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Die Seele spricht mit

Was die Stimme preisgibt

Über unsere Stimme vermitteln wir mehr als uns mitunter bewusst ist. Nicht nur die formulierten Inhalte erreichen beim Sprechen den Empfänger, sondern auch viele Informationen, die im Klang des Gesagten mitschwingen. Das fängt bei so banalen Dingen wie dem Geschlecht, dem Alter und der Herkunft an. Auch die Körpergröße lässt sich aus der Stimme heraushören, wie Studien zeigen.

Wie Paare miteinander reden, verrät viel über die Qualität der Beziehung. © Anzeletti/ istock

Doch die Stimme gibt noch viel mehr preis: Welcher Typ Persönlichkeit sind wir? In welcher Beziehung stehen wir zu der Person, mit der wir gerade sprechen? Und wie ist es um unseren emotionalen Zustand bestellt? All dies offenbart sich dem aufmerksamen Zuhörer, sobald wir den Mund aufmachen.

Nervös, traurig oder zufrieden?

Wer aufgeregt oder nervös ist, spricht oft mit erhöhter Stimmlage und besonders schnell. Traurigkeit zeigt sich durch eine schleppende und Elan-lose Sprechweise. Zufriedenheit und Sicherheit klingen deutlich und klar. Wenn Mütter mit ihrem Baby oder Kleinkind reden, sprechen sie in einer höheren Tonlage, mit längeren Pausen und artikulieren Vokale überdeutlich. Auch die Klangfarbe, das Timbre der Stimme, verändert sich beim sogenannten „Baby Talk“ ganz subtil.

Unter Liebespartnern variiert die Stimme abhängig von der Qualität der Beziehung. So reden glückliche Paare anders miteinander als solche in einer zerbröckelnden Ehe. Bei Paaren in einer Beziehungskrise lässt sich am Tonfall sogar erkennen, wie groß die Chance auf ein „Happy End“ ist.

Beim Sprechen schwingt immer mehr als der formulierte Inhalt mit - das machen sich mittlerweile auch Marketingexperten zunutze. © Andrea Obzerova/ istock

Nützlich fürs Marketing

Ein anderes Beispiel für die Spuren, die zwischenmenschliche Beziehungen und Emotionen in der Stimme hinterlassen: Findet ein Sprecher sein Gegenüber attraktiv, verändert sich der Grundton im Gespräch – vor allem beim Sprecherwechsel. So fangen Männer in diesem Fall in einer tendenziell tieferen Tonlage zu reden an. Bei Frauen erhöht sich die Stimmlage dagegen, wie Experimente offenbaren.

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Aristoteles hat die Stimme augenscheinlich nicht ohne Grund als „Spiegel der Seele“ bezeichnet. Längst machen sich auch Marktforscher die in ihr verborgenen Hinweise zunutze: Mithilfe von Aufnahmen aus Telefongesprächen oder Sprachdaten, die Geräte mit Sprachassistenten wie Amazons Alexa speichern, wollen sie herausfinden, wie Kunden bestimmte Produkte bewerten – oder wann der passende Moment ist, um sie für einen Kauf zu gewinnen.

Von der Stimme zum Gefühl

Der hohe Stellenwert der Stimme bei der Übermittlung von Emotionen zeigt sich auch an dem Erfolg von Emojis. Seitdem wir im Alltag viel häufiger über WhatsApp und Co kommunizieren anstatt zu telefonieren, fehlt der Klang der Stimme als wichtiger Hinweisgeber. Damit es nicht zu Missverständnissen kommt, müssen Piktogramme die sonst beim Sprechen transportierten nonverbalen Informationen übermitteln.

Unsere Gefühle beeinflussen aber nicht nur den Klang unserer Stimme – die Stimme vermag auch Emotionen zu übertragen. Vom Lächeln ist das Phänomen bereits hinlänglich bekannt: Wer die Mundwinkel hochzieht, kann damit andere und sogar sich selbst anstecken. Bei der Stimme geschieht etwas Ähnliches. So bewirkt Freude in der Stimme des Sprechers oft ebenfalls Freude beim Hörer.

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Unsere Stimme
Machtvolles und verräterisches Körperinstrument

Tönende Luft
Wie und wo die Stimme entsteht

Die Seele spricht mit
Was die Stimme preisgibt

Die Krankheit auf der Zunge
Wie sich Leiden in der Stimme zeigen

Sprechende Maschinen
Was synthetische Stimmen menschlich macht

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