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Ein Musterbeispiel für Betrug in der Wissenschaft…

Der "Piltdown-Mensch" und die lange Suche nach dem Fälscher

Jahrzehntelang galt der „Schädel von Piltdown“ als spektakulärster Wissenschaftsschwindel der Geschichte, doch wer für diesen Betrug die Verantwortung hatte, war bis vor kurzem unbekannt. Die Verdächtigungen umfassten neben dem Entdecker des Schädels auch den Autor der Sherlock-Holmes Romane, Arthur Conan Doyle und sogar den Jesuitenpater Teilhard de Chardin, die damals beide in der Nähe des Fundortes lebten…

Rekonstruktion des vermeintlichen Piltdown-Schädels von Woodward © USGS

Der umstrittene Schädel war 1908 vom Rechtsanwalt Charles Dawson bei einer Ausgrabung in Südengland in der Nähe des Ortes Piltdown entdeckt worden. Dawson stellte den vermeintlich prähistorischen Fund zusammen mit dem Paläontologen Arthur Smith Woodward 1912 in London der staunenden Öffentlichkeit vor. Der erste Frühmenschenfund auf englischen Boden sorgte damals unter den Anthropologen für eine Sensation: Während das gewölbte Schädeldach ausnehmend menschlich schien, zeigte der Unterkiefer eher affenähnliche Merkmale.

Obwohl einige Forscher schon damals misstrauisch waren, wurde der Fund samt des dazugehörigen Urmenschen nach seinem Entdecker Eoanthropus dawsoni getauft und zunächst offiziell in den Stammbaum des Menschen aufgenommen. Der Kurator des Londoner Naturhistorischen Museums, Martin Hinton, versuchte, den Fund als Fälschung zu entlarven, indem er einem auf die Form eines Kricketschlägers zurechtgefeilten alten Elefantenknochen in der gleichen Ausgrabungsstelle einbuddelte. Smith Woodward fand ihn plangemäß wenig später, schrieb ihn jedoch ebenfalls der Ära des urzeitlichen ´“Piltdown-Menschen“ zu.

Eindeutig als Fälschung entlarvt wurde das Ganze erst, als die Radiokarbonmethode zur genauen Datierung von Fossilien eingeführt wurde. 1953 unterzog man mit dieser Methode auch den Piltdown-Schädel einer nochmaligen Prüfung und entdeckte, dass die angeblich urzeitlichen Knochen nur wenige hundert Jahre alt waren. Jemand hatte offensichtlich einen Menschenschädel und ein Affenkiefer chemisch behandelt und „auf alt getrimmt“ und dann beides gemeinsam vergraben. Aber wer?

Verdächtigt wurden natürlich in erster Linie die beiden Entdecker des Schädels, Dawson und Woodward, aber als ihnen nichts nachzuweisen war, weitete sich der Kreis der Verdächtigen aus. Da konkrete Hinweise auf einen möglichen Täter fehlten, gab man bald die Suche auf.

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Vor drei Jahren löste sich das Rätsel um den „Piltdown-Fälscher“ durch einen geradezu unglaublichen Zufall: Der Paläontologe Brian Gardiner berichtete in der Fachzeitschrift „Nature“, er habe auf dem Dachboden des Londoner Naturhistorischen Museums einen Koffer voller Knochen entdeckt, die alle auf ähnliche Weise wie der „Piltdown“-Fund behandelt worden waren. Der Eigentümer des Koffers: Martin Hinton, der Kurator des Museums, der bereits damals den Elefantenknochen „auf alt getrimmt“ hatte. Offensichtlich war die „Piltdown-Affaire“ weniger ein Betrug um die Gier nach Ruhm zu befriedigen, sondern eher der Versuch, einen Kollegen zu blamieren.

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Stand: 13.02.2000

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Inhalt des Dossiers

Wissenschaftsbetrug
Wenn Forscher zu Fälschern werden...

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