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Die Landung

Artemis-3 und das Problem der Mondlandefähre

Den Höhepunkt der Artemis-Programms bildet die Mondlandung im Jahr 2024. Wenn alles so läuft wie geplant, soll ein Orion-Raumschiff zunächst vier Astronauten in den Mondorbit bringen. Dort bleibt ein Teil der Besatzung in der rudimentären lunaren Raumstation, der Rest fliegt mit einem zuvor dort stationierten Landemodul zur Mondoberfläche hinab.

Gateway udn Orion
Die Astronauten in der Orionkapsel vor dem Andocken an die lunare Raumstation. © NASA

Im Prinzip klingt dieser Plan wie eine Neuauflage der Apollo-Missionen – und er ist auch wenig mehr. Denn von den ursprünglich ehrgeizigeren Plänen der NASA ist durch die Straffung des Zeitplans kaum mehr etwas übrig geblieben. So werden die Astronauten von Artemis-3 vermutlich nur wenige Tage statt mindestens einer Woche auf der Mondoberfläche bleiben und auch der Stützpunkt im Orbit ist kaum mehr als die Kommandokapsel der Apollo-Raumschiffe.

Landeplatz auf der Rückseite des Mondes

Immerhin: Der Landeplatz der Artemis-Astronauten ist etwas Neues. Denn sie sollen im South-Pole-Aitken-Becken landen – einer gewaltigen, uralten Einschlagssenke auf der Rückseite des Mondes. Dessen erdabgewandte Seite ist bislang weitgehend unerforscht, jahrzehntelang haben sie weder Mensch noch Raumsonde betreten. Erst im Januar 2019 gelang es der chinesischen Raumsonde Chang’e 4 als erstem menschengemachten Vehikel, am lunaren Südpol zu landen.

Mond-Südpol
Das Southpole-Aitken-Becken (blau) am lunaren Südpol – hier sollen die Astronauten landen. © NASA

Planetenforscher hoffen, dass die erste bemannte Landung in diesem wissenschaftlich spannenden Gebiet einiges an neuen Erkenntnissen liefern wird. Denn während die Vorderseite von den großen Maren aus Basaltlava geprägt ist, dominieren auf der Mondrückseite Hochebenen mit sehr altem Krustengestein. Daten des Mondrovers „Jadehase“ belegen zudem, dass im Aitken-Becken lunares Mantelgestein an die Oberfläche tritt. Die Artemis-Mission ist für die Forscher die erste Chance, Proben dieses Mondgesteins zu bekommen.

Wer baut die Landefähre?

Allerdings: Wie die Artemis-Astronauten zu ihrem Landeplatz am Mond-Südpol kommen sollen, ist bisher nicht einmal in Ansätzen geklärt. Denn noch existiert die Mondlandefähre nicht einmal auf dem Papier und auch wer sie bauen soll, ist offen. Klar scheint nur, dass die NASA selbst dies nicht leisten kann. Deshalb sollen nun kommerzielle Anbieter die nötigen Module liefern. „Im Prinzip kaufen wir den Transportservice, der unsere Astronauten vom lunaren Gateway hinunter zum Mond bringt“, sagt NASA-Administrator Jim Bridenstine.

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Mitte Mai 2019 hat die NASA elf US-Unternehmen ausgewählt, die Prototypen für Teilmodule der künftigen Mondlandefähre entwickeln sollen. Die Landefähre wird aus mindestens zwei, vielleicht auch drei Teilmodulen bestehen. Das erste ist ein Transfervehikel, das die Astronauten vom lunaren Gateway auf eine niedrige Mondumlaufbahn bringt. Ähnlich wie bei den Apollo-Missionen übernimmt dann ein Abstiegsmodul den Flug hinunter zur Mondoberfläche und bleibt dort. Zurück in den Mondorbit fliegt dann nur Kapsel mit den Astronauten.

Dragon-Kapsel
Die Dragon-Kapsel von SpaceX kurz vor dem Andocken an der Internationalen Raumstation ISS. © NASA

Wettlauf mit der Zeit

Das Problem jedoch: Normalerweise dauert es sehr viel länger als fünf Jahre, um ein bemanntes Raummodul zu entwickeln und zu testen. So tüftelt das private Raumfahrtunternehmen SpaceX beispielsweise schon seit 2010 an der bemannten Version der Dragon-Kapsel. Erst im März 2019 war die Kapsel so weit, dass ein erster unbemannter Testflug zur Raumstation ISS erfolgen konnte. Ein bemannter Testflug war ursprünglich für Juli 2019 geplant, musste aber nach einer Explosion bei einem Triebwerkstest verschoben werden.

Ob die Mondlandefähre rechtzeitig fertig wird, bleibt daher abzuwarten. „Wir können dazu beitragen, die Deadline einzuhalten – aber nur, weil wir schon vor drei Jahren angefangen haben“, sagt Jeff Bezos, Amazon-Chef und Gründer des Raumfahrtunternehmens Blue Origin. Ursprünglich als unbemannte Kapsel konzipiert, arbeitet das Unternehmen zurzeit daran, seine zweiteilige Landefähre „Blue Moon“ für den Crew-Transport umzurüsten.

Konkurrent Lockheed Martin könnte davon profitieren, dass das Unternehmen bereits die Orion-Raumkapsel mitentwickelt hat. Für die Mondlandefähre könnten das Crew-Habitat sowie Teile des Antriebssystems übernommen und angepasst werden. „Aber es wird dennoch eine Herausforderung“, kommentierte Tim Cichan von Lockheed Martin unlängst im Magazin Spacenews. Weitere Kandidaten im Rennen sind unter anderem SpaceX, Boeing und Northrop Grumman.

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Mission Artemis
Das neue Mondprogramm der USA – und seine Erfolgsaussichten

Mondmission, die Zweite
So will die USA zurück zum Mond

Der erste Flug
Artemis-1: Unbemannt um den Mond

Astronauten auf Mondkurs
Artemis-2 und der Bau des lunaren Gateway

Die Landung
Artemis-3 und das Problem der Mondlandefähre

Wer soll das bezahlen?
Das Problem mit dem Budget

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