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Ein schwieriger Start

Die Anfänge im neuen Sowjetstaat

Als Andrei Sacharow 1921 als Sohn einer Intelligenzija-Familie zur Welt kam, deutete bereits einiges auf seinen späteren Werdegang als Physiker hin. Bereits der Vater war Physiklehrer und Verfasser populärwissenschaftlicher Lehrbücher. Schon früh lehrte er seinen Sohn im Heimunterricht die Grundlagen der Naturwissenschaften und begeisterte ihn für die klassische Mechanik und Optik.

Studium im zweiten Weltkrieg

Für Sacharow folgte nach der Schulzeit daher fast wie selbstverständlich das Studium der Physik an der Lomonossow-Universität in Moskau. Dort konnte er seine Begabung ausleben, physikalische Probleme löste er im Nu. Allerdings hatte er in den Seminaren oft Probleme, seine Lösungen darzustellen. Die anderen Studenten bemerkten auch, wie unbeholfen und introvertiert er war. „Der arme Junge, er ist so gehemmt, was soll nur aus ihm werden?“, so ein ehemaliger Kommilitone, als er Sacharow zum ersten Mal sah.

Sacharow als junger Student im Alter von 22 Jahren. © American Institute of Physics

Doch das sollte die geringste Sorge des Studenten sein, denn am Horizont zogen dunkle Wolken auf: Hitler-Deutschland überfiel 1941 die Sowjetunion. Als die deutschen Truppen bereits vor den Toren Moskaus standen, wurde die Universität ins weit entfernte Aschgabat in Turkmenistan verlegt. Nach einer wegen des Krieges verkürzten Studienzeit von nur vier Jahren beendete Sacharow sein Studium.

Arbeit in der Munitionsfabrik

Von seinem Dozenten wurde Sacharow nach der Abschlussprüfung gefragt, ob er als Aspirant beim berühmten theoretischen Physiker Igor Tamm am Lebedew-Institut in Moskau anfangen wolle. Überraschenderweise lehnte er ab, denn er wollte stattdessen lieber seinen Beitrag im Krieg gegen die Deutschen leisten. Da er wegen eines Herzklappenfehlers ausgemustert wurde, konnte er nicht Soldat werden und dies nagte an ihm. „Ich spürte, dass ich einen Beitrag zu den Kriegsbemühungen leisten konnte – auch wenn ich noch keine klare Vorstellung davon hatte, was für einen“, beschreibt Sacharow seine damalige Motivation.

In der Munitionsfabrik Uljanowsk sammelte der junge Physiker seine ersten praktischen Erfahrungen, indem er neue Prüfverfahren zur Qualitätskontrolle von panzerbrechenden Geschossen entwickelte. 1945 war mit dem Kriegsende aber der Punkt erreicht, an dem sich Sacharow wieder der Grundlagenforschung zuwenden konnte. Er ging zurück nach Moskau und wandte sich unter der Leitung Igor Tamms Fragen der Plasma- und der Teilchenphysik zu.

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Andrei Sacharow
Der Vater der sowjetischen Wasserstoffbombe

Ein schwieriger Start
Die Anfänge im neuen Sowjetstaat

Kernforschung in Arsamas-16
Kernwaffenentwicklung unter strengster Geheimhaltung

Jenseits der Bombe
Forschung für Fusionsreaktoren und die Kosmologie

Der Weg zum Dissidenten
Sacharows Gewissen meldet sich

Nobelpreis und Verbannung
Friedensnobelpreis, Verbannung und späte Freiheit

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