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Ein erster Erfolg

Operation Ersatzkappe stoppt erstmals den Ölfluss

Anfang Juli beginnt ein neuer Versuch am Blow-Out-Preventer. Gelingt er, könnte erstmals seit Monaten der Ölausstrom zumindest zeitweise komplett gestoppt werden. Das Prinzip: Die nur lose aufsitzende und daher wenig dichte LMRP-Cap wird durch eine neue, dicht und fest aufgeschraubte Vorrichtung ersetzt. Bevor dies geschehen kann, müssen die nur lose im Hauptrohr des Blow-out-Preventers liegenden eigentlichen Förderrohre mit Hilfe eines speziellen Aufsatzes gebündelt und zentriert ausgerichtet werden. Dann senkt das Bohrschiff Discover Enterprise ein Verbindungsteil auf die Öffnung herab und Tauchroboter verschrauben sie.

11. Juli: Der neue Aufsatz ("Three-Ram-Stack") für den Blow-Out-Preventer vor seinem Einsatz © BP

700.000 Kilo-Koloss

Ist dies abgeschlossen, kommt der so genannter „Three-Ram Stack“ zum Einsatz, ein oben geschlossenes mehrteiliges Verschlusssystem. Der rund 70.000 Kilogramm schwere Stahlkoloss wird am 10. Juli von einem Schiff aus auf das Oberteil des Blow-Out-Preventers abgesenkt und in mehreren Schritten durch Tauchroboter fest aufgeschraubt. An die obere Öffnung ist dabei ein zunächst perforierter Absaugschlauch angeschlossen, um das Öl abzuleiten und eine Druckentlastung während der Arbeiten zu erreichen. Am 14. Juli meldet BP den Abschluss dieser Arbeiten.

Hält das System?

Jetzt könnte der eigentliche Verschlussprozess beginnen. Der allerdings verzögern sich zunächst, als in der Nacht zum 15. Juli ein Leck in einer der Leitungen entdeckt wird. Nachdem dies behoben ist, startet BP den Verschlussprozess. Der perforierte Schlauch wird vom Bohrschiff nach oben weggezogen, der obere Verschluss des Kappensystems verschlossen. Ob die Kappe jetzt dem Druck des Öls standhält, sollen nun Tests zeigen. Von den Kameras der Tauchroboter beobachtet und durch Messungen überwacht, geht es nun darum, ob noch Öl austritt oder nicht – und ob das Ganze dem Druck im Inneren standhält. Animation des Ablaufs (BP)

Die neue Kappe - frisch verschlossen. Tests in diesem Zustand sollen sechs bis 48 Stunden anhalten. © BP

Es fließt nicht mehr

Am Morgen des 16. Juli schließlich die erlösende Meldung: Der erste Test ist erfolgreich. Erstmals seit April fließt kein Öl mehr ins Meer. Die Frage ist nun, wie lange das System dem enormen Druck des Öls standhalten wird. BP-Sprecher betonen, dass auch wenn der Test nach 48 Stunden weiterhin erfolgreich verläuft, die LMRP-Kappe keine Dauerlösung sein kann. Zudem sei diese Technologie noch niemals zuvor in diesen Tiefen und unter solchen Bedingungen eingesetzt worden. Ihre Effektivität sei daher alles andere als gesichert.

Noch ist zudem fraglich, wie die unterirdischen Teile des Bohrlochs – und das dort vermutete Leck – auf den nun erhöhten Druck reagieren. Aber denoch löst die Nachricht vom Stopp des Ölflusses zunächst ein kollektives Aufatmen aus. Denn auch wenn dies keine Dauerlösung ist, verschafft sie allen Beteiligten doch zumindest eines: Zeit. Denn noch ein anderes Verfahren zum Stopfen des Lecks ist bereits auf der Zielgeraden – und mit diesem wäre auch ein endgültiges Ende der Ölpest möglich.

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Nadja Podbregar
Stand: 16.07.2010

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Der große Blow-Out
Ölflut im Golf von Mexiko

Die Vorgeschichte
Warum Lage und Technik die Bohrung so riskant machten

Der „Blow-Out“
Wie es zur Katastrophe kam

Barrieren, Chemie und Feuer gegen das Öl
Der Kampf gegen die Ölpest über Wasser

In der Tiefe
Versuche zur Abdichtung am Bohrloch

Operation „Top Kill“
Pfropf aus Schlamm

Ein erster Erfolg
Operation Ersatzkappe stoppt erstmals den Ölfluss

Letzte Hoffnung „Bottom Kill“
Entlastungsbohrungen sollen Ölfluss unterirdisch stoppen

Diaschauen zum Thema

News zum Thema

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Beginn der Arbeiten für den endgültigen Verschluss des Bohrlochs

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