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„Frecher Frevel“

Brunos Sicht des Universums

Brunos Worte bei einer der Vernehmungen, am 2. Juni 1592 in Venedig, sind überliefert. Er sagte sie dem Inquisitor Giovanni Gabriele di Saluzzio, der sein Todesbote sein sollte. Überliefert sind sie vom apostolischen Nuntius Ludovico Taberna, dem Beisitzer des Verhörs, der damals das Protokoll führte. Die ersten Sätze lauten wie folgt:

Für Bruno war das Universum unendlich © NASA

»Ich glaube an ein unendliches Universum. Ich halte es der göttlichen Güte und Macht für unwürdig, wenn sie unzählige Welten erschaffen kann, aber nur eine endlich begrenzte Welt erschafft. Daher habe ich stets behauptet, dass unzählige andere Welten, ähnlich dieser Erde, existieren, welch letztere ich mit Pythagoras nur für einen Stern halte, wie die zahllosen anderen Planeten und Gestirne.

Alle diese unzähligen Welten machen eine unendliche Gesamtheit aus im unendlichen Raum, und dieser heißt das unendliche All, sodass doppelte Unendlichkeit anzunehmen ist, nach Größe des Universums und nach Zahl der Weltkörper. In dieses unendliche All setze ich eine universelle Vorsehung, kraft deren jegliches Ding lebt und sich bewegt und in seiner Vollkommenheit existiert …«

Gefährliche Logik

Mit diesem Bekenntnis war der Philosoph aus Nola des Todes, aber es dauerte noch acht lange Jahre bis zu seiner Hinrichtung. Acht Jahre, in denen die Kirche den Anschein eines ordentlichen Prozesses erwecken wollte, der letztendlich doch nur eine Farce war, mit einem Ergebnis, das vom ersten Tage an vorbestimmt war.

Brunos simple, einleuchtende und logische Erklärung des Kosmos war gefährlich. Er stieß die Kirche und mit ihr die selbst ernannten Vertreter Gottes aus dem Zentrum des Alls. Es kreiste nicht mehr alles um sie. Sie waren nicht mehr das Maß aller Dinge. Sie rückten an den Rand.

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Und so glaubten sie lieber an silberne, an ihr kindliches Himmelskarussell genagelte Sterne und Planeten, als dass sie die Augen für die von Bruno eröffneten unendlichen Weiten des Universums und ihren Geist und Verstand für den von ihm postulierten wahrhaft mächtigen Gott und Herrscher des Universums öffneten – und nicht für ihren ewig eifersüchtigen, rachedurstigen, frauenfeindlichen orientalischen Provinzfürsten in den Wolken, der nach Ansicht Brunos nichts anderes war als die lächerliche Parodie ihrer eigenen pubertären Machtvorstellungen.

Für Bruno war Gott »keine Intelligenz außerhalb der Welt, die diese im Kreise dreht und leitet. Würdiger muss es für ihn sein, das innere Prinzip der Bewegung zu bilden, eine Natur aus sich, von eigener Art, eine Seele für sich, an der alles teilhat, soviel in seinem Schloss und Leibe lebt.«

Bruno war ein unbequemer Zeitgenosse. Er war arrogant, grob und anmaßend. Er war leichtsinnig. Er reizte seine Diskussionsgegner. Er war intellektuell überlegen und ließ dies seine Kombattanten auch deutlich spüren. Er ging keinem Streit aus dem Wege. Wenn er der Meinung war, sein Gegenüber sei ein Esel, dann bezeichnete er ihn auch als solchen.

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Stand: 17.02.2005

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Giordano Bruno
Ein Kosmologe stirbt für die Wahrheit

Himmelsmechanik mit Tricks
Das kirchliche Weltbild des Universums

„Frecher Frevel“
Brunos Sicht des Universums

Giordano – der Mensch
Ungestüm, emotional und unabhängig

Begrabene Hoffnung
Folter, Kerker und Verachtung

Das Urteil
Als Ketzer verdammt

Die Hinrichtung
Beharrend bis zum Ende

Jahrhunderte später
Späte Rehabilitation

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