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Der Medinawurm ist fast ausgerottet

Eine Erfolgsgeschichte

Die Geschichte dieses lästigen Parasiten beginnt schon im Alten Testament: „Feurige Schlangen“ bissen die ungeduldigen Israeliten beim Auszug aus Ägypten in die Füße. Auch die alten Ägypter schlugen sich mit dem Schmarotzer herum. Der Beweis: Ein toter Wurm in der Bauchhöhle einer 3.000 Jahre alten Mumie. Ihre Beine waren zwei Wochen vor ihrem Tod amputiert worden. Hauptdarsteller dieser Erfolgsgeschichte ist der Medinawurm, Erreger der Dracontiasis.

Der Lebenszyklus des Medinawurms © CDC / gemeinfrei

Der Zyklus des Wurms

Schauplatz: Die afrikanische Provinz in den 1980er Jahren. Wenn Menschen hier verunreinigtes Wasser trinken, nehmen sie gleichzeitig winzige Ruderfußkrebse auf, die mit Larven des Medinawurms infiziert sind. Im Körper angekommen wächst der weibliche Wurm dann innerhalb eines Jahres unbemerkt bis auf einen Meter Länge heran. Nun ist seine Zeit gekommen – er sucht sich einen Weg nach draußen.

Die Folge: Auf Füßen und Beinen der Infizierten bilden sich äußerst schmerzvolle Blasen. Dort streckt der Wurm sein Hinterteil hinaus und entlässt bis zu 50.000 Eier in einem Rutsch. Der Kranke empfindet dies als feuriges Brennen und versucht, sich im kühlen Nass Erleichterung zu verschaffen: Dadurch gelangen die Eier zurück ins Wasser und der Lebenszyklus schließt sich.

Der Medinawurm wird auf einem Streichholz aufgerollt. Das Entfernen des bis zu ein Meter langen Wurms kann mehrere Wochen dauern. © CDC / gemeinfrei

Wickelprozedur als Gegenmaßnahme

Die Behandlung gegen den Wurm ist spektakulär und hat sich seit den alten Ägyptern kaum verändert. Der nur ein bis zwei Millimeter dünne Wurm wird – noch lebendig – auf einem Streichholz oder Stöckchen aufgewickelt und dadurch ganz langsam aus der Wunde gezogen. Da er pro Tag nur wenige Zentimeter aufgerollt werden darf, kann der Vorgang mehrere Wochen dauern. Zerreißt er, droht eine Blutvergiftung.

Die Geschichte endet aber nicht in einem Wurmknäuel. Selbst nachdem die „feurige Schlange“ entfernt wurde, können viele Betroffene oft noch monatelang nicht laufen. Erwachsene verlieren dadurch laut einer Studie 100 Arbeitstage pro Jahr und Kindern fehlt ein Viertel des Schuljahres. In Mali ist die Dracontiasis deswegen auch als „Krankheit des leeren Kornspeichers“ bekannt. Die Armen werden noch ärmer, ein Teufelskreis entsteht.

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Kinder im Tschad halten Röhrenfilter, welche die Übertragung des Medinawurms über kontaminiertes Wasser verhindern. © CDC / CC-BY-SA 2.0

Die Ausrottung naht

Das Ende der alten Krankheit scheint jedoch zum Greifen nahe. Im Jahr 1986 litten noch 3,5 Millionen Menschen unter dem Medinawurm. Als Antwort darauf formte sich eine Allianz aus dem Carter Center in Atlanta und anderen Gesundheitsorganisationen mit einem Ziel: Der Medinawurm sollte endlich ausgerottet werden. Die Gegenmaßnahmen waren simpel: Ausgebildete Freiwillige behandelten aktive Fälle, klärten die Dorfbewohner auf und reinigten das Trinkwasser mit Wasserfiltern und einem Mittel gegen Ruderfußkrebse, die Überträger der Wurmlarven.

Die Maßnahmen wirkten schnell. Im Jahr 2017 wurden nur noch insgesamt 30 Fälle im Tschad und in Äthiopien nachgewiesen. Lediglich sieben afrikanische Länder warten heute noch auf das Siegel „Dracontiasis-frei“ der WHO. „Dieser Triumph sollte uns alle dazu inspirieren, Krankheiten der Armut zu überwinden und das Leben von wehrlosen Menschen zu verbessern, ohne jemanden zurückzulassen“, sagt Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der WHO.

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Yannick Brenz
Stand: 06.04.2018

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Krankheiten der Armut
Wenn Ungleichheit krank macht

Die drei großen Killer
Tuberkulose, HIV, Malaria

Eine Erfolgsgeschichte
Der Medinawurm ist fast ausgerottet

Kaum Fortschritte
Lepra – aus den Augen, aus dem Sinn

Die Ungleichheit hat System
Geld, Patente, Abgaben – Hoffnung?

Die kleinen Geschwister der Armut
Schlechte Hygiene, Mangelernährung und Luftverschmutzung

Armutskrankheiten in Deutschland
Weniger Geld, mehr Zivilisationskrankheiten

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