Druckmittel – auch solche diplomatischen Probleme sollen durch Fracking lösbar sein.

Warum hat das große Gasbohren hierzulande also nicht längst begonnen? Die Einwände gegen das Fracking sind mindestens so zahlreich wie die Vorteile – aus diesem Grund ist die neue Art der Gasförderung in Deutschland bislang nicht über einige Probebohrungen hinaus gekommen. Die Bohrungen in den USA haben eine Reihe von Sicherheits- und Umweltproblemen offenbart, die sich hier unter keinen Umständen wiederholen sollen. Das Ausmaß der nötigen Vorsichtsmaßnahmen ist allerdings heftig umstritten.

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Ansgar Kretschmer
Stand: 15.08.2014

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Fracking: Vollgas oder voll auf die Bremse?
Umstrittene Erdgasförderung in Deutschland

Wie unkonventionell!
Wie sich Erdgas aus dichtem Gestein fördern lässt

Gas-Boom auch bei uns?
Schiefergas als Perspektive

Die Mischung macht's
Fracking mit Chemie Cocktail

Risiko im Untergrund
Bedroht Fracking das Grundwasser?

Ungeklärte Rechtslage
Die politische Diskussion ums Fracking in Deutschland hält an

Wie geht es weiter?
Neue Gesetze zum Fracking sind in Arbeit

Wird das Klima gefrackt?
Erdgas und seine umstrittene Klimabilanz

Diaschauen zum Thema

News zum Thema

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