Ein Mythos wird entschleiert - scinexx | Das Wissensmagazin
Anzeige
Anzeige

Ein Mythos wird entschleiert

Streit um das Big Hole

22,5 Millionen Tonnen Erde, Gestein und Minerale sind von Diamantensuchern zwischen 1871 und 1914 aus dem Big Hole in Südafrika an die Oberfläche befördert worden. Das klingt viel. Doch reicht das auch, um es zur größten von Hand geschaffenen Grube der Erde zu machen?

Natürliche Diamanten im Brillantschliff © Mario Sarto / GFDL

Jag-hole ist die Nummer 1

Nein, sagt zumindest der Kimberley-Geschichtsforscher Steve Lunderstedt. Im Mai 2005 stellte er auf einer Veranstaltung der Historical Society of Kimberley eine Studie vor, in der er historische Dokumente und Karten über Minen in Kimberley und anderswo ausgewertet hatte.

Das Ergebnis war überraschend und desillusionierend – vor allem für die Tourismus-Industrie im Ort Kimberley: Denn das größte nur mit Picke und Schaufel gegrabene Guckloch in die Erde ist offenbar die nahe dem Ort Jagersfontein in Südafrika gelegene Jagersfontein Diamantenmine. Danach folgt die Bultfontain-Mine in Kimberley und dann erst das Big Hole.

Da diese Untersuchung die erste ihrer Art ist, sei man früher offenbar einfach „in gutem Glauben“ davon ausgegangen, dass das Big Hole den Weltrekord verdient habe, so Lunderstedt weiter.

Auftrag misslungen

„Ich habe nicht damit gerechnet, dass meine Forschungsarbeiten das Big Hole absetzen würden“, sagte der auch als Reiseführer und Schriftsteller tätige Historiker auf der Tagung in Südafrika. Eigentlich war er sogar angetreten, um den Ruf des Big Hole zu bestätigen: „Ich hatte die Nase voll zu hören, dass das ‚Jag-hole‘ (Jagersfontain) die größte Mine sein sollte und begann meine Untersuchungen um die Rechnung ein für alle mal zu begleichen.“

Anzeige

Größer aber nicht tiefer

Lunderstedts Recherchen brachten aber noch mehr ans Tageslicht. So erreichten die Diamantenschürfer laut den Abbauberichten im Jag-hole eine Tiefe von 201 Metern, in der Bultfontain-Mine waren es 189 Meter und im Big Hole vermutlich sogar 220 Meter. Demnach war das Big Hole vielleicht nicht das größte von Hand geschaffene Loch, höchst wahrscheinlich aber das tiefste.

Der Historiker befürchtet ohnehin nicht, dass seine Arbeit negative Auswirkungen auf die Attraktivität des Big Hole für Touristen haben könnte. Der Grund: „Es ist ein romantisches Kapitel der Diamantenwelt und das Big Hole ist noch immer eines der größten seiner Art auf der Erde.“

Hightech sorgt für neue Rekorde

Egal ob Lunderstedt mit seinen Ergebnissen und Schlussfolgerungen richtig liegt: Die Zeiten des manuellen Abbaus von Rohstoffen sind ein für alle mal vorbei und es gibt längst neue Rekorde zu feiern. Denn mithilfe von Hightech graben sich die modernen „Schatzsucher“ heute viel schneller und viel tiefer in die Erde hinab als die Pioniere vor 100 Jahren…

  1. zurück
  2. |
  3. 1
  4. |
  5. 2
  6. |
  7. 3
  8. |
  9. 4
  10. |
  11. 5
  12. |
  13. 6
  14. |
  15. 7
  16. |
  17. 8
  18. |
  19. 9
  20. |
  21. weiter


Stand: 12.06.2009

Anzeige

In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

„Make-up“ für die Erde
Künstliche Landschaften

Das berühmteste Loch der Erde
The „Big Hole“ in Südafrika

Ein Mythos wird entschleiert
Streit um das Big Hole

Fenster in die Erde
Kupfer aus dem Tagebau

Abraumhalden und Luftverschmutzung
Chuquicamatas fatales Erbe

Jede Menge Kohle
Kohle-Tagebaue verändern nicht nur Europa

Berge von Menschenhand
Sophienhöhe, Halde Rheinpreußen und Deusenberg

Seenlandschaften aus der Retorte
Rekultivierung ist „in“

Krater aus dem Nichts
Gefährliche Tagesbrüche

Diaschauen zum Thema

News zum Thema

keine News verknüpft

Dossiers zum Thema

Strand - Fragiles Idyll aus Wellen, Sand und Wind

Coltan - Ein seltenes Erz und die Folgen seiner Nutzung

Bikini-Atoll - Ein verlorenes Paradies und sein atomares Erbe

Surtsey - Vom Feuerberg zum Lebensraum

Dünen - Wandelnde Sandberge mit Geheimnissen

Diamanten - Hochkarätiges aus dem Bauch der Erde

Die Taiga - Vom Naturparadies zum Krisengebiet?

Erdbeben - Vorhersagbar oder aus heiterem Himmel?

Klimawandel - Bringt der Mensch das irdische Klima aus dem Gleichgewicht?

Aralsee - Chronik einer anthropogen verursachten Katastrophe

Anzeige
Anzeige