Essen gehört nicht in den Tank - scinexx | Das Wissensmagazin
Anzeige
Anzeige

Essen gehört nicht in den Tank

Spritpflanzen in Konkurrenz zur Nahrungsproduktion

Gegen Ende der 2000er Jahre erlebte die Biospritproduktion einen Boom: Aufgrund der weltweiten Bemühungen, CO2-Emissionen zu senken, fand der Sprit auf pflanzlicher Basis großen Absatz. In derselben Zeit stiegen aber auch in vielen Ländern die Preise für wichtige Grundnahrungsmittel, denn viele Spritpflanzen wie Soja, Mais, Maniok und Zuckerrohr sind auch Nahrungsmittel.

Berüchtigt wurde in diesem Zusammenhang die „Tortillakrise“ im Jahr 2007: In den USA war es auf einmal lukrativer, Mais zu Bioalkohol umzusetzen, als ihn nach Mexico zu verkaufen. Dort stiegen daraufhin die Preise so hoch, dass Maismehl und Maisprodukte besonders für die arme Bevölkerung zu teuer wurden. Ein Vergleich macht die Verhältnisse deutlich: Von dem Mais für eine einzige Tankfüllung mit Biosprit kann eine Person ein ganzes Jahr lang leben.

„Tank oder Teller“

Die Konkurrenz von „Tank oder Teller“ besteht nicht nur direkt bei den produzierten Pflanzen. Auch Ölpflanzen, die nicht gegessen werden können, können dennoch die Nahrungsproduktion gefährden: Dann nämlich, wenn sie auf eigentlich für den Nahrungsanbau gedachten Flächen gepflanzt werden. Gerade in Entwicklungs- und Schwellenländern ist dies vielfach der Fall.

…oder in der Ethanol-Fabrik © Andy Beecroft / (CC BY-SA 2.0)

Allerdings trägt die Biosprit-Industrie nicht die alleinige Verantwortung für die Lebensmittel-Preiskrise von 2007 und 2008. Mehrere andere Faktoren heizten die kritische Lage an: In derselben Zeit stiegen auch die Ölpreise, was letztendlich auch die Preise für Dünger und damit landwirtschaftliche Produktion in die Höhe trieb. Die wachsende Wirtschaft der Schwellenländer in Asien gilt ebenfalls als Mit-Auslöser: Mit wachsendem Wohlstand steigt auch die Nachfrage nach vielseitigerem und auch fleischreicherem Essen. Die Produktion von Fleisch erfordert ebenfalls große Mengen der Futterpflanzen Mais, Soja oder Raps. Die wachsende Weltbevölkerung macht die gerechte Verteilung von Nahrungsmitteln für alle außerdem zunehmend schwerer.

Urwald im Tank – auch bei uns

Wer jedoch denkt, dass all diese Probleme vor allem Staaten betreffen, in denen Soja- und Palmöl den Hauptbedarf an Biosprit decken, liegt falsch: Der in Deutschland angebaute Raps allein reicht bei weitem nicht aus, um den deutschen Spritverbrauch zu decken. Der fehlende Anteil wird importiertl. Auch bei uns stammt daher ein zunehmender Teil des Agrosprits aus Soja und Ölpalme.

Anzeige

  1. zurück
  2. |
  3. 1
  4. |
  5. 2
  6. |
  7. 3
  8. |
  9. 4
  10. |
  11. 5
  12. |
  13. 6
  14. |
  15. 7
  16. |
  17. weiter

Ansgar Kretschmer
Stand: 30.04.2015

Anzeige

In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Biodiesel und Co
Biokraftstoffe in der Kritik

Was, wie und warum?
Vom Diesel zum Biodiesel

Umgeestert und mit Alkohol gestreckt
Was genau sind Biodiesel und E10?

Mehr Agro als Bio?
Biokraftstoff und das Klima

Benzin aus dem Regenwald
Für Biosprit verschwinden Lebensräume

Essen gehört nicht in den Tank
Spritpflanzen in Konkurrenz zur Nahrungsproduktion

Weg vom Öl, weg von Raps und Soja
Alternative Quellen für Biotreibstoffe

Diaschauen zum Thema

News zum Thema

Nur wenige Biotreibstoffe sind "grün"
Geringerer Ausstoß von Treibhausgasen wird durch andere Umweltbelastungen wettgemacht

Algen in den Tank
Neues Verfahren zur Herstellung von Biodiesel aus Mikroalgen-Ölen

Raps bedroht Wildpflanzen
Blütenreichtum zieht Bienen aus naturnahen Lebensräumen ab

Biodiesel aus Abfall als Antrieb der Zukunft?
Biotreibstoffe der 2. Generation auf dem Prüfstand

Neuer Biokraftstoff aus Holz
Kraftstoffe nutzen Lignocellulose als Rohstoff und können mit heutigen Fahrzeugen ohne Umrüsten genutzt werden

Strom aus Biomasse muss zukünftig nachhaltig erzeugt sein
Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) jetzt durch Nachhaltigkeitsverordnung ergänzt

Dossiers zum Thema

Biomasse - Holz, Stroh und Biogas - Energielieferanten der Zukunft?

Anzeige
Anzeige