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Die große Barriere

Zeitreise in die Ära der messinischen Salinitätskrise

Was damals genau geschah – und wie dramatisch die Trockenzeit des Mittelmeeres endete, ist inzwischen weitaus besser erforscht. Reisen wir zurück in die Ära der „messinischen Salinitätskrise“, wie die mehrere hunderttausend Jahre anhaltende Phase heute heißt:

Die Gesteinsschwelle unter dem Kanal von Gibralatar hebt sich durch die Drift Afrikas an, ein Stück der Kruste bricht weg und Magma steigt an dessen Stelle auf. © Paubahi/CC-by-sa 3.0

Nur ein paar Millimeter pro Jahr…

Gibraltar vor 5,93 Millionen Jahren. Die Drift Afrikas nach Norden hebt den Meeresboden unter der Meerenge zwischen Europa und Afrika immer weiter in die Höhe. Noch ist dieser Anstieg schleichend: Nur ein paar Millimeter pro Jahr hebt sich die Gesteinsschwelle, das Wasser darüber ist noch rund 60 Meter tief. Das aber reicht bereits aus, um den Einstrom frischen Meerwassers in das Mittelmeer empfindlich zu drosseln. Als Folge verdunstet mehr Wasser als nachfließen kann und der Wasserspiegel sinkt.

„Während dieser ersten Phase wurde das Wasser immer salziger und enthielt schließlich zehn Prozent des in allen Weltmeeren zusammen gelösten Salzes“, erklärt Daniel Garcia-Castellanos vom spanischen Institut für Geowissenschaften in Barcelona. Als Folge stieg der Gefrierpunkt des Mittelmeerwassers um 0,2 Grad Celsius. In den folgenden 300.000 Jahren steigt die Gibraltar-Schwelle allmählich weiter an, der Einstrom aus dem Atlantik wird zum Rinnsal. Jetzt sinkt der Pegel des Mittelmeeres bereits mehrere Zentimeter pro Jahr. Das Wasser zieht sich an den Küsten immer weiter zurück, kilometerbreite Uferstreifen liegen nun trocken, auf denen sich Karbonate und später auch Anhydrite ablagern.

Vor 5,9 Millionen Jahren verbindet nur noch ein schmaler Kanal Atlantik und Mittelmeer. Und sein Grund steigt immer weiter an. © Paubahi/CC-by-sa 3.0

Dürre – Flut – Dürre – Flut..

Doch noch gelingt es dem Atlantik, immer wieder kurzzeitig die Barriere von Gibraltar zu durchbrechen und Teile des Damms abzutragen. Bis zu 69 Mal, so zeigen Studien, muss das wenige, inzwischen mehr als tausend Meter unter dem Meeresspiegel liegende Salzwasser am Grund des großen Beckens zumindest teilweise wieder aufgefüllt worden sein.

Dieser ständige Wechsel erklärt auch, warum die Salzablagerungen aus jener Zeit so unglaublich mächtig werden konnten: „Wenn das gesamte Mittelmeerwasser- 3,7 Millionen Kubikkilometer – nur einmal verdunstet wäre, dann wären nur Schichten von wenigen zehn Metern Dicke entstanden“, erklärt Kenneth Hsü. Erst durch die Abfolge von Verdunstung und Ablagerung, Nachfließen frischen Salzwassers und erneuter Verdunstung bildeten sich Salzschichten von stellenweise mehr als 2.000 Metern Dicke.

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Der niedrige Wasserspiegel ermöglicht Säugetieren die Wanderung aus Afrika nach Norden, viele siedeln sich auf den kühlen Hochebenen der heutigen Mittelmeerinseln an. © Paubahi/CC-by-sa 3.0

Dieser Wandel bleibt auch für die Tier- und Pflanzenwelt nicht ohne Folgen. Entlang der weit in das Becken hinein strömenden Flüsse ziehen nun Antilopen, Elefanten und Nilpferde aus Afrika weiter nach Norden. An den aus der Ebenen hinausragenden Hügeln Kretas, Maltas, Siziliens und anderer heutiger Inseln finden sie frisches Grün und weniger Hitze als in ihrem heimischen Afrika. Doch ihr Idyll ist nicht von langer Dauer…

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Nadja Podbregar
Stand: 22.03.2013

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Die große Flut
Forscher enträtseln die Urzeit-Katastrophe am Mittelmeer

Ein unerwarteter Fund
Bohrkerne und kilometerdicke Salzschichten

Tektonische Spurensuche
Von der Tethys zum Mittelmeer

Das Rätsel des Nil-Canyons
Wie entstanden die Schluchten vor den Mittelmeer-Flussmündungen?

Die große Barriere
Zeitreise in die Ära der messinischen Salinitätskrise

Vom Restmeer zur Salzwüste
Die wortwörtlich heiße Phase der Salinitätskrise

Der große Bruch
Eine katastrophale Flut bringt das Ende des Wüstenbeckens

Nach der Flut kamen die Zwerge
Die Folgen der Wiederauffüllung für die Tierwelt

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