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Hypatia lehrt am Museion

Eine Frau im Philosophentalar

Schon bald nach ihrer Rückkehr hat Hypatia damit begonnen, Schüler um sich zu scharen und ihr Wissen weiterzugeben. Bald erhält sie, einzigartig für eine Frau, sogar den Lehrstuhl für platonische Philosophie am Museion. Ihr Charisma und ihre Vortragskunst ziehen nun Schüler von weither und aus allen Glaubensrichtungen an, mehr als ungewöhnlich in dieser Zeit.

Portrait einer ägyptischen Frau um 170 v. Chr. Hypatia könnte so ähnlich ausgesehen haben. © historisch

„Strahlendes Gestirn…“

So ungewöhnlich, dass der zur gleichen Zeit in Konstantinopel lebende Theologe und Historiker Sokrates Scholastikos ihr in seiner Kirchengeschichte gleich mehrere Absätze widmet. „Es gab in Alexandria eine Frau mit Namen Hypatia, Tochter des Philosophen Theon, die in Literatur und Wissenschaft so erfolgreich war, dass sie alle Philosophen ihrer Zeit übertraf. Viele Hörer kamen von weither, um von ihr unterrichtet zu werden.“ Poetischer veranlagte Zeitgenossen vergleichen sie mit Minerva, der römischen Göttin der Weisheit und beschreiben sie als „strahlendes Gestirn geistreicher Wissenschaft“.

Einflussreiche Stimme auch in der Politik

Einer der besten Schüler Hypatias ist Synesios aus Kyrene, ein Christ und vermutlich enger Freund des Stadtpatriarchen Theophilus. Trotz seines Glaubens studiert er bei der „Heidin“ neoplatonische Philosophie, Mathematik und Astronomie und bewundert ihr Wissen. Er bleibt bis zu seinem frühen Tod im Jahr 413 in engem Briefkontakt mit ihr, selbst als er 410 Bischof von Kyrene wird. Seine Briefe gehören zu den wenigen direkten Zeugnissen von Hypatia, die bis heute erhalten sind.

Hypatia beim Rat der Stadt © Tobis Film, Szenenbild aus "Agora - Die Säulen des Himmels"

In ihnen berichtet er, dass Hypatia auch abseits ihrer Lehrtätigkeit nicht gerade der klassischen Rolle der stillen und demütigen Frau entspricht: „Im Philosophentalar zog sie durch die Innenstadt und sprach für alle, die zuhören wollten, öffentlich über die Lehren des Platon oder Aristoteles“, so Synesios. Und der Kirchenhistoriker Sokrates Scholastikus schreibt: „Dank ihres souveränen Auftretens und ihrer eleganten Erscheinung erscheint sie häufig in der Öffentlichkeit in Gegenwart hoher Staatsbeamter. Sie scheut sich auch nicht, in öffentliche Versammlungen von Männern zu gehen. Alle Männer bewunderten sie dafür auf Grund ihrer außerordentlichen Würde und Tugend umso mehr.“

Doch diese Freiheit sollte nicht lange währen…

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Nadja Podbregar
Stand: 11.03.2010

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Hypatia: Tod für die Wissenschaft
Die berühmteste Gelehrte des antiken Alexandria wird wiederentdeckt

Hypatia und ihre Welt
Das Wichtigste in Kürze

„Nabel der Gelehrsamkeit“
Das antike Alexandria und die junge Hypatia

Von Kegeln und Gleichungen zum Sonnensystem
Hypatia als Mathematikerin und Astronomin

Eine Frau im Philosophentalar
Hypatia lehrt am Museion

Flammen über der Bibliothek
Alexandria unter christlicher Herrschaft

Krieg im „Dienste Gottes“
Die Eskalation der Konflikte

Zwischen den Fronten
Ende der Schonzeit für Hypatia und das Museion

Der Mord
Hypatias Tod und das Ende einer Ära

Vom vergessenen Opfer zum verklärten Symbol
Das Bild von Hypatia nach ihrem Tod

Hypatia als Filmheldin
Der Kinofilm „Agora – Die Säulen des Himmels“

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