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„Sedna“ sorgt für Uneinigkeit

Eine Frage der Benennung

Die Benennung von 2003 VB12 hängt nicht unwesentlich davon ab, zu welcher Gruppe von Objekten der Himmelskörper gezählt wird. »Unser neu entdecktes Objekt ist der kälteste und fernste bekannte Ort im Sonnensystem. Wir halten es daher für passend, es zu Ehren von Sedna zu benennen, der Inuit-Göttin des Meeres, die der Legende nach auf dem Grund des eiskalten arktischen Ozeans lebt. Wir werden außerdem der IAU vorschlagen, alle neu entdeckten Objekte der ›Inneren Oortschen Wolke‹ nach Wesen der arktischen Mythologien zu benennen«, begründet Brown den Namensvorschlag seines Teams.

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Mit der etwas voreiligen »Taufe« von 2003 VB12 hat sich das Entdeckerteam jedoch nicht nur Freunde gemacht. Diese »Verletzung des Protokolls« hat bei der IAU bereits zu einigen bissigen Bemerkungen geführt. Brian Marsden, ein Mitglied des Namenskomitees, meint sogar: »Andere Komiteemitglieder werden vielleicht dagegen stimmen, weil der Name auf diese Art und Weise an uns herangetragen worden ist.«

In schätzungsweise sechs Monaten wird die Bahn von 2003 VB12 so gut bekannt sein, dass das Objekt eine permanente Nummer erhält. Erst ab diesem Zeitpunkt haben die Entdecker eines Himmelsobjekts zehn Jahre Zeit, einen Namen für ihren »Schützling« vorzuschlagen. Sollte 2003 VB12 von der IAU aber wider Erwarten Planetenstatus erhalten, wäre Sedna ein Name, der für den Himmelskörper auf keinen Fall infrage kommt, da die anderen Planeten – mit Ausnahme der Erde – nach griechischen Gottheiten benannt sind.

Die Jagd geht weiter…

Während diese Feinheiten geklärt werden, geht die Jagd nach Eiswelten im äußeren Sonnensystem weiter. Trujillo ist derzeit damit beschäftigt, die Oberfläche von 2003 VB12 mit einem der größten Fernrohre der Welt zu untersuchen, dem Acht-Meter-Gemini-Teleskop auf dem Mauna Kea, Hawaii: »Wir verstehen noch immer nicht, was auf der Oberfläche des Planetoiden ist. So etwas haben wir nicht erwartet, und wir können es nicht erklären.«

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Brown, Trujillo und Rabinowitz wollen ihre Durchmusterung des äußeren Sonnensystems mit der 170-Megapixel-CCD-Kamera Palomar QUEST noch mindestens zwei Jahre fortsetzen. Sie hatten erst 15 Prozent des Himmels detailliert untersucht, als sie über Sedna »stolperten «. Auch der Umstieg auf das größere Hale-Teleskop mit einer Öffnung von fünf Metern ist geplant. Die nächste Entdeckung eines größeren Objekts ist daher nur eine Frage der Zeit. Möglicherweise ist Sednas Vorherrschaft schon wieder zu Ende gegangen, wenn Sie diese Zeilen lesen.

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Stand: 07.05.2004

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Sedna
Rätselhafte neue Welt am Rand des Sonnensystems

Überblick
Das Wichtigste in Kürze

Es kommt DOCH auf die Größe an …
Wärmestrahlung als Messhilfe

Sternenbesuch in der Urzeit
Das Problem der Einordnung

Kuiper-Belt oder Oortsche Wolke
Woher kam Sedna?

Frostiger Erdzwilling
Einzelfall oder nur einer von vielen?

Material aus der Urzeit
Zeitreise zu den Anfängen des Sonnensystems

Was ist ein Planet?
(K)eine Frage der Größe

Eine Frage der Benennung
„Sedna“ sorgt für Uneinigkeit

Kometenschleuder im All
Die Oortsche Wolke

Von KBO bis TNO
Die Trans-Neptun-Objekte im Überblick

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