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Ein Supervulkan als Dinokiller?

Dekkan-Trapp und die Folgen

Auch der sogenannte Dekkan-Trapp im Westen Indiens ist das Resultat einer vulkanischen Superkatastrophe – eine die im Verdacht steht, zumindest mit Schuld zu sein am Ende der Dinosaurier.

Magmatische Provinzen spieen einst Millionen Kubikkilometer Lava © USGS/ J.D. Griggs

Der Auswurf gigantischer Lavamassen vor rund 65 Millionen Jahren hinterließ dort ein 600.000 Quadratkilometer großes Gebiet, das noch heute mit einer bis zu zwei Kilometer dicken Basaltschicht bedeckt ist. Datierungen zeigen, dass die Ausbrüche des Dekkan-Trapps sich über ein bis mehrere Millionen Jahre hinweg erstreckten.

Mindestens 29 verschiedene Lavaströme konnten Geologen anhand der Basaltschichten identifizieren. Nach Schätzungen von Terrence Gerlach vom Sandia National Laboratory spie die Erde allein zur Hauptausbruchsphase mehr als sechs Millionen Tonnen Schwefel, 30 Billionen Tonnen Kohlendioxid und rund 60 Milliarden Tonnen Chlor und Fluorverbindungen aus. Asche und Gase verteilten sich bis in die Stratosphäre und ließen die Temperaturen weltweit um vier bis fünf Grad sinken, auch hier war ein vulkanischer Winter die Folge.

Deutlich sind die Basaltschichten des Dekkan-Trapp zu erkennen © Nichola/CC-by-sa 2.5

Sauerer Regen und Ozonloch

Die von den unzähligen Vulkanschloten des Dekkan-Trapp ausgestoßenen Mengen an Schwefel, Schwefelwasserstoff und Schwefeldioxid wurden in der Luft zu Schwefelsäure umgesetzt und fielen als saurer Regen. Das durch den Regen ebenfalls aus der Luft ausgewaschene Chlor reichte vermutlich aus, um in den obersten Wasserschichten von Meeren und Seen alles Leben auszulöschen.

Auch die Ozonschicht litt: Schon der Ausbruch des Krakatau im Jahr 1883 hat durch die von ihm ausgestoßenen 300 Tonnen Salzsäure die irdische Ozonschicht vorübergehend um bis zu acht Prozent dezimiert. Während des Dekkan-Trapps Vulkanismus stiegen jedoch Tausende von Tonnen an Salzsäure in die Atmosphäre auf und zerstörten dort einen Großteil des UV-Schutzfilters der Erde. Sowohl Pflanzen als auch Tiere könnten dadurch erheblich geschädigt worden sein.

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Heißes, giftiges Inferno nach dem Vulkanausbruch? © freeimnges

Nach dem Winter kam die Hitze

Doch bei Kälte und Strahlung blieb es wahrscheinlich nicht. Kaum war der Vulkanwinter vorüber, begann das durch die Vulkane in die Atmosphäre geschleuderte Kohlendioxid, das irdische Klima langsam aufzuheizen. Da gleichzeitig die Meeresalgen durch sauren Regen und Chlor stark dezimiert waren, konnten auch die Ozeane das Treibhausgas nicht mehr binden. Vermutlich wurde durch das saure Meerwasser sogar noch zusätzlich CO2 aus den Carbonatsedimenten gelöst und an die Atmosphäre abgegeben.

Nach Schätzungen von Marc Javoy und Gil Michard von der Universität Paris könnten dadurch die globalen Temperaturen um rund fünf Grad angestiegen sein. Vielen ohnehin durch Kälte und Strahlung angeschlagenen Organismen hätte dies endgültig den Garaus gemacht. Ob dieses Szenario sich so oder so ähnlich tatsächlich ereignet hat, ist nicht eindeutig nachweisbar.

Einige Wissenschaftler halten es aber für möglich, dass dieser Supervulkan es war – und nicht ein Asteroiden-Einschlag, der zum Massensterben am Ende der Kreidezeit führte – und damit die Dinosaurier ausrottete.

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Nadja Podbregar
Stand: 21.11.2014

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Supervulkane
Verborgene Gefahr im Untergrund

Was ist ein Supervulkan?
Das Eigentliche liegt verborgen

Überdruck im Magmakessel
Was löst den Ausbruch eines Supervulkans aus?

Höllenregen aus Lava und Asche
Was passiert beim Ausbruch eines Supervulkans?

Vulkanischer Winter und Massensterben
Die globalen Folgen nach der Eruption eines Supervulkans

Ein Supervulkan als Dinokiller?
Dekkan-Trapp und die Folgen

Es kann sehr schnell gehen
Wie kündigt sich der Ausbruch eines Supervulkans an?

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