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Das TAO/TRITON-Netz - Herzstück der Vorhersage

„Fiebermessen“ vor Ort

Doch entmutigen ließen sich die Klimaforscher durch den Rückschlag von 1982/83 nicht. Noch im gleichen Jahr begannen die amerikanischen Wissenschaftler John Toole und Stan Hayes mit der Entwicklung eines völlig neuen Systems der El Niño Vorhersage. Es sollte nicht auf Satellitendaten basieren, sondern in erster Linie auf Temperaturmessungen vor Ort: mitten im Ozean.

Anfangs noch verlacht und nicht ernst genommen, setzten sich Toole und Hayes 1983 mit ihrer Idee durch. Ihr simples, aber effektives Messsystem bildet bis heute das Rückrat der El Niño Vorhersagen. Als „ozeanisches Fieberthermometer“ dient den Forschern dabei ein sich 20.000 Kilometer quer über den Pazifik erstreckendes Messnetz aus verankerten Bojen und Treibbojen.

Radioteleskope des Australia Telescope Compact Array © CSIRO

Die unzähligen Geräte des TAO/TRITON-Netzes registrieren kontinuierlich Temperatur, Druck, Strömung, Sonneneinstrahlung und andere Faktoren an der Meeresoberfläche und bis zu 500 Meter darunter. Über Antennen senden sie ihre gesammelten Informationen regelmäßig über Satelliten direkt an die großen Rechenzentren der Klimaforscher, wo sie mit Messergebnissen von zusätzlichen Beobachtungsschiffen kombiniert und ausgewertet werden.

„TAO ist ein Stethoskop“, erklärt Mike McPhaden, der Nachfolger von Hayes im El Niño-Forschungsteam das Prinzip des Messnetzes. „Wir nutzen es, um die natürlichen Rhythmen, den Herzschlag, des globalen Klimasystems zu überwachen und kennen zu lernen. Auch der Wechsel der Jahreszeiten wäre eine Katastrophe, wenn wir nicht auf ihn vorbereitet wären. Mit einem Kalender – einem Vorhersagesystem – wird die Katastrophe nur noch eine lästige oder sogar günstige Veränderung. Genau das wollen wir mit TAO/TRITON auch für den El Niño erreichen.“

Inzwischen bildet das TAO/TRITON System zusammen mit Messsatelliten und den immer weiter verbesserten Prognosemodellen und Klimasimulationen das Herzstück der modernen EL Niño-Vorhersage, mit der im Idealfall ein drohender El Niño schon bis zu einem Jahr im Voraus entdeckt werden kann. Seinen Härtetest bestand das System im Jahr 1997, als es ein halbes Jahr vor Einsetzen eines der stärksten El Niños des 20. Jahrhunderts Alarm schlug und so rechtzeitig vorbeugende Maßnahmen ergriffen werden konnten.

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Stand: 23.08.2001

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

El Niño
Pazifische Klimakapriolen mit weltweiten Folgen...

Überblick
Das Wichtigste in Kürze

Zum Weiterlesen
Links und Literatur

Wenn das "Christkind" Amok läuft...
Was ist ein El Niño?

Was kommt, wenn er kommt?
Klimakapriolen im Gefolge des El Niño

Tohuwabohu im Ökosystem
Ökologische Folgen des El Niño

Ein unberechenbares Pendel
Auf der Suche nach den Ursachen

Dialog zwischen Ozean und Atmosphäre
Was sind die Auslöser des EL Niño?

Mit Blindheit geschlagen...
Folgenreiche Panne der El-Niño-Vorhersage 1982/83

"Fiebermessen" vor Ort
Das TAO/TRITON-Netz - Herzstück der Vorhersage

Was tun, wenn das "Christkind" bevorsteht?
Maßnahmen zur Vorbereitung auf den El Niño

Einem "kleinen Jungen" auf der Spur...
Chronologie der El Niños und ihrer Erforschung

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