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Eine Bohne erobert die Welt

Die Wiege des Kaffees und seine Verbreitungswege

Es war einmal die Entdeckung des Kaffees: Es gibt viele Legenden darüber, wie der Mensch die anregende Wirkung der Kaffeepflanze erkannte, die ursprünglich im Hochland des heutigen Äthiopiens wuchs. In der bekanntesten Version wundern sich Hirten in der Provinz Kaffa darüber, dass ihre Ziegen abends keine Ruhe zu finden scheinen.

Anregende Früchte: Reife und unreife Kaffeekirschen © Deutscher Kaffeeverband

Gemeinsam mit den Mönchen vor Ort suchen sie nach der Ursache – und finden an der Stelle, wo die Tiere gegrast haben, eine offensichtlich angeknabberte Pflanze mit grünen, gelben und roten Früchten. Das Gewächs ist den Mönchen unbekannt. Trotzdem bereiten sie einen Aufguss aus den wundersamen Beeren zu und können daraufhin ohne das geringste Schlafbedürfnis die ganze Nacht lang angeregte Gespräche führen. Das erste Kaffeegetränk ist geboren.

Drehscheibe Mokka

Zwar scheint es gut vorstellbar, dass Menschen in Afrika die Kaffeepflanze und die Wirkung der in ihren Früchten enthaltenen Samen entdeckten, indem sie das Verhalten von Tieren studierten, die von den Kaffeekirschen gefressen hatten. Wie und wann sich die Entdeckung des späteren Exportschlagers jedoch wirklich zugetragen hat, ist unbekannt.

Klar ist allerdings: Spätestens im 14. Jahrhundert gelangt die Urform des in Äthiopien heimischen Arabica-Kaffees über Händler in den Jemen. Dort wird die Pflanze zu dieser Zeit in großem Stil angebaut, wie historische Schriften belegen. Wichtigster Umschlagsplatz für die Bohne, die eigentlich gar keine Bohne ist, wird das Hafenstädtchen Mokka am Roten Meer. Es soll schließlich zum Namensgeber für die ursprüngliche Zubereitungsart türkisch-arabischen Kaffees werden.

Zubereitung von Mokka: In der gleichnamigen Stadt nahm der Siegeszug des Kaffees seinen Anfang. © Eaeeae/ CC-by-sa 3.0

Anregender Weinersatz

Von Mokka aus breitet sich der Kaffee im Laufe der Zeit stetig weiter aus. Über Mekka und Medina gelangt er nach Kairo und erobert mit der Expansion des Osmanischen Reiches ab dem 16. Jahrhundert Kleinasien, Syrien und das südöstliche Europa. Das Getränk ist ob seiner anregenden Wirkung bei religiösen Muslimen vor allem als Ersatz für den „qahwah“ oder „kahweh“ beliebt: Wein, der den Gläubigen verboten ist.

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Der Kaffee wird nun zwar weltweit immer häufiger getrunken. Anbau und Handel beansprucht die arabische Welt allerdings für sich. Rohe Kaffeebohnen werden vor der Verschiffung zum Beispiel mit heißem Wasser übergossen, damit sie nicht keimen können. Auf diese Weise ist kein Handelspartner in der Lage, die Pflanze selbst anzubauen.

Ende eines Monopols

Mit dem Beginn der Kolonialisierung fällt das Monopol jedoch. So gelingt es den Niederländern, Kaffeesträucher zu entwenden und diese in ihren Kolonien auf Java und Sri Lanka anzupflanzen. Andere Kolonialmächte wie Großbritannien und Frankreich ziehen nach. Sie bringen die Pflanze im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts in alle Teile der Erde, die für den Kaffeeanbau geeignet erscheinen.

Gleichzeitig steigt der Konsum des Bohnengetränks in Europa und Nordamerika rasant an. Zahlreiche Kaffeehäuser werden eröffnet. Kaffee wird zu einem international wichtigen Handelsgut, einem Produkt von weltwirtschaftlichem Rang. Daran hat sich bis heute nichts geändert: Kaffee wird inzwischen in 76 Ländern der Erde angebaut und in fast jedem Land getrunken.

Mehr als 25 Millionen Menschen weltweit verdienen nach Angaben des Deutschen Kaffeeverbands ihr Geld mit dem Anbau, der Verarbeitung und dem Handel von Kaffee. Im Schnitt werden jedes Jahr 150 Millionen Sack à 60 Kilogramm geerntet – und landen als Filterkaffee, Mokka, Espresso oder Cappuccino in den Tassen der Welt.

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Daniela Albat
Stand: 07.07.2017

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Kaffee
Das "schwarze Gold"

Eine Bohne erobert die Welt
Die Wiege des Kaffees und seine Verbreitungswege

Wunderdroge Koffein
Eine pflanzliche Waffe als Wachmacher

Gesunder Genuss
Moderater Kaffeekonsum tut Geist und Körper gut

Bedrohte Bohne
Wird Kaffee durch den Klimawandel zum Luxusgut?

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