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Eine gesellschaftliche Frage

Das Problem forstpolitischer Entscheidungen

Wenn es um Nutzen und Schutz des Waldes geht, spielt auch die menschliche Psyche eine Rolle und erschwert eine sachliche Diskussion. Unter den Kronen von Eichen und Buchen fühlt sich fast jeder Mensch instinktiv wohl und kommt zur Ruhe. Vor allem die Deutschen haben ein geradezu romantisches Verhältnis zum Wald. Er wird verklärt als Gegenentwurf zur hektischen Stadt und zur stinkenden Fabrik.

Buche
Gerade in Deutschland hat die Verklärung des Waldes lange Tradition. © Heckepics/ iStock.com

Vor diesem Hintergrund hat eine Berechnung, wie sie Schulze vorlegt, auch eine erhebliche politische Bedeutung. Er selbst leitet aus seiner Kalkulation Forderungen ab. Seiner Ansicht nach sollten Waldeigentümer für eine nachhaltige Bewirtschaftung belohnt werden. Sie könnten etwa von einer CO2-Steuer profitieren, die auf die Verbrennung fossiler Brennstoffe erhoben würde.

Sich selbst überlassen oder bewirtschaften?

Unterstellt man dagegen, dass ein Naturwald dem Klimaschutz besser dient als ein Nutzwald, müsste die Politik anders vorgehen. Dann wäre sie gehalten, große Teile der deutschen Wälder sich selbst zu überlassen und von den Besitzern der Wirtschaftswälder für jeden Einschlag eine CO2-Abgabe zu verlangen. Doch das wäre kurzsichtig gedacht, denn Holz ist als Werkstoff nicht zu ersetzen, zumal Holz in Zukunft vermehrt Baustoffe ersetzen soll, die mit viel Energie hergestellt werden.

„Wie sollen wir auf Bewirtschaftung verzichten, wenn wir Holzprodukte brauchen?“, gibt Max-Planck-Forscher Hartmann zu bedenken. Denn wenn die Stämme nicht aus Deutschland kommen, dann müsste man sie aus Sibirien oder aus den Tropen importieren, was dem Klima mit Sicherheit mehr schaden würde, weil die Forstwirtschaft dort meistens nicht nachhaltig arbeitet. Im schlimmsten Fall werden dort Wälder abgeholzt, die große Mengen Kohlenstoff speichern und nicht entsprechend schnell nachwachsen können.

Das Dilemma der Waldbesitzer

Natürlich spielen auch finanzielle Interessen eine nicht unwichtige Rolle, denn etwa die Hälfte des deutschen Waldes ist in Privatbesitz. Die Liste der Grundbesitzer, die mit dem Wald Geld verdienen wollen, liest sich wie ein Verzeichnis der alten Adelsgeschlechter: von Thurn und Taxis über Hohenzollern bis zu Knigge und Guttenberg.

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Bislang verzeichnen sie nur Einnahmen, wenn sie Holz verkaufen. Das ist derzeit schwer genug. Doch wenn sie zudem noch eine CO2-Abgabe für jeden Einschlag bezahlen müssten, wäre das nicht vertretbar, meint auch Henrik Hartmann. Schließlich dienten die Wälder in vielfacher Weise der Allgemeinheit, ob als Hochwasserschutz oder als Erholungsraum. Mit Förderprogrammen allerdings, darauf weist Pierre Ibisch hin, dürfe man keinesfalls falsche Anreize schaffen, die zu einem vermehrten Einschlag führen: Holz dürfe kein Ersatz für Kohle werden.

Wie auch immer der Wald die zunehmende Klimaerwärmung bremst – ein Allheilmittel ist er nicht. Denn die Kapazität, Kohlenstoff aufzunehmen, ist selbst beim größten Wald irgendwann erschöpft. Auf Dauer hilft gegen die Erderwärmung nur eines: die Treibhausgasemissionen drastisch herunterzufahren.

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Wald im Klimastreit
Welcher Wald kann am meisten für das Klima tun?

Retter und Opfer zugleich
Die Rolle des Waldes im Klimawandel

Von jungen und alten Bäumen
Warum Waldbewirtschaftung dem Klima nutzt

Streit um das CO2-Einsparpotenzial
Welchen Klimaeffekt hat welcher Wald?

Speicher, Freizeitort und Lebensraum
Wald dient nicht nur dem Klimaschutz

Eine gesellschaftliche Frage
Das Problem forstpolitischer Entscheidungen

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