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Das Geheimnis der Schwarzen Calla

Faulende Bananen als Lieblingsduft

Schwarze Calla (Arum palaestinum) © Avishai Teicher / CC-by-sa 3.0

In einer der neuesten Arbeiten haben die Max-Planck-Forscher eine Population der Schwarzen Calla (Arum palaestinum) im Norden Israels untersucht. In ersten Feldstudien beobachteten sie, dass Blüten dieser Art eine große Anzahl von Taufliegen (Drosophiliden) anlocken. Eine einzige Blüte konnte innerhalb weniger Stunden bis zu 500 Fliegen ködern. Das Duftbouquet der Blüte wurde daraufhin genauer analysiert. Auf die menschliche Nase wirkt der Duft ähnlich wie der eines süßen Weines. Unter den Duftbestandteilen befanden sich 2,3-Butandionacetat und Acetoinacetat. Diese beiden Komponenten kommen sehr selten in Blütenduftbouquets vor, dagegen treten sie häufig als Produkte alkoholischer Gärung auf.

Im weiteren Verlauf der Untersuchungen wurde deutlich, dass die Calla in der Tat einen Gärungsprozess imitiert, indem sie ein Duftbouquet mit sieben typischen Gärungs-Geruchsstoffen produziert. Im Labor wurde die Anziehungskraft verschiedentlich zusammengestellter Duftmischungen getestet. Es zeigte sich, dass eine Mischung aus genau denjenigen Duftkomponenten auf die Fliegen besonders anziehend wirkt, die beispielsweise dem Duftprofil faulender Bananen entspricht, also einem Substrat, auf das Drosophiliden von Natur aus nahezu versessen sind. Mithilfe des optical imaging betrachteten die Forscher die primären Geruchszentren im Gehirn der Drosophiliden. Sie konnten ableiten, welche Geruchsrezeptoren in der Fliegenantenne aktiviert werden.

Taufliegen (Drosophiliden; auch Essig- oder Fruchtfliegen genannt) sind im Kelch einer Schwarzen Calla gefangen. Die Fliegen wurden durch Duftstoffe angelockt, die durch Hefe vergorene Früchte imitieren. © Max-Planck-Institut für chemische Ökologie/Hansson

Drei Rezeptorengruppen der Fliegen aktiviert

Ein Vergleich dieser Rezeptoren innerhalb aller bereits sequenzierten Fruchtfliegenarten mittels Genanalyse ergab, dass der Blütenduft der Schwarzen Calla drei Hauptgruppen von Rezeptoren aktiviert. Davon ist eine Gruppe in allen zwölf Arten hoch konserviert: Diese Rezeptoren signalisieren die Anwesenheit von gärenden Hefepilzen – also der Grundnahrungsquelle der Fliegen. Die zweite Gruppe signalisiert, dass von Hefe fermentierte Früchte in der Nähe sind; diese Rezeptoren sind somit besonders in Obst-konsumierenden Fliegenarten zu finden. Die dritte Gruppe von Rezeptoren ist weniger konserviert als die anderen beiden und scheint sich an die spezifischen Bedürfnisse obstfressender Art angepasst zu haben.

Die Blüte der Schwarzen Calla produziert somit den perfekten Lockduft, indem sie eine Reihe verschiedener wichtiger Reizleitungen in das Fliegengehirn kombiniert, die sämtlich der Fliege folgende Botschaft übermitteln: Komm zu mir, hier ist etwas wirklich Leckeres! Die Analyse des Bestäubungssystems von A. palaestinum ist damit ein ausgezeichnetes Beispiel für die Erforschung der Funktionalität von sensorisch basiertem Verhalten. Die Blüte bietet die sensorischen Signale, die benötigt werden, um sie für Fliegen so verführerisch wie möglich zu machen. Diese Signale wiederum sind die Eintrittskarte dafür, das System im Gehirn der Fliegen zu analysieren und bis zu ihrem Verhalten weiter zu verfolgen.

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Bill Hansson / MPI für chemische Ökologie
Stand: 19.08.2011

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Täuschende Schönheiten
Wie Pflanzen ihre Bestäuber-Insekten hereinlegen

Täuschen und Tricksen im Pflanzenreich
Wie Blüten gegen die Spielregeln der Bestäubung verstoßen

Von Bienen und Orchideen
Sexuelle Täuschung bei der Bestäubung

Weibchen im Visier
Wenn Pflanzen Brutstellen vortäuschen

Blütezeit und Duftstoff-Typen
Wie Pflanzen eine "falsche" Bestäubung verhindern

Faulende Bananen als Lieblingsduft
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