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Die Gattung Dioscorea

Ehrung in der botanischen Taxonomie

Dioskurides zu Ehren hat der französische Botaniker Charles Plumier eine Gattung der Familie der Yamswurzelgewächse nach dem antiken Arzt benannt. Der schwedische Naturforscher Carl von Linné, der im 18. Jahrhundert die Grundlagen der modernen botanischen Taxonomie schuf und damit auch Dioskurides Einfluss auf die Botanik beendete, übernahm später diese Bezeichnung.

Mit dem lateinischen Namen Dioscorea werden heute hunderte verschiedene Arten von Yams bezeichnet – von der auch in Europa heimischen Gemeinen Schmerwurz (Dioscorea communis) bis zum Japanischen Berg-Yams (Dioscorea japonica).

Yams-Verkauf in Nigeria: Die Knollen sind in Afrika als Nährstofflieferant beliebt © Jennifer Nkemdilim Eneanya/ CC-by-sa 4.0

Viele Yams-Arten werden wegen ihrer essbaren Wurzelknollen als Nahrungsmittel angepflanzt. Sie sind im rohen Zustand zwar meist giftig, gekocht aber ein guter Nährstofflieferant, der geschmacklich an Süßkartoffel und Esskastanie erinnert. Insbesondere in Südamerika, Afrika und in der Karibik sind die Knollen weit verbreitet und als wichtige Stärkequelle beliebt.

„Kraut der geschlagenen Frauen“

Yams macht aber nicht nur satt, sondern soll auch medizinisch wirksam sein. Bereits Azteken und Maya haben angeblich auf die heilende Wirkung der Knolle vertraut – sie hätte demnach durchaus einen Platz in einem Werk über Arzneistoffe verdient. So wird die Wurzel in der Naturheilkunde unter anderem für die Therapie von Rheuma, Gicht, Muskelkrämpfen oder Prellungen genutzt, weil bestimmte Inhaltsstoffe aus ihrem Saft als entzündungshemmend und schmerzlindernd gelten.

Zumindest im Laborversuch mit Ratten konnten Wissenschaftler tatsächlich Hinweise auf diese Wirkung feststellen. In Frankreich findet sich die Anwendungsmöglichkeit sogar in einer alternativen Bezeichnung für die Gemeine Schmerwurz wieder: „Herbe aux femmes battues“ heißt so viel wie „Kraut der geschlagenen Frauen“.

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Pflanzliches Hormon mit fragwürdiger Wirkung

Vor allem aber wird die Yamswurzel als Hormonpräparat aus dem Arzneischrank der Natur gehandelt. Denn die Knolle enthält große Mengen des pflanzlichen Hormons Diosgenin. Dieses ähnelt dem weiblichen Geschlechtshormon Progesteron, das der Körper in der zweiten Hälfte des Menstruationszyklus und vor allem während der Schwangerschaft bildet.

Yams soll deshalb auch als Anti-Aging-Mittel wirken sowie Wechseljahresbeschwerden lindern. Produkte mit Yams-Extrakten versprechen zum Beispiel, dass durch die Einnahme eine künstliche Hormonbehandlung umgangen werden könne. Darüber hinaus soll Yams sowohl zur Empfängnisverhütung als auch zur Fruchtbarkeitssteigerung eingesetzt werden können. All diese Wirkweisen sind jedoch höchst umstritten und ein medizinischer Nutzen ist bislang wissenschaftlich nicht belegbar.

Fakt ist nur: Erst durch eine chemische Abbaureaktion wird aus Diosgenin tatsächlich Progesteron. Die beiden Wirkstoffe können also keineswegs gleichgesetzt werden – der in der alternativen Medizin oft verwendete Begriff des „natürlichen Progesterons“ ist demnach irreführend. Im Labor kann man aus dem Diosgenin der Yamswurzel mit einem einfachen Syntheseschritt jedoch leicht Progesteron herstellen. Die Knolle wurde deshalb der Rohstoff für den Progesteron-Anteil der ersten Antibabypillen-Präparate.

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Daniela Albat
Stand: 18.03.2016

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Antiker Pionier: Pedanios Dioskurides
Ein früher Wegbereiter der Pharmazie

Von Zaubermitteln und exotischen Zutaten
Arzneimittellehre in der Antike

Mediziner im Dienste des Militärs
Spekulationen über das Leben des Dioskurides

"De Materia Medica"
Geschichte eines pharmazeutischen Bestsellers

Kopiert, bebildert und bearbeitet
Ein Standardlehrbuch bis in die Neuzeit

Dioskurides aus heutiger Sicht
Wirkungsmächtiger Autor mit wirkungslosen Rezepten

Ehrung in der botanischen Taxonomie
Die Gattung Dioscorea

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