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Wie sinnvoll ist die "De-extinction"?

Erfolg oder Wahnwitz?

Doch selbst, wenn es eines Tages klappt: Keiner der diskutierten Ansätze wird die ausgestorbenen Spezies in exakt der Form wiederholen können, wie sie einst auf der Erde lebten. Nicht nur bei der Rückzüchtung, auch beim Klonen nach der Dolly-Methode wird zum Beispiel keine hundertprozentige genetische Übereinstimmung mit dem Ausgangstier erreicht. Denn die Mitochondrien der fremden Eizelle haben ihr eigenes Genom und geben diese DNA an den Nachwuchs weiter.

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Weitaus entscheidender könnte jedoch ein weiterer Aspekt sein: Viele wiederbelebte Arten würden sich heute einer ganz anderen Umgebung ausgesetzt sehen als sie ursprünglich kannten. Das fängt bei der Leihmutter an und geht über den Lebensraum bis hin zur Ernährung. All diese Faktoren beeinflussen die Entwicklung der Tiere, die sich somit zwangsläufig verändern.

Ökosysteme im Gleichgewicht

Doch ist das Ziel der „De-extinction“ damit verfehlt? Nicht unbedingt, sagen einige Forscher. Denn es braucht keine exakte Replikation, um die mit diesem Ansatz verfolgten Absichten zu erreichen. Schließlich geht es oftmals darum, wieder eine Schlüsselart in ein aus dem Gleichgewicht geratenes Ökosystem einzuführen. So soll der im Tauros-Programm gezüchtete, neue Auerochse künftig jene Landstriche bevölkern, die früher der Ur durchstreifte. Und auch das wiederbelebte Mammut könnte in Sibirien eine offene ökologische Nische füllen.

„Der neue Auerochse und das neue Mammut werden zwar nicht genetisch identisch mit dem ausgestorbenen Auerochsen und dem ausgestorbenen Mammut sein“, konstatiert die Evolutionsbiologin Beth Shapiro. „Doch es gibt keinen Grund davon auszugehen, dass sie nicht grasen, Nährstoffe verwerten und verteilen und auf diese Weise zu einem vielfältigen, gesunden Ökosystem beitragen – so wie es einst Auerochse und Mammut getan haben.“

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Ursachen bekämpfen

Die Wiederherstellung gesunder Ökosysteme ist das wohl schlagkräftigste Argument der Wiederbelebungs-Befürworter. Doch ist die „Rückausrottung“ wirklich im Sinne des Naturschutzes? Kritiker sehen das nicht so: Sie befürchten, dass die zurückgeholten Arten in ihren teilweise stark veränderten Lebensräumen keinen Platz mehr finden.

Sollten wir uns nicht lieber auf die Rettung noch lebender Tierarten konzentrieren? © Saddako/ istock

Doch nicht nur das: Der enorme Zeit- und Kostenaufwand, den eine Wiederbelebung bedeuten würde, geht ihrer Meinung nach zulasten der aussichtsreicheren Rettung noch lebender Spezies. „Es ist weitaus sinnvoller, die begrenzten Ressourcen in die Vermeidung von Ausrottungen zu investieren – indem man deren Ursachen bekämpft: die Zerstörung von Lebensräumen, den Klimawandel, die Umweltverschmutzung und so weiter“, sagt der Biologe Paul Ehrlich von der Stanford University.

Eine Frage der Moral

Zudem sieht er eine moralische Gefahr: „Das Problem ist: Wenn die Gesellschaft einmal beginnt, ein „Jurassic Park“-Szenario ernst zu nehmen, dann wird sie noch weniger tun, um den Rückgang der Biodiversität zu verhindern“, konstatiert der Wissenschaftler. Demnach führe die vermeintliche Absicherung zu einer fatalen Egal-Haltung.

Tatsächlich ist dieses Phänomen aus anderen Bereichen bereits hinlänglich bekannt: Bekommen Menschen beispielsweise eine staatlich finanzierte Flutschutzversicherung, sind sie eher bereit dazu, nah am Wasser zu bauen – und machen sich über die möglichen Konsequenzen weniger Sorgen.

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Daniela Albat
Stand: 06.07.2018

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Auferstanden von den Toten?
Wie Forscher ausgestorbene Tierarten zurück ins Leben holen wollen

Die Verlorenen
Können wir sie wiederbeleben?

Züchtung im Rückwärtsgang
Kommt der Auerochse zurück?

Die Dolly-Methode
Von geklonten Steinböcken und Gendatenbanken

Einsatz von Genschere und Co
Was kann die Gentechnik leisten?

Erfolg oder Wahnwitz?
Wie sinnvoll ist die "De-extinction"?

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