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Eine Botschaft für die Außerirdischen

Die goldene Schallplatte

Offiziell sollen die beiden Voyager-Sonden nur bis zum Saturn und vielleicht dem Uranus fliegen sollen. Dennoch hoffen die NASA-Missionsplaner insgeheim auf viel mehr: Den Flug ihrer beiden Sonden über das Sonnensystem hinaus. Und genau für diesen Fall geben sie ihnen eine Botschaft mit auf den Weg: die goldene Schallplatte.

Lesestoff für fortgeschrittene Aliens

„Diese Platte wird nur dann abgespielt werden, wenn es fortgeschrittene, raumfahrende Zivilisationen im interstellaren Raum gibt“, erklärte der damals für die Auswahl der Inhalte zuständige US-Astronom Carl Sagan. „Aber dass wir diese Flaschenpost in den kosmischen Ozean werden, sagt etwas Hoffnungsvolles über das Leben auf diesem Planeten aus.“

Die Außenseite der goldenen Schallplatte. Die Gravuren beschreiben, wie sie zu anzuspielen ist und zeigen die Position der Erde anhand von Pulsardaten. © NASA/JPL

Damit die Außerirdischen die Schallplatte auch dekodieren können, liefern die Sonden die passende Abspielnadel gleich mit. Wie diese einzusetzen ist, steht auf der goldüberzogenen Plattenhülle: Eine stilisierte Abbildung zeigt die Platte mit der Abspielnadel in der korrekten Position. Die Rotationszeit – 3,6 Sekunden für einen Umlauf – ist im Binärcode über die Zeit für den Übergang des Wasserstoffatoms zwischen zwei Zuständen angegeben.

Eine Einladung zur Invasion?

Unumstritten ist die kosmische Grußbotschaft allerdings schon zu Sagans Zeit nicht. Einige Kritiker sehen darin ein gefundenes Fressen für potenziell aggressive Außerirdische – quasi eine Einladung zur Invasion. „Immerhin rufen wir ins All hinein: Hallo, hier sind wir! Kommt und holt uns! Und übrigens: Hier ist auch eine Karte, wo ihr uns findet!“, beschreibt das frühere Voyager-Teammitglied Jim Bell das Problem. Die Karte findet sich auf der Plattenhülle: Die Position der Erde ist dort in Relation zu 14 Pulsaren angegeben.

Ob es ratsam ist, überhaupt Botschaften ins All zu schicken, darüber wird bis heute gestritten. Während das SETI-Projekt schon mehrfach Radiobotschaften zu nahen Sternen und Sternenhaufen gesendet hat, sieht beispielsweise der britische Physiker Stephen Hawking darin eher eine Art Selbstmordkommando: „Wir müssen doch nur in die eigene Geschichte schauen um zu sehen, wie sich intelligentes Leben zu etwas entwickeln kann, dem wir nicht unbedingt begegnen wollen“, konstatiert er.

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115 Bilder, 27 Musikstücke und Naturgeräusche und Grußbotschaften in 55 Sprachen sind auf der Schallplatte gespeichert. © NASA/JPL

Musik, Bilder und Grüße von der Erde

Trotz dieser Bedenken setzen sich Sagan und die Befürworter der goldenen Schallplatte letztlich durch. Jede der beiden Sonden trägt eine 30 Zentimeter große goldbeschichtete Kupferscheibe an Bord, in die wie bei einer Langspielplatte Daten in Form einer Rille aus winzigen Gruben eingraviert sind. Die Platte enthält 27 Musikstücke und Naturgeräusche von der Erde, Grußworte in 55 Sprachen sowie 115 Fotos und Bilder.

Die Auswahl der Inhalte ist alles andere als einfach, sollen sie doch die Vielfalt der irdischen Zivilisation repräsentieren und gleichzeitig wesentliche Informationen über unserer Welt und ihre Gesetzmäßigkeiten vermitteln. „Selbst das Bild eines Sonnenuntergangs über dem Ozean – vornehmlich wegen seiner Schönheit ausgewählt – hat eine informative Komponente“, erklärt Bell. „Ein gebildeter Alien mit physikalischem Grundwissen über Optik und Fluiddynamik kann aus den Farben und Mustern in Himmel und Meer einiges zur chemischen Zusammensetzung, dem Druck und anderen Eigenschaften unseres Planeten entnehmen.“

DNA und Taj Mahal, aber keine Beatles

Die Spannbreite der Bilder reicht von schematischen Darstellungen der DNA und Aufnahmen der Erde und ihrer Nachbarplaneten über Landschaftsaufnahmen und Fotos großer Architektur bis zu Abbildungen essender und laufender Menschen. Bei der Musik sind Stücke verschiedener Kulturen vertreten. Es ertönen Aborigine-Gesänge und senegalesische Trommeln, aber auch gregorianische Choräle und Werke von Bach und Beethoven.

Eigentlich sollte die Schallplatte auch ein Stück von den Beatles mit ins All nehmen. „Sie galten damals als absoluter Höhepunkt der modernen westlichen Musik“, so Bell. Sagan und seine Kollegen schlugen dafür – durchaus passend – den Song „Here comes the sun“ vor. Doch die Plattenfirma verweigerte ihre Genehmigung. Statt der Beatles fliegt nun ein Stück von Chuck Berry zu den Sternen.

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Nadja Podbregar
Stand: 18.08.2017

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Voyager: Vorhut der Menschheit
Die Rekord-Raumsonden und ihre Geschichte

Rekorde und mehr
Die wichtigsten Meilensteine der Voyager-Missionen

Die perfekte Konstellation
Warum die Mission heute nicht möglich wäre

Die Grand Tour
Der Missionsplan und die Sonden

Die goldene Schallplatte
Eine Botschaft für die Außerirdischen

Überraschungen am Jupiter
Die ersten großen Entdeckungen

Reise zu den Außenwelten
Der Flug zum Saturn und darüber hinaus

Abschied von Sonnensystem
..und ein "Familienportrait"

Interstellares Neuland
Auf dem Weg zu den Sternen

Wie geht es weiter?
Die Zukunft der Voyager-Sonden

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