Feinschmecker im Fruchtwasser - scinexx | Das Wissensmagazin
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Der Geschmack entwickelt sich als erstes

Feinschmecker im Fruchtwasser

Warm und geschützt schwimmt das Ungeborene in seiner Fruchtblase. Was aber bekommt es von der Außenwelt mit? Mehr als man lange Zeit gedacht hat, das weiß man inzwischen. Welche Sinne sich in welchem Alter des Fötus entwickeln, ist inzwischen recht gut untersucht. Vor allem der Geschmack und das Gehör entwickeln sich demnach schon sehr früh.

Ungeborenes in der neunten Woche: Schon jetzt existieren erste Geschmacksknospen. © Ed Uthman/ CC-by-sa 2.0

Igitt, bitter!

Den Anfang macht der Geschmack: Noch bevor wir hören oder sehen können, schmecken wir. Als Ungeborene schlucken wir schon sehr früh das uns umgebende Fruchtwasser und nehmen dabei die typischen Komponenten dieser nährenden Flüssigkeit auf. Schon in der achten Schwangerschaftswoche bildet der heranwachsende Fötus die ersten Geschmacksrezeptoren.

Ab der 15. Woche nimmt das Ungeborene nach und nach auch die Aromen des geschluckten Fruchtwassers wahr, wie Versuche zeigen: Fügt man dem Fruchtwasser durch eine Kanüle eine sterile Zuckerlösung hinzu, dann beginnt das Ungeborene, häufiger zu schlucken. Macht man das Fruchtwasser dagegen bitterer, sinkt die Schluckrate.

Prägende Aromen

Spätestens mit Beginn des letzten Schwangerschaftsdrittels ist das Ungeborene ein echter „Mitschmecker“: Was die Mutter isst, das kostet auch ihr Kind. Denn die meisten Aromastoffe finden sich nach kurzer Zeit im Blut und Fruchtwasser der Schwangeren wieder. Und diese Aromen können die Geschmacksvorlieben des Ungeborenen fürs Leben prägen. Isst die Mutter beispielsweise viel Süßes, stärkt dies den ohnehin angeborenen Süßhunger des Nachwuchses.

Das charakterstische Aroma des Knoblauchs schmeckt das Ungeborene bereits mit. © Jeffrey Collingwood/ freeimages

Nimmt sie dagegen in der Schwangerschaft viel Knoblauch zu sich, dann schmeckt auch den Neugeborenen anschließend Muttermilch mit leichter Knoblauchnote besser als die „ungewürzte“ Milch, wie ein Experiment zeigte. Ähnlich prägend erwiesen sich darin Anis, Karotten, Minze, Vanille und Blauschimmelkäse. Wer daher sein Kind schon früh auf abwechslungsreiche und gesunde Essensvorlieben eichen möchte, der sollte in der Schwangerschaft am besten schon selbst das richtige essen – das gibt dem Kind wortwörtlich einen ersten Vorgeschmack.

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Das Sehen: Licht ja, Details nein

Etwa ab dem sechsten Monat beginnt auch der Sehsinn des Ungeborenen aktiv zu werden. Zwar sind seine Augen noch geschlossen, doch auch durch die geschlossenen Lider kann der Fötus jetzt schon Licht wahrnehmen. Strahlt man mit einer starken Taschenlampe auf den Bauch, kann es passieren, dass das ungeborene Kind seinen Kopf wegdreht.

Allerdings: Formen und Details kann das Ungeborene noch nicht erkennen. Erst wenn sich seine Augen in der 26. Woche öffnen, beginnt der Sehsinn weiter zu reifen. Dennoch hinkt er den anderen Sinnen des Kindes stark hinterher. Deshalb ist ein Säugling nach der Geburt extrem kursichtig und sieht die Welt um sich herum zunächst nur unscharf und zweidimensional. Farben erkennt das Baby sogar erst nach rund zwei Monaten.

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Nadja Podbregar
Stand: 13.05.2016

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Im Mutterleib
Das geheime Leben des ungeborenen Kindes

Startschuss und Symmetriebruch
Vom Zellklumpen zu den ersten Organen

Training für den Ernstfall
Der Fötus beginnt sein Eigenleben

Feinschmecker im Fruchtwasser
Der Geschmack entwickelt sich als erstes

Achtung, Fötus hört mit!
Musik und Sprache prägen das Kind schon im Mutterleib

Kleine Effekte - große Wirkung
Wie vorgeburtliche Einflüsse uns prägen

Zwischen Symbiose und Fremdkörper
Wenn Kindeszellen die Mutter "entern"

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