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Effiziente Computer können zwei Kohlekraftwerke ersetzen

Öko-Institut: IT-Wirtschaft muss mehr für den Klimaschutz tun

Würden alle deutschen Computeranwender energieeffiziente Desktop PCs, Notebooks und Bildschirme nutzen, könnten pro Jahr zwischen fünf und sieben Terawattstunden (TWh) Strom eingespart werden. Das entspricht der Stromerzeugung von etwa zwei mittelgroßen Kohlekraftwerken. Darauf hat das Öko-Institut anlässlich der IT-Messe „CeBIT“ in Hannover hingewiesen. So könnten Emissionen von drei bis fünf Millionen Tonnen CO2 pro Jahr vermieden werden.

Diese naturalistische Darstellung eines Hirsches ist das älteste Felsbild in Kambodscha. © Paul Taçon

IT-Wirtschaft leistet zu wenig beim Klimaschutz

Doch der Beitrag, den die IT-Wirtschaft zum Klimaschutz leistet, bleibt laut Öko-Institut bisher wenig visionär. Denn Hersteller von Arbeitsplatzcomputern, Laptops oder Monitoren haben längst die Möglichkeit, besonders energieeffiziente und umweltfreundliche Geräte mit dem Blauen Engel auszeichnen zu lassen. Bislang ohne Resonanz.

„Noch gibt es keinen einzigen Hersteller, der sich um den Blauen Engel mit seinen aktuell geltenden Anforderungen beworben hat“, bedauert Siddharth Prakash, Wissenschaftler am Öko-Institut und Experte für umweltfreundliche Informations- und Kommunikationstechnik (IKT). „Es wäre wünschenswert, dass sich die Industrie stärker für den Umwelt- und Klimaschutz stark macht und Geräte auf den Markt bringt, die energiesparend, langlebig und schadstoffarm sind.“

Riesige Potenziale zur Energieeinsparung

Die Potenziale zur Energieeinsparung beim Alltagsgut Computer sind riesig. Mit dem Umweltzeichen ausgezeichnete Desktop PCs verbrauchen zwischen 50 und 75 Prozent weniger Energie als marktübliche Computer, so das Öko-Institut. Gehe man von einem Bestand von 45 Millionen Arbeitsplatzrechnern in Deutschland aus – 32 Millionen in den privaten Haushalten und 13 Millionen im Bürobereich – würde man insgesamt zwischen 2,9 und 4,5 TWh Energie einsparen, wenn die Verbraucher gezielt gekennzeichnete Geräte kaufen würden. Das entspricht einem CO2-Reduktionspotenzial zwischen zwei und drei Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten pro Jahr.

Bei den tragbaren Computern sind die Einsparpotenziale laut dem Öko-Institut mit 60 Prozent in einer vergleichbaren Größenordnung. Pro Gerät können Verbraucher jährlich zwischen 20 und 30 Kilowattstunden sparen. Mit dem Blick auf insgesamt 47 Millionen Laptops in Deutschland – 19 Millionen in den privaten Haushalten und 28 Millionen im Bürobereich – bedeutet dies eine Energieeinsparung von etwa 0,94 bis 1,4 TWh. Umgerechnet in CO2-Äquivalente sind dies zwischen 660.000 und 990.000 Tonnen pro Jahr.

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Treibhausgasemissionen © IMSI MasterClips

Auf dem Weg zur „grünen IT“

Der Austausch effizienter Computerbildschirme kann nach Angaben der Wissenschaftler noch einmal rund 40 Prozent Energie einsparen. Für den Gesamtbestand in Deutschland bedeutet dies circa eine Terawattstunde elektrische Energie und rund 710.000 Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr.

„Die Einsparpotenziale sowohl für Strom als auch für Treibhausgase zeigen, dass im IKT-Bereich noch gewaltige unerschlossene Potenziale für mehr Klimaschutz liegen“, fasst Prakash zusammen. „Eine wahrhaft ‚grüne IT‘ sollte sich hier mehr engagieren und den Verbrauchern mit dem Umweltzeichen den richtigen Weg weisen.“

Weniger Schadstoffe und besseres Recycling

Bei der Diskussion um Energie- und CO2-Einsparungen dürfen jedoch auch andere umweltrelevante Aspekte nicht vergessen werden, so die Experten des Öko-Instituts. Der Blaue Engel zeichnet deshalb solche Geräte aus, die besonders langlebig, schadstoffarm und recyclinggerecht sind.

Insbesondere eine lange Nutzung über möglichst viele Jahre verringert die Umweltbelastungen, denn der Herstellungsaufwand von IKT-Geräten ist sehr energie- und ressourcenintensiv. Geräte, die den Blauen Engel erhalten wollen, müssen deshalb unter anderem Ersatzteile für mindestens fünf Jahre vorhalten und einfach auf- und nachrüstbar sein.

Schonung seltener Rohstoffe

Strenge Anforderungen stellt der Blauen Engel dem Öko-Institut zufolge an die Wahl der eingesetzten Materialien und will so zum Schutz der Arbeiter in den Fertigungs- sowie Recyclingfabriken beitragen. So dürfen Umweltzeichen-Kandidaten beispielsweise keine Kunststoffe enthalten, die unter der EU-Chemikalienverordnung REACH als besonders besorgniserregend identifiziert wurden und für Mensch und Umwelt eine Gefährdung darstellen.

Nicht zuletzt erfüllen die mit dem Umweltzeichen ausgezeichneten Computerkomponenten strenge Anforderungen an eine recyclinggerechte Konstruktion. Die Geräte müssen so konstruiert sein, dass sie für Recyclingzwecke leicht manuell zerlegbar sind, damit Gehäuseteile, Batterien, Leiterplatten und Bildschirmeinheiten getrennt und weitgehend wiederverwertet werden können. Dies trägt zur Schonung kritischer, das heißt seltener Rohstoffe bei, so das Öko-Institut.

Ausführliche Tipps und Kaufempfehlungen für Arbeitsplatzcomputer, Notebooks und Computerbildschirme finden Sie auf der Plattform EcoTopTen des Öko-Instituts…

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Redaktion scinexx.de / Öko-Institut
Stand: 01.03.2012

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