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Diatomeen als Auskunft über Wasserverschmutzung

Sedimentbohrungen geben Informationen über die letzten Jahrtausende frei

Um genaue Informationen über die Einflüsse auf die Wasserqualität des Baikalsees zu erhalten, benutzten Forscher des Baikal International Center for Ecological Research (BICER) 1998 winzige Organismen – Diatomeen – die sich im teilweise bis zu sieben Kilometer dicken Sediment des Baikalsees zuhauf finden.

Abendstimmung © Uni Osnabrück

Diatomeen sind winzig keine, einzellige Algen mit einer Silikathülle, die im Sediment erhalten bleibt, wenn der Organismus selbst schon lange gestorben und auf den Seegrund gesunken ist. An 20 Stellen des Sees wurden Sediment-Bohrungen vorgenommen. Die Bohrkerne gaben die Diatomeen-Hüllen der vergangen Jahre frei. Anhand der Bohrkerne konnten die Forscher nun Informationen über die Diatomeen-Populationen des gesamten Sees von heute bis in die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts und in einigen Fällen sogar bis vor 2000 Jahren ablesen.

Diatomeen-Anzahl und Auftreten verschiedener Diatomeen-Arten werden jedoch nicht nur durch Schwankungen der Wasserqualität aufgrund von Verschmutzung, sondern auch durch Klimaänderungen beeinflusst. Das Wissen über die Verteilung von Häufigkeit und Artenvorkommen von Diatomeen über einen längeren Zeitraum, das mit den bekannten Klimaveränderungen des gleichen Zeitraums korreliert werden kann, ist besonders wertvoll, um zu zeigen, wie sich Diatomeen-Populationen auf natürliche Weise mit der Zeit verändern.

Bei Auswertung der Sedimentkerne konnten die Wissenschaftler tatsächlich zeigen, dass das Diatomeen-Vorkommen sich mit der Zeit tatsächlich verändert hat. Die drastischste Veränderung trat jedoch Mitte des neunzehnten Jahrhunderts, deutlich vor einer Industrialisierung des Sees, auf. Die Forscher führten dies auf das wärmere Klima am Ende der kleinen Eiszeit im achtzehnten Jahrhundert zurück.

Eine Veränderung, die eine Verschlechterung der Wasserqualität oder des Nährstoffgehaltes in der Mitte des Sees in der letzten Zeit angezeigt hätte, konnten die Forscher jedoch nicht entdecken. In einigen Bereichen in Ufernähe, beispielsweise in der Nähe der Papierfabrik von Baikalsk und in den seichteren Gewässerbereichen des Selengadeltas, einem der Hauptzuflüsse des Baikal-Sees, wurden jedoch jüngere Änderungen in der Diatomeen-Population finden, die auf Nährstoffanreicherung des Wassers zurückzuführen sind.

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Sie suchten außerdem nach Nachweisen für neuere Schwermetallverschmutzungen, die auf Industrieabwässer und Luftverschmutzung hingewiesen hätten. Diese zeigen sich in Form von kohlenstoffhaltigen Partikeln in den Sedimentkernen. Sie konnten nachweisen, dass die Verschmutzung über Luft und Abwässer besonders im südlichen Bereich des Sees und am nördlichste Ende um die Stadt Severobaikalsk am größten ist.

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Stand: 07.12.1999

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Baikalsee
Von Rifts, Omuls und Papierfabriken

Zwischen Taiga und Steppe
Baikal - der See der Superlative

Von heißen Sommern und kalten Wintern
Klima und mehr...

Wenn ein Kontinent zerbricht...
Über die Entstehung des Baikalsees

"Tatort" Baikalsee
Das Baikal Drilling Program (BDP)

Selenga-Omul und Baikal-Ringelrobbe
Die einzigartige Tierwelt des Baikalsees

Der Baikalsee - eine Kloake?
Folgen von Besiedlung und Industrialisierung

10.000 tote Robben am Baikalsee
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Zwei Schritte vor, einer zurück?
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