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Eisen, Glas und Ton

Was der Gletscher noch zutage förderte

Die stauchende Kraft des Eiszeitgletschers hat im Muskauer Faltenbogen aber nicht nur Braunkohle zutage gefördert: Auch Sedimente, die Rohstoffe wie Alaun, Eisen, Lehm, Ton und feinen Quarzsand enthalten, wurden durch die gekippten Schichten der Stauchendmoräne freigelegt.

Rennofen
Nachbau eines Rennofens wie er auch zur Gewinnung von Eisen aus dem Raseneisenstein verwendet wurde.© EwigLernender / gemeinfrei

Raseneisenstein und Rennöfen

Ein Rohstoff, der schon lange vor der Braunkohle im Muskauer Faltenbogen genutzt wurde, ist der Raseneisenstein. Diese eisenhaltigen Sedimente entstehen, wenn eisenhaltiges Grundwasser mit Luftsauerstoff in Kontakt kommt und das gelöste Eisen dadurch oxidiert und als rotbraunes Eisenoxid ausfällt. Wenn der Grundwasserspiegel wiederholt ansteigt und fällt, wäscht er immer neues Eisen aus dem Untergrund aus und transportiert es nach oben.

Dort lagert sich der entstehende Rost an der Bodenoberfläche und auf dem dort wachsenden Gras ab – daher der Name Raseneisenstein. Im Laufe der Zeit bilden sich dadurch ganze Schichten dieses eisenhaltigen Sandsteins, der im Muskauer Faltenbogen immerhin rund 30 Prozent Eisen enthält. Das Raseneisenerz ist der älteste, in diesem Gebiet durch den Menschen genutzte Bodenschatz.

Schon in der Antike begannen Menschen, mithilfe des Rennofens aus dem Muskauer Raseneisenstein schmiedbares Eisen zu gewinnen. Dafür wurde über einer flachen Grube ein kaminähnlicher Schacht errichtet. In diesen schichtete man Raseneisenerz abwechselnd mit Holz und Holzkohle auf und zündete das Brennmaterial an. Die im Ofeninneren entstehende Hitze von etwas mehr als tausend Grad führte zu einer Reduktion des Eisenoxids aus dem Raseneisenstein zu halbfestem Eisen. Die flüssige Schlacke lief durch Öffnungen im unteren Bereich aus dem Ofen ab.

Zentrum der Glasherstellung

Doch Eisen und Braunkohle sind bei weitem nicht die einzigen Rohstoffe, die seit der Eiszeit im Faltenbogen zugänglich wurden. Die stauchende Kraft des Gletschers ließ auch unter der Kohle liegende Gesteinsschichten mit feinem weißem Quarzsand zutage treten – den Rohstoff für die Glasherstellung. Schon Mitte des 18. Jahrhunderts kamen daher Glasmacher aus Böhmen in den Muskauer Faltenbogen und begannen, den dort abgebauten Quarzsand zu Glas zu verarbeiten. Der dichte Baumbestand in dieser Region liefert ihnen dafür das nötige Brennholz.

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Mit der Zeit entstanden im Muskauer Faltenbogen mehr als 30 Glashütten. Es ist daher kein Zufall, dass Weißwasser am südlichen Rand des Muskauer Faltenbogens zu Beginn des 20. Jahrhunderts sogar der Ort mit der größten Glasproduktion weltweit war. Ein Glasmuseum im Ort erinnert heute noch an die lange Tradition der Glasmacherei in dieser Region.

Ton für Töpfereien und Industrie

Über und unter der Braunkohle liegen in der Muskauer Moräne auch mehrere Tonschichten besonders hoher Qualität. Diese Tone wurden schon vor Jahrhunderten in Tongruben abgebaut und zu Ziegeln, aber auch zu Keramik verarbeitet. Die Spanne reicht von einfachen Töpfen und anderer Gebrauchskeramik bis zu Industriekeramik der Neuzeit. Zu diesen vor allem ab den 1930er Jahren hergestellten Produkten gehörten Abwasserrohre, Waschbecken, Spezialbehälter für Säuren und Laugen in der Chemieindustrie oder auch Isolatoren für Hochspannungsleitungen.

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Fußabdruck der Eiszeit
Muskauer Faltenbogen – das Erbe eines Kaltzeit-Gletschers

Ein Gletscher und seine Folgen
Wie der Muskauer Faltenbogen entstand

Das Erbe des Eises
Was vom Gletscher übrig blieb

Gekippte Schichten
Furchige Senken und braune Kohle

Eisen, Glas und Ton
Was der Gletscher noch zutage förderte

Faszinierende Phänomene
Farbige Seen und versunkene Wälder

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