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Verhalten spiegelt Umweltanforderungen

Die Kommunikationsprofis

In den Studien zur Mensch-Hund-Kommunikation zeigten die Hunde zwar meist bessere Resultate als andere Tierarten, taten sich aber dagegen vergleichsweise schwer bei Versuchen, bei denen soziales Lernen durch Nachahmung oder das Lösen von Problemen durch das Verständnis kausaler Zusammenhänge gefragt waren. Gerade bei letzteren Versuchen schnitten die Menschenaffen wiederum sehr gut ab. Als die Forscher den Becher mit der Belohnung schüttelten, war den Affen sofort klar, dass da was drin sein musste. Dagegen konnten die Hunde nicht von dem Geräusch auf den Inhalt schließen.

Utan, ein Schimpansenmännchen, mit einem Stück Fleisch eines Roten Stummelaffen. Kinshasa, ein Schimpansenweibchen mit ihrem Baby Kirikou auf dem Rücken, bittet ihn um einen Teil der Beute. © Cristina M. Gomes / MPI für evolutionäre Anthropologie

Umwelt prägt Kommunikationsverhalten

„Diese Ergebnisse lassen sich einfach erklären. Sie verdeutlichen, in welcher Umwelt die beiden Arten überleben müssen“, erklärt Juliane Bräuer. Wegen der in einer Affengruppe herrschenden großen Futterkonkurrenz würde es einem Affen nicht im Traum einfallen, einem anderen eine Futterquelle zu zeigen. Dagegen ist kausales Verständnis bei der Nahrungssuche im Urwald hilfreich. So können die Tiere durch Schütteln herausfinden, ob es sich lohnt, die Nuss zu knacken.

Hunde müssen sich wiederum um Nahrungssuche und ähnliche Probleme nicht kümmern. Sie leben mit dem Menschen zusammen und bekommen von ihm, was sie brauchen. Dazu ist es aber von Vorteil, sich möglichst gut mit ihm zu verstehen. Auf diese Weise haben sich Hunde in den vergangenen 15.000 Jahren zu echten Kommunikationsprofis entwickelt.

Border Collies sind darauf gezüchtet, auf Kommandos ihres Menschen zu achten. © CC-by-sa 2.0

Was Hunde über den Menschen verraten

Besonders interessieren sich die Leipziger Forscher jedoch für jene kognitiven Begabungen von Hunden, die man sonst nur beim Menschen findet – wie etwa das Verständnis von Zeigegesten. „Vielleicht können uns diese besonderen Fähigkeiten der Hunde sogar Auskunft über unsere eigene Entwicklung geben“, hofft Bräuer. „Etwa darüber, was bei uns Menschen die natürliche Selektion beeinflusst haben könnte. Wir haben höchstwahrscheinlich die freundlichen aufmerksamen Hunde gefördert, die mit uns Kontakt aufnahmen. Vielleicht haben sich auch bei der Entwicklung des Menschen die freundlichen Individuen durchgesetzt und somit die beim Menschen sehr ausgeprägte Kooperationsbereitschaft hervorgebracht.“

Noch sei es reine Spekulation, ob sich aus den Fähigkeiten der Hunde solche Schlussfolgerungen ziehen lassen. Vielleicht aber tragen die Arbeiten der Max-Planck-Wissenschaftler tatsächlich dazu bei, auch etwas über uns zu erfahren.

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Birgit Fenzel / MaxPlanckForschung
Stand: 30.07.2010

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Der Hund denkt mit
Tiere knacken ein vermeintlich menschliches Privileg

„Ich spüre, was du meinst“
Der Theory of Mind auf der Spur

Hunde als „Menschenversteher“?
Unerwartete Champions im Objektwahltest

Auf den Hund gekommen
Vom Mängelexemplar zum Klassenprimus

Wegschauen macht Diebe
Bravsein ist immer eine Frage des Blickwinkels

„Ich sehe was, was du auch siehst“
Die Sache mit dem Perspektivwechsel

Wortwunder Rico
Rekordwortschatz mit über 200 Wörtern

Die Kommunikationsprofis
Verhalten spiegelt Umweltanforderungen

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