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Vom geozentrischen Kosmos zum harmonischen Klang der Planeten

Die Symphonie des Universums

Büste des Philosophen Pythagoras © Galilea / CC-by-sa 3.0

Bei den einflussreichen Pythagoreern bekamen die mathematischen Zusammenhänge des Himmels und das Sphärenmodell eine ganz besondere Bedeutung. Denn diese auf den um 500 vor Christus lebenden Pythagoras von Samos zurückgehende philosophische Schule übertrug ihre bei Musikinstrumenten gemachten Beobachtungen und deren mathematische Zusammenhänge auf das Universum. Der Annahme lag die Erfahrung zugrunde, dass bei der Bewegung großer Körper in der Natur oft ein Geräusch zu hören ist. Deshalb mussten nach ihrer Vorstellung auch die Sphären bei ihrer Bewegung um die Erde Töne erzeugen. Verantwortlich für die dabei jeweils erzeugte Tonhöhe sollten deren Entfernungen von der Erde sowie ihre Geschwindigkeit sein.

Da alle Sphären sich mit ihren Planeten stets gleichzeitig bewegen, wenn auch unterschiedlich schnell, nahmen die pythagoreischen Mathematikliebhaber ein ständig gleichzeitiges Erklingen aller Sphärentöne an. Diesen als vollkommenen Zusammenklang (griechisch: symphōnía) angenommene Ton stellten sie sich als so schön und vollkommen vor, dass es keinem Menschen – außer Pythagoras selbst – möglich war ihn zu hören.

Eine perfekt komponierte Welt

In ihrem als Sphärenharmonie oder Harmoniemusik bekannten Weltkonzept drückt sich der bei den Pythagoreern tief verwurzelte Glaube an die perfekt proportionierte Einheit der Natur und des Kosmos aus. Sie glaubten an eine mathematisch beschreibbare Ganzheit des Kosmos – ähnlich jener in der Musik. So findet die Idee der Beschreibbarkeit der Natur durch Mathematik und die Entwicklung dieser zu einer eigenständigen Wissenschaft ihren Anfang bei den griechischen Mathematik- und Musikliebhabern.

Auch hat die Musik des Universums bis heute durchaus namenhafte Anhänger. So hat der Physiker und Vertreter der Superstring-Theorie Brain Greene sich erst kürzlich auf die musikalische Kosmos-Vorstellung der Pythagoreer bezogen. Er äußerte sich dazu so: „Mit der Entdeckung der Superstring-Theorie gewinnen diese musikalischen Metaphern eine verblüffende Realität.“ Die Stringtheorie geht davon aus, dass alle Phänomene des Kosmos auf eine Art winziger, vibrierender Fädchen zurückgehen. Greene vergleicht die vibrierenden Strings dabei mit den Saiten eines Musikinstruments und ist überzeugt, dass der Kosmos aus dieser Perspektive „nichts als Musik“ sei.

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Kathrin Bernard
Stand: 02.02.2013

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Von Göttern und Sternen
Astronomie und Weltbilder in der Antike

Eine stille Revolution
Beginn systematischer Astronomie in Mesopotamien

Was die Sonne verrät
Mit Winkelmessern und Wasseruhren zu ersten Beobachtungen

Mit Geduld zur Erkenntnis
Die Entdeckung der Venusperiode und der Saroszyklen

Von der Arithmetik zur Geometrie
Die Einflüsse mesopotamischer Astronomie auf die antiken Griechen

Die Symphonie des Universums
Vom geozentrischen Kosmos zum harmonischen Klang der Planeten

Der Erfolg einer falschen Theorie
Wie sich das Bild der um die Erde kreisenden Sphären festigen und über Jahrhunderte fortbestehen konnte

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