Ein Lebewesen der Superlative - scinexx | Das Wissensmagazin
Anzeige
Anzeige

Megatherium americanum

Ein Lebewesen der Superlative

Wie mächtig „sein“ Riesenfaultier Megatherium americanum zu Lebzeiten tatsächlich war und wann es die Erde bevölkerte, wusste Georges Cuvier noch nicht – das haben erst Untersuchungen von Forschern in den Jahrzehnten danach ergeben. Einer davon war Charles Darwin. Im Rahmen seiner Forschungsreise mit dem Schiff „Beagle“ landete er im Jahr 1832 auch in Argentinien. Genauer gesagt in der heutigen Provinz Buenos Aires – und erlebte dabei eine große Überraschung.

Charles Darwin © Maull and Fox / gemeinfrei (historisch)

Knochen von „großen Ungeheuern“

„Ich wanderte weiter bei Punta Alta (Bahia Blanca), um nach Fossilien zu suchen, und zu meiner großen Freude fand ich den Schädel eines großen Tieres, eingebettet in weichem Gestein. Ich benötigte fast drei Stunden, um den Schädel herauszuholen“, vermerkte er später in seinem Reisetagebuch.

Darüberhinaus stieß er vor Ort noch auf zahlreiche andere versteinerte Knochen und ein nahezu perfekt erhaltenes und vollständiges Skelett von „großen Ungeheuern“, wie er penibel notierte. Der britische Naturforscher ordnete den uralten Schädel zunächst einem Nashorn zu. Später fielen ihm jedoch Ähnlichkeiten zwischen seinen Funden und den Knochen und dem Körperbau der modernen Faultieren und Gürteltieren auf. Dies brachte Darwin ordentlich ins Grübeln.

Darwin gerät ins Grübeln

Konnte es sein, dass es sich bei den Fossilien um Relikte von überdimensionalen, längst ausgestorbenen Urahnen der modernen Faultiere handelte? Waren diese womöglich sogar deren unmittelbare Vorfahren? War es möglich, dass Arten doch nicht unveränderlich sind, wie viele Wissenschaftler damals glaubten, sondern sich wandelten? Alle diese Überlegungen flossen später in seine Beiträge zur Evolutionstheorie mit ein, die die Biologie revolutionierte.

Darwins Funde auf dem Friedhof der Riesenfaultiere konnten später Arten wie Megatherium americanum, Scelidotherium oder Mylodon darwinii zugeordnet werden. Auf der Basis dieser und viele später entdeckter Fossilien haben Wissenschaftler mittlerweile einige Rückschlüsse auf das Aussehen und Verhalten von Riesenfaultieren gezogen.

Anzeige

{3r}

Eher Dinosaurier als Faultier

So weiß man heute, dass Megatherium americanum über drei Meter groß und bis zu sechs Meter lang war. Das Riesenfaultier besaß zudem mächtige Krallen an Händen und Füßen und ähnelte eher einem Dinosaurier aus der Kreidezeit als den heute lebenden Faultieren, die in den Baumkronen der tropischen Regenwälder Mittel- und Südamerikas leben. Datierungen der Knochen mit der Radiocarbon-Methode ergaben zudem, dass Megatherium americanum etwa von 1,8 Millionen Jahren vor heute bis etwa zum Ende der letzten Eiszeit viele Regionen Südamerikas bewohnte.

So schwer wie fünf Smart-Autos

Ebenso gewaltig wie die Statur des Riesenfaultieres war auch das Gewicht des Urzeitkolosses. Bis zu vier Tonnen brachten sie nach Schätzungen von Paläontologen auf die Waage. Sie waren damit fast so schwer wie ein Afrikanischer Elefant oder fünf Smart-Pkw.

  1. zurück
  2. |
  3. 1
  4. |
  5. 2
  6. |
  7. 3
  8. |
  9. 4
  10. |
  11. 5
  12. |
  13. 6
  14. |
  15. 7
  16. |
  17. weiter

Dieter Lohmann
Stand: 10.02.2012

Anzeige

In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Riesenfaultiere
Rätselhafte Zeitgenossen von Mammut & Co

Fossilien im XXL-Format
Wie Forscher den Riesenfaultieren auf die Spur kamen

Ein Lebewesen der Superlative
Megatherium americanum

Leben auf zwei Beinen
Megatherium americanum beherrschte den aufrechten Gang

Ein Koloss der besonderen Art
Eremotherium eomigrans

Der Traum der Kryptozoologen
Gibt es noch lebende Riesenfaultiere?

Fressfeind Mensch
Wie starben die Riesenfaultiere aus?

Diaschauen zum Thema

News zum Thema

keine News verknüpft

Dossiers zum Thema

Neandertaler - Neue Erkenntnisse über unsere Steinzeit-Cousins

Mammuts - Eiszeitgiganten zwischen Mythos und Wiedergeburt

Eiszeiten - Die frostige Vergangenheit der Erde...

Anzeige
Anzeige