Ein Tag am Maar - scinexx | Das Wissensmagazin
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Untergang eines Maarsees

Ein Tag am Maar

Deutschland, vor rund 26 Millionen Jahren: Der Stöffeler Maarsee ist nicht groß, etwa einen Kilometer im Durchmesser und ziemlich rund. In den flachen Schilfbereichen und sumpfigen Zuflüssen tummeln sich im Frühjahr Millionen von Kaulquappen, nun quaken ein paar Frösche, fast 20 Zentimeter groß, verborgen im Reet.

Die Jahresdurchschnittstemperatur betrug im Oberoligozän vor etwa 26 Millionen Jahren 14,5 - 16,5°C. Das Kima war subtropisch-tropisch. © nach: Landesamt für Denkmalpflege Mainz

Die Winter sind hier schon warm und die Sommerhitze lädt erst recht zum Baden ein. Allerdings ist das nicht ungefährlich: An den Ufern liegen Krokodile in der Sonne und warten auf Beute. Dafür bieten Eichen, Ahorne und Buchen am Ufer und Auenwälder in den sumpfigen Flussdeltas schattige Plätzchen. Die Luft ist voll vom Surren und Brummen der Fliegen und Bienen. Am Boden und auf den Bäumen krabbeln blaugrüne Käfer und ab und zu huscht ein kleiner Salamander über einen der Baumstämme.

Etwas höher in den Bäumen sitzen kleine mäuseähnliche Säuger mit vorstehenden Zähnen und Gleithäuten zwischen den Gliedern. Von Zeit zu Zeit segelt einer auf den nächsten Baum, wo die Beeren ein bißchen größer aussehen. Und manchmal verschätzt sich einer, verfehlt den angepeilten Ast und fällt ins Wasser.

Meist holt sich eines der Krokodile den ertrinkenden Gleiter. Wenn aber nicht, treibt ihn die Oberflächenströmung sanft auf den See hinaus, wo er langsam versinkt. Vorbei an den kleinen Karpfen, die an seinem Körper nagen, bis er eine Tiefe erreicht, in der kein Sauerstoff und Leben mehr ist. Unten angekommen rieseln nur noch feine Sedimente durch die Wassersäule und decken den Körper langsam zu. Schon seit langer Zeit sinken Sedimente auf den Seegrund. Bereits 150 Meter feiner Ton lagern hier mittlerweile.

Oben an der Oberfläche donnert es unterdessen. Nichts besonderes in der Gegend, deren Vulkane die Pflanzen schon einige Male mit Asche erstickt haben: Jedes Mal hat sich das Leben den Raum zurückerobert, sind Pflanzen und Tiere zurückgekommen. Doch diesmal passiert etwas anderes. Die Lava, die sich aus der Flanke eines nahen Vulkans ergießt, nimmt Kurs auf den Stöffeler See. Schon nach kurzer Zeit hat sie ihn erreicht und stürzt zischend ins Wasser.

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Graue Dampfwolken hängen jetzt über dem See, und immer neuen Lavaschübe heizen das Wasser allmählich auf. Was laufen und fliegen kann ist bereits geflüchtet. Bereits vergiftet durch die schwefligen Gase der Lava geht den Fischen der Sauerstoff aus. Lavaschicht über Lavaschicht fließt in den See bis er komplett ausgefüllt der Vergangenheit angehört.

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Stand: 14.10.2005

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Von Urpferden und Flugmäusen
Die Ausgrabungen in Messel und Stöffel

Überblick
Das Wichtigste in Kürze

Ein Tag am Maar
Untergang eines Maarsees

... 25.600.000 Jahre später
Beim Spielen wiederentdeckt

Ortstermin Enspel `99
Eine paläontologische Ausgrabung

Der französische Verwandte
Den Nager von Enspel kannte man bereits - als Zahn

Blau bis in alle Ewigkeit
Rätsel um 26 Millionen Jahre altes Chitin

Weltnaturerbe contra Hausmüll
Die Grube Messel

Die hessischen Tropen
Messel - ein fast vollständig erhaltenes Ökosystem

Kalte Vulkane und schützendes Sediment
Warum sind die Fossilien von Stöffel und Messel so gut erhalten?

Von der Präparation ins Museum
Bedrohungen für Fossilien und Ausgrabungstellen

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