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Ein flüssiger Schatz

Im Reich der Solequellen

Lange bevor die erste Kohle im Ruhrgebiet gefördert wurde, haben Menschen hier bereits einen ebenso wertvollen Rohstoff gewonnen: Salz – das weiße Gold. Von der Salzgewinnung in dieser Region berichtete bereits Ibrahim Ibn Yaqub, ein Gesandter des Kalifen von Cordoba, der Ende des 10. Jahrhunderts Mitteleuropa bereiste.

Schon im Mittelalter wurde in solchen Salzsiedereien aus Sole Salz gewonnen. © M. Hees / CC-by-sa 3.0

Eine Perlenkette aus Solequellen

Im Nordosten des Ruhrgebiets ist das Salz allerdings nicht fest, sondern flüssig. Es tritt hier an vielen Stellen als salzhaltige Sole zutage, die Solequellen liegen fast wie aufgereiht an einer Perlenkette. Ihren Ursprung haben sie in einer salzwasserhaltigen Schicht, die wie eine Schale unter dem Münsterland liegt und hier an die Oberfläche kommt. Ortsnamen wie „Salzkotten“ zeugen noch heute von der langen Geschichte der Salzgewinnung in dieser Region.

Eines der „dienstältesten“ Salzwerke im Ruhrgebiet war die Saline Königsborn in Unna. Vom 14. Jahrhundert bis zum Zweiten Weltkrieg wurde hier aus Sole Salz gewonnen – im 19. Jahrhundert waren es immerhin mehr als 8.000 Tonnen pro Jahr. Um die Sole aus 50 Metern Tiefe an die Oberfläche zu fördern, ließ der preußische Staat hier im Jahr 1799 sogar eine erste Dampfmaschine zum Betreiben der Pumpen errichten – noch bevor ähnliche Maschinen im Kohlenbergbau eingesetzt wurden. Diese legendäre „Feuermaschine“ ist heute im Deutschen Bergbau Museum in Bochum zu besichtigen.

"Feuermaschine" auf der Saline Königsborn - diese dampfgetriebene Salzsiedeanlage wurde 1799 in Betrieb genommen. © Jacob Niebeling/ historisch

Von der Sole zur Kohle

Für die Gewinnung des weißen Golds spielte aber auch das schwarze Gold des Ruhrgebiets eine entscheidende Rolle. Als man im 19. Jahrhundert begann, im nordöstlichen Ruhrgebiet gezielt nach Sole zu bohren, stieß man eher zufällig auch auf einige Kohleflöze – und baute sie prompt zu Steinkohlengruben aus. Denn für die Salzsieder kam diese Kohle gerade recht: Sie benötigten sie als Feuerung für ihre Siedekessel, im Schnitt wurden für eine Tonne Salz gut zwölf Tonnen Kohle verbrannt.

Um Kohlenachschub auch per Schiff heranschaffen zu können, wurde 1778 die Ruhr schiffbar gemacht – ein für das gesamte Ruhrgebiet wichtiger Schritt. Denn dadurch entwickelte sich ein reger Pendelverkehr: die Salinen erhielten Kohlenachschub aus dem Südwesten, das frische Salz wurde zu den großen Häfen am Rhein gebracht.

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Nadja Podbregar
Stand: 23.03.2018

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Ruhrgebiet - mehr als nur Kohle
Entdeckungen und Schätze abseits des "schwarzen Goldes"

Bunt statt grau
Die Vielfalt des Ruhrgebiets

8.000 Jahre Sumpf – ein Meter Kohle
Das "schwarze Gold" des Ruhrgebiets

Ein flüssiger Schatz
Im Reich der Solequellen

Das weiße Gold
Steinsalz vom Niederrhein

Besuch im unterirdischen Riff
Höhlen und Karstgebiete südlich des Ruhrgebiets

Saurierspuren und Fossilien
Die urzeitliche Lebenswelt des Ruhrgebiets

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