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Die letzten Monate vor dem Capacocha-Ritual

Erst verwöhnt, dann geopfert

Wie die für das Capacocha-Ritual der Inka auserwählten Kinder ihre letzten Monate vor dem Opfertod verbrachten, war lange Zeit unklar. Nähere Untersuchungen der drei Kindermumien vom Llullaillaco haben in den letzten Jahren aber auch darüber mehr Aufschluss erbracht.

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Reichlich Essen und viele Drogen

Wieder waren es Haarproben, die Forscher auf die Spur brachten. Denn das auf dem Llullaillaco entdeckte 13-jährige Mädchen, die „Jungfrau“, trug lange geflochtene Zöpfe. In den Haaren sind jeweils die chemischen Merkmale konserviert, die zur Zeit ihrer Entstehung in der Haarwurzel herrschten. Das lange Haar des Mädchens lieferte daher eine Art Chronik ihrer Lebensweise, die gut zwei Jahre vor ihren Tod zurückreichte. Über Haaranalysen konnten die Forscher daher ihre Ernährung und ihren Drogenkonsum rekonstruieren.

Wie sich zeigte, begann das Mädchen rund ein Jahr vor ihrem Tod abrupt, besonders viel nährstoffreichen Mais und dessen Produkte zu essen. Gleichzeitig stiegen auch ihr Konsum von Coca-Blättern und Alkohol an. „Die Schnelligkeit und das Ausmaß dieser Veränderungen ist am besten damit zu erklären, dass das Mädchen zu diesem Zeitpunkt als rituelles Opfer auserwählt wurde und sich damit auch ihr Leben und ihr Status änderten“, erklären Andrew Wilson von der University of Bradford und seine Kollegen.

Priesterin, Ehefrau oder Götteropfer

Dies deckt sich mit vorherigen Vermutungen, nach denen vor allem ältere Mädchen unter den Auserwählten zunächst wie hochrangige Inkas behandelt und verwöhnt wurden. Bei Beginn der Pubertät entschied sich dann ihre endgültiges Schicksal: Sie wurden dann entweder als Priesterinnen eingesetzt, an reiche Inkas verheiratet oder aber als Teil der Capacocha-Riten geopfert – wie im Falle der „Jungfrau“ und ihrer beiden Begleiter der Fall.

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In Vorbereitung auf das Ritual wurden alle drei Kinder offenbar schon Monate vor ihrem Tod unter Drogen gesetzt. Sie bekamen regelmäßig kokainhaltige Cocablätter und Alkohol, wie die Haarproben zeigen. Vor allem die „Jungfrau“, das ältere Mädchen, hatte in den letzten Wochen vor ihrem Tode besonders viel Alkohol zu sich genommen – möglicherweise um sie besonders gefügig zu machen.

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Nadja Podbregar
Stand: 13.06.2014

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Das Rätsel der Andenmumien
Toten- und Opferrituale am Rande der Atacama

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Verblüffend komplexe Bestattungstechniken bei einfachen Fischern

Abgeschaut vom Wüstenwind
Wie kamen die Chinchorro auf die Idee der Mumien?

Opfertod für Gott und Volk
Die Capacocha-Zeremonie der Inka

Die Mumie vom Feuerberg
Die Entdeckung der Inka-Mumie "Juanita"

Tod im Rausch
Das Rätsel der drei Kinder vom Llullaillaco

Erst verwöhnt, dann geopfert
Die letzten Monate vor dem Capacocha-Ritual

Make-Up für die Toten
Der Totenkult von Teotihuacan

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