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Ein Land vor dem Kollaps…

Von UNO-Sanktionen und hausgemachten Problemen

„Allahu Akbar“ – Allah ist groß, Allah ist mächtig. Aber die so dringend benötigten Ersatzteile für Kläranlagen, Abwässerbeseitigungssysteme oder die Erdölförderung kann auch er nicht herbeizaubern. Diese Waren dürfen nicht importiert werden, weil sie der Bannstrahl der UNO genauso getroffen hat, wie einige landwirtschaftliche Geräte und Produktionsmittel, bestimmte Güter für die Wasserversorgung und Telekommunikationsmaterial. Diese Sanktionen der Vereinten Nationen sollen sicherstellen, dass der Irak nicht noch einmal aufrüsten und zu einer Gefahr für andere Staaten werden kann.

Oil for food

Die Folgen der Handelsbeschränkungen jedoch waren und sind nicht zu unterschätzen. Die einstmals florierende Wirtschaft des Landes ist nicht zuletzt wegen der Sanktionen fast komplett zusammengebrochen. Die wichtigste Devisenquelle Erdöl tröpfelt nur noch spärlich, seit die Exporte nach Ende der militärischen Auseinandersetzung auf ein Minimum zusammengestrichen wurden. Erst nach Einführung des Programms „oil for food“ im Jahr 1995 sind die legalen Öl-Ausfuhren wieder auf mehr als eine Million Barrel täglich gestiegen – zum Vergleich: Saudi-Arabien wirft fast neun Millionen Barrel Tag für Tag auf den Markt.

Ölschmuggel © U.S. Department of State

Allerdings unterläuft der Irak die UNO-Sanktionen beim Erdöl schon seit Jahren systematisch und liefert per Pipeline oder mithilfe von Tankern und LKWs Öl nach Syrien, den Libanon oder in die Türkei. Internationale Ölmultis sind trotz aller Embargos dankende Abnehmer für das Schmuggelgut. US-Experten schätzen, dass mindestens zwei Milliarden Dollar jährlich durch die illegalen Ölverkäufe in die Kassen des Irak fließen. Viel Geld, aber doch nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn die Einnahmen aus dem „unlauteren“ Geschäften kommen nur zu einem Bruchteil den Menschen im Land zu Gute. Das meiste versickert in den Taschen der herrschenden Kaste oder in anderen dunklen Kanälen.

Land ohne Hoffnung?

Doch nicht nur die Ölbranche ist seit dem Golfkrieg 1991 als Einnahmequelle versiegt, auch der Tourismus hat seinen hohen Stellenwert fast vollständig eingebüßt. 1998 kamen gerade mal noch 51.000 urlaubende Devisenbringer ins Land, nicht einmal fünf Prozent des Besucherandrangs von früher.

Sogar die Umwelt hat unter dem Embargo zu leiden. Wegen fehlender Ersatzteile gelangt heute beispielsweise ein Großteil der Abwässer Bagdads ungeklärt in den Tigris und verseucht nicht nur das Wasser, sondern damit auch die Ökosysteme im unteren Bereich des Flusslaufes und im Mündungsdelta des Shatt al-Arab.

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Dazu kommen hausgemachte Probleme durch das Regime Hussein wie die Trockenlegung der riesigen ehemaligen Marschgebiete an Euphrat und Tigris. Diese und andere Maßnahmen haben unter anderem dazu geführt, dass große Teile der „Wiege der Menschheit“ zu unfruchtbaren Regionen mit salzverkrusteten Böden und wüstenartigem Charakter degeneriert sind.

Starke Luft- und Wasserverschmutzung speziell im Einzugsbereich der Metropolen oder das Abholzen der Wälder im Norden des Irak haben sich zu schwerwiegenden anderen Umweltdilemmas entwickelt.

Noch viel schlimmer als alle ökologischen und ökonomischen Probleme ist allerdings die humanitäre Katastrophe im Irak, die nach dem Golfkrieg über den Irak hereingebrochen ist und die schon seit Jahren selbst von UNO-Mitarbeitern in Bagdad oder Basra nicht mehr geleugnet werden kann…

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Stand: 13.01.2003

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Irak
Von der Wiege der Kulturen zum internationalen Krisengebiet

Vom Paradies zum Land ohne Hoffnung?
5.000 Jahre Mesopotamien

Von Städten, Palästen und Müllproblemen
Mesopotamien vor 5.000 Jahren

Babylon als Nabel der Welt
Aufstieg und Niedergang Mesopotamiens

Nebukadnezars Nachfolger
Der Irak unter Saddam Hussein

Ein Land vor dem Kollaps...
Von UNO-Sanktionen und hausgemachten Problemen

Saddam-Land
Der Irak im Überblick

Hunger, Krebs und Missbildungen
Die humanitäre Katastrophe

Wie gefährlich ist Uran-Munition?
Die Suche nach den Gründen für Krebs und Golfkrieg-Syndrom

Vom Garten Eden zur Wüste
Die größte Umweltkatastrophen aller Zeiten?

Worst case oder Eden again?
Gibt es noch eine Rettung für die mesopotamischen Feuchtgebiete?

El Dorado für fossile Brennstoffe
Erdöl im Irak

Aufmarsch am Golf
Die Ölmultis rüsten auf

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