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Erosion vermindert Artenvielfalt

Abholzung und seine Folgen

Wie gefährlich die Erosion für das Pantanal ist, haben schon vor Jahren Wissenschaftler des deutsch-brasilianischen Pantanal-Ökologie-Projektes (PEP) untersucht. Schon in den 1990er Jahren konnten sie in ihren Studien einen dramatischen Anstieg der Sedimentlast in den Flüssen nachweisen.

Die stark sandhaltigen Böden sind nach dem Abholzen der Wälder nahezu schutzlos der abtragenden Wirkung von Wind, Regen und Sonne ausgesetzt. So entstehen entlang von neu angelegten Erdstraßen in den Landwirtschaftszentren vor allem bei schweren Regenfällen immer wieder metertiefe Erosionsrinnen. Sturzbäche aus Wasser und Sand ergießen sich dann in die Flüsse und verstopfen sie regelrecht.

Geringere Strömung, sterbende Wälder

„Durch die Sedimentlast verändern sich die Strömungseigenschaften der Pantanalzuflüsse. Die Hauptwasserrinnen verbreitern und verlagern sich, Schwaden von Partikeln ziehen über den Grund und, decken die Wasserpflanzen zu und bilden Sandbänke, langfristig nimmt die Wassertiefe ab.“, so das Resümee des Berichts „Forschung für den Regenwald“ im Jahr 2001.

Das jedoch ist nur die eine Seite der Medaille: „SHIFT-Studien haben nachgewiesen, dass Fauna und Flora in den Bächen und Flüssen auf solche Störungen ihres Lebensraums empfindlich reagieren. In den Oberläufen verringert sich die Artenvielfalt und Bestandesdichte wirbelloser Tiere. In den mittleren Abschnitten sterben die Galeriewälder ab, die die Ufer der Bäche säumen, und in den Mündungsbereichen werden Fischhabitate überlagert. So breiten sich Umweltprobleme aus dem Einzugsgebiet auch in das Pantanal aus“, so der Bericht weiter.

"Abholzung, Erosion und Vergiftung unserer Flüsse und Seen im Pantanal sind die Folge der erweiterten Anbauflächen für Soja und Zuckerrohr.“, fasst Adalberto Eberhard von Ecotropica die Umweltprobleme zusammen. Und Marion Hammerl, Präsidentin des Global Nature Fund (GNF), ergänzt: "Die großflächige Erzeugung von Soja und Ethanol haben im Einzugsbereich des Pantanals nichts zu suchen. Aufgrund des hohen Energieeinsatzes und einhergehender Brandrodung sind Soja und Ethanol keine Lösung für die Energieprobleme in Europa."

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Ähnlich sieht es Sandro Menezes, der Leiter des Pantanal Programms der Umweltorganisation Conservation International do Brasil: „Es ist extrem wichtig, die Gebiete rund um die Pantanalebene zu schützen, denn diese sind die Quellregionen für die Flüsse, die das Feuchtgebiet ausmachen.“ Zusammen mit zahlreichen Naturschützern aus dem In- und Ausland setzt er sich vehement für den Erhalt des tropischen Paradieses ein.

Umweltprobleme ohne Ende

Doch der Einsatz pro Natur gleicht einem Kampf gegen die neunköpfige Hydra aus der griechischen Mythologie. Kaum ist ein Kopf abgeschlagen, taucht sofort ein neuer auf. So fehlen beispielsweise in vielen Städten der Region wie Cuiaba oder Campo Grande noch immer leistungsfähige Abwasserkläranlagen.

Millionen von Litern mit Schadstoffen und Bakterien belasteten Wassers fließen deshalb täglich über Flüsse wie den Paraguay oder Cuiaba Richtung Pantanal. Tendenz stark steigend. Denn die Bevölkerungszahl soll sich im Einzugsgebiet des Oberen Paraguay-Flusses bis zum Jahr 2025 nach Schätzung von Experten verdoppeln.

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Stand: 09.02.2007

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Pantanal
Von der Arche Noah zum Auslaufmodell

Verwandlungskünstler Pantanal
Beständiger Wechsel zwischen nass und trocken

El Dorado für Tiere und Pflanzen
Exotische Vielfalt im Feuchtgebiet

Eine Autobahn für Wasser
Das Hidrovia-Projekt

Hochwasser ohne Ende
Kanalbau ade?

Soja statt Savannen
Landwirtschaft als Feind des Pantanals

Totengräber des Pantanals?
Soja- und Zuckerrohranbau vergiften Pantanal-Flüsse

Erosion vermindert Artenvielfalt
Abholzung und seine Folgen

Rinder und Reis als Problemfälle
Ökologische Vielfalt im Pantanal unter Druck

Region ohne Zukunft?
Ein Fazit

Letzte Rettung Ökotourismus
Auf der Suche nach zahlungskräftigen Urlaubern

Erlebnis Pantanal
Unterwegs Off-Road mit Explore Pantanal

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