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Fast am Boden

Wracks, Kartierung und ein Beinahe-Zusammenstoß

Während die Astronauten in die Erdumlaufbahn einschwenken und Schwung holen für die Passage zum Mond, etabliert sich an Bord der Franklin allmählich Routine. Die Besatzung protokolliert Messungen und Beobachtungen und dümpelt mit knapp fünf Kilometer pro Stunde in der leider nicht allzu warmen Strömung.

Busby hat sich gegen die Kälte in eine Decke gehüllt © NASA/GSFC/seawifs

In gut 300 Metern Tiefe herrschen gerade mal 13°C, die dünne Hülle ist nicht wärmeisoliert und um Strom zu sparen, bleibt die Heizung aus. In den klammen und feuchten Räumen holen sich Piccard, Busby und Kazimir prompt eine Erkältung, die sie die ganzen nächsten Tage nicht mehr loswerden. Zu allem Überfluss gibt es Probleme mit den Kohlenmonoxid-Konzentrationen in der Kabinenluft. Die Werte des hochgiftigen Gases liegen zu hoch, die Männer versuchen, durch Lithiumhydroxidfilter Abhilfe zu schaffen, doch der CO-Wert wird während der gesamten Tauchzeit immer wieder zum Problem.

Eine drei Jahre anhaltende Dürre verwandelte dieses Weideland in Australien in Wüste. Künftig könnte ein solches Schicksal noch mehr Menschen ihrer Lebensgrundlage berauben. © SXC

20 Juli, 20:17 Weltzeit: Neil Armstrong verkündet der Bodenstation und der gespannt wartenden Weltöffentlichkeit: „The Eagle has landed!“. Sechs Stunden später steigt er die Leiter der Landefähre hinunter und setzt den ersten Fuß auf dem Mond. Sen Ausspruch: „That’s one small step for a man, one giant leap for mankind”, wird in die Geschichte eingehen. Für die Crew der PX-15, 170 Meter unter der Meeresoberfläche driftend, ist es ein Tag voller Routineaufgaben. Aber auch sie erhält die Nachricht von der Mondlandung – per Funk von ihrem Begleitschiff. Der Kapitän Kazimir notiert in seinem Logbuch: „Das Highlight des Tages war die Mondlandung, die uns die Privateer mitteilte.“

Kartierung mit Hindernissen

Auch die nächsten Tage an Bord der Franklin vergehen mit intensiver wissenschaftlicher Arbeit und erneuten Problemen: Vor der Küste von Georgia soll das U-Boot 24 Stunden lang den Untergrund in einem Abstand von nur neun Metern über dem Meeresboden schwebend fotografisch kartieren – ein riskantes Manöver, da in dieser Gegend zahlreiche Schiffswracks liegen. Tatsächlich warnt das Sonar in 550 Metern Tiefe plötzlich vor einem großen Hindernis direkt voraus, zu sehen ist in der Dunkelheit allerdings nichts.

Eines der Fotos der Unterwasserwelt © NASA/GSFC/seawifs

Kapitän Kazimir geht auf Nummer sich und ordnet ein Aufsteigen um 30 Meter an. Das Schiff passiert das Hindernis unbeschadet und fotografiert weiter. Immerhin entfaltet sich vor den Augen der Wissenschaftler eine faszinierende Unterwasserwelt. Später stellt Kazimir fest, dass es sich um einen falschen Alarm gehandelt hat: Das Sonar hatte eine Fehlfunktion, ein Hindernis gab es an dieser Stelle nicht.

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Die Gefahr von Kollisionen und die Unsicherheit über die Zuverlässigkeit der Ausrüstung zerren an den Nerven. Immer wieder muss das Schiff zwischendurch aufsteigen. Kazimir notiert im Logbuch: „Es wäre besser gewesen, dieses Gebiet in drei getrennten Exkursionen während einer 24-Stunden Periode zu erkunden, um physische Belastung, Kälte und Stromverbrauch zu reduzieren.“ Die Männer sind erschöpft. Die Kartierung ist geschafft, aber noch immer ist es ungemütlich kalt und feucht im U-Boot. Zu allem Überfluss macht sich jetzt auch die Strömung bemerkbar: Immer wieder bringen Turbulenzen die Franklin vom Kurs ab, der Pilot schafft es kaum, sie in der vorgesehen Tauchtiefe zu halten.

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Nadja Podbregar
Stand: 24.07.2009

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Die vergessene Mission
PX-15: Eine Untersee-Expedition im Schatten der Mondlandung

"Mehr als nur eine Frage der Neugierde"
Kennedy und die Visionen für die Ozeanerkundung

Der U-Boot-Pionier und der Raketenmann
Was hat Meeresforschung mit dem Weltraum zu tun?

Mit dem „Mesoscaphe“ in die Meerestiefe
Das Schiff und die ersten Tauchgänge

Zwei Starts, zwei Welten
14. bis 16. Juli 1969

Fast am Boden
Wracks, Kartierung und ein Beinahe-Zusammenstoß

Weitab vom Kurs
Kampf mit der Strömung

Endspurt
Sturm oben, ungemütlich unten

Was ist geblieben?
Ein Epilog

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