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Ein Partner für alle Zeiten?

Paarungssysteme im Tierreich

Obwohl sich die Partnersuche im Tierreich häufig sehr aufwendig gestaltet, bleiben nicht alle Partner ein Leben lang in einer Beziehung. Paaren sich zwei Tiere, ist die Art und Dauer der Beziehung je nach Tierspezies sehr unterschiedlich. Hinter diesen Paarungssysteme stecken unterschiedliche Fortpflanzungsstrategien.

Männchen behaupten sich

Orang-Utans
In polygynen Paarungssystemen wie bei den Orang-Utans hat meist nur das Weibchen eine dauerhafte Bindung zu den Jungtieren. ©Tony Hisgett/CC-by-sa 2.0

In vielen Vögel- und Säugetierpopulationen paaren sich die männlichen Tiere polygyn – mit mehreren Weibchen. Zum Beispiel führen Orang-Utans diese Art der Beziehung: Ein Männchen paart sich mit mehreren Weibchen, die die Nachkommen aufziehen. Während der Aufzucht wacht der männliche Orang-Utan über das Revier und verjagt andere Männchen aus dem Gebiet. Typisch ist hierbei, dass die männlichen Affen größer als ihre Geschlechtspartnerinnen sind und Eckzähne besitzen – es herrscht also ein ausgeprägter Sexualdimorphismus.

Dieses Paarungssystem ermöglicht es dem männlichen Orang-Utan, viele Nachkommen zu zeugen und sein Erbgut zu erhalten. Als „Gegenleistung“ schützt er die Weibchen und die Jungtiere und garantiert damit, dass auch jede seiner Partnerinnen ihre Gene an die nächste Generation weitergibt.

Ähnliche Vorteile zeigen sich auch in Haremsgesellschaften: Bei Tierarten wie zum Beispiel Löwen beobachten Wissenschaftler, dass sich durch Kämpfe der Männchen eine Rangordnung in den Populationen bildet. Die stärksten Männchen in diesen Gruppen werden zu den Ranghöchsten und paaren sich in der Regel auch mit den meisten Weibchen. Auch sie wachen über die Weibchen und verhindern so, dass fremde Bewerber sich mit ihren Weibchen paaren.

Vielmännerei statt Vielweiberei

Dass sich hingegen ein Weibchen mit mehreren Männchen paart, ist sehr selten und eher für Arten typisch, bei denen die Weibchen um Männchen konkurrieren und letztere etwa die Brutpflege übernehmen. Diese sogenannte Polyandrie ist nur von einigen Vogelarten und zum Beispiel bei Wasserläufern und Taufliegen bekannt. Bei den schwarzbäuchigen Taufliegen (Drosophila melanogaster) ist dieses Paarungssystem evolutiv sinnvoll, weil die Weibchen nur bei der Paarung mit mehreren Männchen ihre benötigte, große Menge an Sperma zur Befruchtung erhalten. Weibchen anderer polyandrischer Tierarten profitieren durch die Paarungen, weil sie von den Männchen zum Beispiel Hilfe bei der Aufzucht der Jungen erhalten.

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Bei Menschenaffen wie etwa Schimpansen kommt es auch vor, dass sich beide Geschlechter mit mehr als einem Partner paaren. Verbreitet ist diese Promiskuität vor allem bei solitären Arten und bei Spezies, bei denen die Weibchen während eines längeren Zeitraumes paarungsbereit sind. Die Männchen verfolgen dabei die Strategie, möglichst viele ihrer Spermien zu befruchten, hindern die Rivalen aber nicht am Zugang zu den Weibchen. Davon profitieren die Weibchen, die durch Paarungen mit mehreren Männchen viel Schutz und Unterstützung erhalten und sich so die Überlebenschance ihres Nachwuchs erhöht.

Ein Leben lang zusammen

Noch seltener findet sich im Tierreich eine monogame Beziehung, bei der sich nur ein Weibchen und ein Männchen paaren und danach mindestens für eine Fortpflanzungsperiode zusammen bleiben. Beispielsweise führen Gänse diese Art der sexuellen Beziehung.

Schwäne
Auch diese zwei Höckerschwäne bleiben ein Leben lang zusammen. © Marek Szczepanek/CC-by-sa 3.0

Aber welche Vorteile hat eine dauerhafte Lebensgemeinschaften zwischen einem Weibchen und einem Männchen? Bei der Dauerehe beschützt und unterstützt etwa der Ganter die Gans, sodass sie mehr Nahrung bekommt und daher mehr Eier legt. Bei der anschließenden gemeinsamen Aufzucht der Jungen überleben zudem mehr Gössel, als wenn die Gans sich alleine um sie sorgen würde. Davon profitiert der Ganter, denn er erhöht damit die Wahrscheinlichkeit, dass seine Jungen überleben und seine Gene in der Population erhalten bleiben.

Nachkommen gesichert

Zudem haben Ganter meist auch schlechte Chancen, sich mit einem weiteren Weibchen zu paaren, denn Wildgänse suchen nur in warmen Monaten nach Partnern. Um möglichst schnell zu brüten, gehen sie direkt zu Beginn einer Fortpflanzungsperiode auf eine Befruchtung durch einen Bewerber ein. Die Spermien überleben deutlich länger als die eines Menschen – rund zehn Wochen. In der Zeit legt die Gans ein Ei nach dem anderen und ist währenddessen an keiner weiteren Paarung interessiert.

Auch für männliche Störche sichert die monogame Beziehung den größten Fortpflanzungserfolg: Die weiblichen Störche leben meist so weit voneinander entfernt, dass Männchen sehr viel Aufwand in die Suche nach ständig neuen Partnerinnen stecken müssten – und dabei häufig nur auf bereits gepaarte Weibchen treffen würden. In einer dauerhaften Beziehung ist ein gesunder Nachwuchs deshalb deutlich wahrscheinlicher.

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Tierische Partnersuche
Der lange Weg zur Fortpflanzung

Jeder will sich fortpflanzen
Auslese der fittesten Geschlechtspartner

Wer nicht überzeugt, geht leer aus
Der Female-Choice- Mechanismus

Werbeverhalten mit Lebensgefahr
Der Konflikt natürlicher und sexueller Selektion

Ein Partner für alle Zeiten?
Paarungssysteme im Tierreich

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