Die Katastrophe kommt alle 600.000 Jahre - scinexx | Das Wissensmagazin
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Die Katastrophe kommt alle 600.000 Jahre

Der Vulkan unter dem Park

Äußerlich ist dem Yellowstone Nationalpark sein vulkanischer Charakter nicht anzusehen. Lediglich die zahlreichen thermalen Erscheinungen wie Geysire, heiße Quellen und Fumarole zeugen davon, dass unter dem Park nicht alles so ruhig ist wie an der Erdoberfläche.

Karte Yellowstone © University of Utah

Der Yellowstone liegt auf einer lokal begrenzten Aufschmelzungszone, einem sogenannten Hotspot, des Erdmantels. Während die meisten vulkanischen Aktivitäten auf der Erde an den Bereich von Plattengrenzen gebunden sind, gibt es einige wenige vulkanische Stellen, die inmitten der Platten liegen. Geologen haben herausgefunden, dass sich unter ihnen ortsfeste Magmareservoire befinden. In mehr oder weniger regelmäßigen Abständen dringt das Magma an die Erdoberfläche und führt dort zu einem Vulkanausbruch.

Da die Magmakammern in der Erdkruste nicht beweglich sind, die Kontinentalplatten aber darüber hinwegwandern, treten die Vulkane oft hintereinander in einer Kette auf. Vergleichbar mit einem Blatt Papier, das man über eine brennende Kerze bewegt und in regelmäßigen Abständen ein Loch hineinbrennt, brennen die Magmaströme Löcher in die Erdkruste. Auf diese Weise sind zum Beispiel die vulkanischen Inseln von Hawaii entstanden, die perlschnurartig im pazifischen Ozean aufgereiht sind.

Im Umkreis des Nationalparks lassen sich Spuren früherer Superausbrüche finden. Meterdicke Schichten alter, erhärteter Vulkanasche zeugen von Eruptionen aus längst vergessener Zeit. Geologen haben diese Lavaschichten datiert und kamen zu dem Ergebnis, dass die Magmakammer unter dem Yellowstone in der Vergangenheit dreimal unvorstellbare Massen an flüssigem Gestein an die Erdoberfläche befördert hat: Der erste Ausbruch fand vor etwa zwei Millionen Jahren statt. 1,3 Millionen Jahre vor unserer Zeit spie der Vulkan zum zweiten Mal Lava und die dritte und bisher letzte Eruption formte vor 630.000 Jahren die Caldera, auf der der heutige Yellowstone Nationalpark zum größten Teil liegt.

Diese Ergebnisse wurden durch die Entdeckung nicht nur einer, sondern dreier Calderen bestätigt. Der Krater, der den Großteil des heutigen Parks enthält, ist nur der Überrest des letzten Ausbruchs. Zwei weitere Calderen existieren in unmittelbarer Nachbarschaft des heutigen Kraters. In der benachbarten Snake River Plain existieren sechs weitere Calderen, die von Südwesten nach Nordosten immer jünger werden. An diese Calderen schließen sich die des Yellowstone nahtlos an. Aufgrund dieser Beobachtungen kann man die Bewegung der Kontinentalplatte über den Yellowstone Hotspot gut nachvollziehen.

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Aus diesen drei Ausbrüchen des Supervulkans ergibt sich ein regelmäßiger Zyklus von ungefähr 600.000 Jahren. Die Erdforscher gehen davon aus, dass sich diese Regelmäßigkeit fortsetzt und auch 600.000 Jahre nach dem letzten Ausbruch eine erneute Eruption zu erwarten ist. Somit wäre der nächste Ausbruch längst überfällig und uns stünde eine Katastrophe von unvorstellbarem Ausmaß mehr oder weniger unmittelbar bevor.

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Stand: 19.11.2000

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Yellowstone
Brodelnde Gefahr unter dem Park

Zum Weiterlesen...
Links und Literatur zum Thema

Idylle in den Rocky Mountains
Der Yellowstone Nationalpark

Dampfkochtöpfe mit brüchigem Deckel
Die Supervulkane

Höllenregen aus Lava und Asche
Der Ausbruch eines Supervulkans

Vulkanischer Winter und Massensterben
Die globalen Folgen des Supervulkan-Ausbruchs

Die Katastrophe kommt alle 600.000 Jahre
Der Vulkan unter dem Park

Erdbeben und Eruptionen
Die vulkanische Geschichte des Yellowstone Parks

Wann ist es soweit?
GPS-Messungen im Park

Wildströmende Dampffontänen
Geysire im Yellowstone Nationalpark

Brodelnder Schlamm und schwefelspeiende Löcher
Heiße Quellen und Fumarolen

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