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Emanzipation mit Hindernissen

Europas langer Weg zum eigenen System

Mit Galileo erobert sich Europa auch im Reich der Navigationssatelliten erstmals die Position der dritten „Großmacht“ neben den USA und Russland – und emanzipiert sich damit gleichzeitig sowohl in technischer als auch in politischer Hinsicht vom „großen Bruder“ und seinem GPS. Nicht gerade zum uneingeschränkten Wohlgefallen der USA.

Umlaufbahnen der Galileo-Satelliten © ESA

Technisch gesehen kann Galileo dem amerikanischen System nicht nur das Wasser reichen, sondern wird ihm sogar überlegen sein: Statt einer Auflösung von nur zehn bis 20 Metern im zivilen Bereich wie beim GPS wird mit Galileo eine Positionsbestimmung bis auf den Meter genau möglich sein. Mit 30 Satelliten im Orbit und einer besseren Abdeckung auch der höheren Breiten sollen in Zukunft zudem auch die letzten „weißen Flecken“ auf der Karte des Satellitenempfangs verschwinden.

Da Galileo zwar besonders auf die europäischen Bedürfnisse zugeschnitten ist, sich aber durchaus auch darüber hinaus einsetzen und nutzen lässt, steht damit dem GPS ein starker Konkurrent ins Haus. Eine von Seiten der EU durchaus gewollte Konstellation, wie auch Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn eindeutig erklärt: „Ich stelle mit Genugtuung fest, dass Europa bei einem Programm, das für jeden von uns im Alltag von großem Nutzen sein wird, erneut seinen Willen zur Behauptung einer technologischen Führungsposition unter Beweis gestellt hat.“

GPS-Empfänger beim Militäreinsatz © ESA

Den USA ist dieser Anspruch ein Dorn im Auge: Schon in der Frühphase der Planungen hat die US-Regierung immer wieder betont, ein solches „eigenes“ System der Europäer sei „unnötig“, die GPS-Technik sei erprobt und stünde schließlich allen Interessenten zur Verfügung. Ungesagt blieb dabei allerdings, dass die USA den reibungslosen und permanenten Betrieb des GPS ausdrücklich nicht garantiert. Denn insbesondere die genauen, dem Militär vorbehaltenen Signale der Satelliten spielen eine entscheidende Rolle bei Einsätzen in Krisen- und Kriegsgebieten und werden deshalb im Zweifelsfall in ihrer Genauigkeit reduziert oder auch einmal komplett abgeschaltet, um den Gegnern die Orientierung zu erschweren. So herrschte während der Irak- und Afghanistankriege zeitweilig GPS-„Funkstille“ über den umkämpften Regionen.

Gerade unter diesem Aspekt ist das US-Militär von einem parallel arbeitenden unabhängigen System verständlicherweise alles andere als begeistert. Kurz vor einem für Dezember 2001 angesetzten Treffen der EU-Ländervertreter flatterte den europäischen Verteidigungsministern prompt ein Brief aus dem Pentagon ins Haus: In ihm protestierte der stellvertretende Staatssekretär des US-Verteidigungsministeriums, Paul Wolfowitz, noch einmal nachdrücklich gegen das Vorhaben und warnte die EU davor, in den bereits vom GPS belegten Frequenzbereich „einzudringen“. Offizielle Begründung für diese Warnung war die Befürchtung, dass bei einer Nutzung der gleichen Frequenzen sowohl zivile als auch militärische Nutzungen des GPS gestört werden könnten.

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Die EU ließ sich allerdings von diesen Drohgebärden und Interventionsversuchen nur bedingt beeindrucken: Man werde selbst entscheiden, was zwingend erforderlich sei und was nicht, ließ der Präsident der EU-Kommission, Romano Prodi, über seinen Sprecher Jonathan Fauli der US-Regierung postwendend ausrichten.

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Stand: 13.08.2004

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Inhalt des Dossiers

Galileo
Europas Satellitennavigationssystem auf dem Weg ins All

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