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Eine Qualle der Superlative

Die Seewespe und ihre traurige Berühmtheit

Die „mordende Hand“, das ist nicht etwa ein Charakter aus einer Frankensteinverfilmung oder ein Mitglied der Adams Family, sondern die aus dem lateinischen übersetzte Bezeichnung einer ungewöhnlichen Quallenart. Die Seewespe, so ihr deutscher Name, ist eine richtige Berühmtheit unter den Nesseltieren. Schon so manche Negativ-Schlagzeile handelte von ihr und fast jeder hat den Namen des Tieres schon einmal gehört. Der Grund für ihre Bekanntheit liegt in der Gefahr, die von ihr ausgeht, denn die kleine Qualle gehört zu den giftigsten Tieren der Welt. Jährlich werden weltweit bis zu 70 Todesfälle gemeldet, die auf das fast durchsichtige Wesen zurückzuführen sind. Hinzu kommen unzählige leichtere Unfälle, allein in Australien bis zu 20.000.

Giftig, giftiger, Seewespe

Seewespe © GBRMPA

Doch warum ist die Seewespe gefährlicher als zum Beispiel Haie, deren Angriffe weltweit „nur“ fünf bis zehn Todesopfer im Jahr fordern? Die Qualle ist eine Meisterin der chemischen Kriegsführung. Bereits anderthalb tausendstel Gramm ihres Toxins reichen aus, um einen erwachsenen Menschen zu töten. Insgesamt trägt das Nesseltier soviel Nervengift in ihrem Körper, das sie 250 Personen den Tod bringen könnte. Gerät man in Kontakt mit den giftigen Nesselzellen, so breitet sich das Toxin mit dem Blut im ganzen Körper aus und führt beim Opfer innerhalb weniger Minuten zu Lähmungen der Muskulatur, der Atmung oder des Herzens. Viele Schwimmer, die die Qualle im Meer angreift, schaffen es deshalb nicht mehr ans Ufer und können nur noch Tod geborgen werden. Dabei steht der Mensch normalerweise gar nicht auf ihrer Beuteliste und die Unfälle passieren eher zufällig. Denn das Tier hat sich eigentlich auf die Fischjagd spezialisiert. Damit die flinke Beute nicht entkommen kann, muss sie diese direkt beim ersten Kontakt bewegungsunfähig machen.

Weltrekord im Freistilschwimmen?

Seewespe © Rob Crutcher

Das unglaublich effektive Gift ist nicht die einzige Besonderheit der Qualle, denn die Seewespe bietet eine ganze Reihe an Superlativen. Wie alle Arten der Würfelquallen, ist auch Chinorex fleckeri eine gute Schwimmerin und gehört dabei sogar zu den Schnellsten unter den Hohltieren. Der Schirm kann sich durch kräftige Muskeln mehrmals in der Sekunde zusammenziehen und das Tier nach dem Rückstoßprinzip fortbewegen. Dadurch erreicht die Qualle Geschwindigkeiten von bis zu neun Kilometern in der Stunde und schwimmt so zumindest schneller als jeder Mensch. Der US-amerikanische Rekordhalter Tom Jager jedenfalls erreichte beim aktuellen Weltrekord über 50 Meter Freistil „nur“ gut acht Kilometer pro Stunde.

24 Augen sehen mehr

Doch das ist noch längst nicht alles. Mit ihren 24 Sehorganen verfügt die Seewespe über eine erstaunlich komplexe visuelle Wahrnehmung, wie sie sonst meist nur bei höheren Tieren zu finden ist. 16 von diesen sind dabei so genannte Pigmentgruben, die nur die Fähigkeit besitzen hell und dunkel zu unterscheiden. Die restlichen acht Augen haben es aber in sich. Sie besitzen winzige hoch entwickelte Linsen, die ein sehr scharfes Bild ohne Farbfehler liefern. Das eigentlich notwendige Gehirn, um diese komplexen Informationen zu verarbeiten, fehlt der Qualle allerdings. Die Tiere verarbeiten die visuellen Reize deshalb direkt in ihrem Nervensystem. Forscher vermuten, dass jedes Sehorgan eine festgelegte Funktion hat, die nur zu einer einzigen speziellen Reaktion führt und so eine zentrale Verarbeitung unnötig macht.

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MSC
Stand: 15.06.2007

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Quallen
Faszinierende Überlebenskünstler der Ozeane

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