Detektive mit Nadel und Pflaster... - scinexx | Das Wissensmagazin
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Detektive mit Nadel und Pflaster…

Die schwierige Suche nach den Allergie-Auslösern

Wer wegen eines hartnäckigen Schnupfens oder Hautausschlags mit dem Verdacht einer Allergie zum Arzt geht, den erwartet in den meisten Fällen erst einmal eine ausführliche Befragung über die Symptome. Die Identifizierung des „Schuldigen“ an einer allergischen Reaktion gleicht in vielen Fällen einem Puzzlespiel: aus Tests, den Angaben des Patienten und den eigenen Kenntnissen setzt sich Stück für Stück das Bild des Allergens oder der Allergene zusammen.

Hauttests

Fast immer ist der erste Test ein Hauttest. Auch wenn die Symptome selbst mit der Haut gar nicht zu tun haben, und vermeintlich nur die Nase läuft oder die Luft wegbleibt, sind die in der Haut sitzenden Mastzellen ebenfalls für das Allergen sensibilisiert.

Der Hautstich- oder „Prick“-Test testet ihre Reaktion auf die verdächtigen Allergene. Dabei wird ein Tropfen der entsprechenden Testlösung auf die Haut aufgetragen. Mit einer Nadel oder Lanzette sticht der Arzt die Haut durch den Tropfen hindurch kurz an, so daß die Lösung ins Hautinnere eindringen kann. Als Positivkontrolle dient Histaminlösung, als Negativkontrolle physiologische Kochsalzlösung. Bildet sich bei der Testlösung eine Rötung und eine Quaddel, die mindestens so groß ist, wie bei Histaminlösung, gilt die Reaktion als positiv.

Ist damit das Allergen gefunden? Leider nein: In vielen Fällen reagieren Menschen positiv auf Allergene, die gar nicht für die Beschwerden verantwortlich sind. Die Immunabwehr ist dann zwar für diese Substanzen sensibilisiert, die Reaktion reicht aber nicht aus, um fühlbare Symptome zu erzeugen, die eigentlich „Schuldigen“ sind andere, die Suche muß weitergehen.

Bei Hautausschlägen und ähnlichen Symptomen ist der Pflaster- oder „Patch“-Test die Standardmethode. Kleine Pflaster, die mit unterschiedlichen Testlösungen getränkt sind, werden auf symptomfreie Hautstellen, meist Rücken oder Oberarm geklebt. 48 Stunden später entfernt der Arzt die Pflaster und kontrolliert, ob Rötungen oder Schwellungen bei bestimmten Testsubstanzen aufgetreten sind. Allerdings ist die Interpretation dieses Tests manchmal schwierig. Einerseits können nichtallergische Hautreizungen auftreten, die mit Allergien verwechselt werden, andererseits ist die gesunde Haut, auf der getestet wird, oft besser gegen ein Eindringen der Lösungen gewappnet und reagiert dementsprechend wenig oder gar nicht auf ein Allergen.

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Inhalationstests

Der Weg zur Diagnose eines asthmatischen Asthmas beginnt meist mit einem Test der Lungenfunktion. Normalerweise strömt die Luft beim Ein- und Ausatmen schnell und fast ungehindert durch die Atemwege. Wieviel Luft mit jedem Atemzug ausgeatmet wird, hängt unter anderem vom Alter, Geschlecht und Größe ab. Mit Spitzenflußmessern und Spirometern kann gemessen werden, ob der Atemwiderstand eines Patienten im normalen Bereich liegt, oder durch eine Verengung der Luftwege erhöht ist. Der Patient muß dazu so stark und schnell wie möglich in ein Mundstück ausatmen, das anhängende Gerät registriert, wieviel Luft innerhalb einer bestimmten Zeit ausströmt.

Da die Atembeschwerden bei Asthmatikern nicht immer gleich sind, kann es sein, daß bei einer Messung alle Werte scheinbar normal sind. Oft muß dann der Patient mit einem tragbaren Meßgerät über zwei bis drei Wochen hinweg mehrmals täglich sein Atemvolumen messen und erst die Schwankungen „entlarven“ die Ursache für die Atemnot als Asthma.

Damit kennt man natürlich noch immer nicht das auslösende Allergen, deshalb folgen in einem nächsten Schritt meist Haut- oder Bluttests.

Bluttests

Mit Bluttests können auch verschwindend geringe Mengen an IgE-Antikörpern noch genau bestimmt werden. Dabei unterscheidet man verschiedene Verfahren, die den Gesamtgehalt an IgE – Antikörpern messen können oder spezieller nach Antikörpern gegen bestimmte Allergene suchen.

Im ersten Fall, dem sogenannten RIST-Test (für „Radio-Immuno-Sorbens-Test“), mißt man, wieviele radioaktive Anti-IgE-Antikörper an eine bestimmte Menge menschliches Blut binden können. Über die gemessene Radioaktivität der Probe läßt sich der ursprüngliche Antikörpergehalt bestimmen.

Beim etwas spezifischeren RAST-Test (für „Radio-Allergo-Sorbens-Test“) werden sehr reine Allergenextrakte an ein Trägersubstrat gebunden und das Patientenblut dazu gegeben. Wenn das Blut IgE-Antikörper gegen das Allergen enthält, heften sich diese an das beschichtete Trägersubstrat und bleiben auch nach Abspülen des überschüssigen Serums daran gebunden. Wie beim RIST-Test werden auch hier radioaktiv markierte Anti-IgE-Antikörper als „Meßhilfen“ benutzt und der Gehalt an spezifischen IgE-Antikörpern gegen ein bestimmtes Allergen über die Radioaktivität der Probe berechnet.

Wie alle anderen Tests auch, kann natürlich auch der Bluttest falsch negative oder falsch positive Ergebnisse bringen, dennoch ist er weniger fehleranfällig als Hauttests. Gerade Nahrungsmittelallergien können besser über diese Testmethoden identifiziert werden und auch bei größeren Hautausschlägen bietet sich der Bluttest an.

Eliminationsdiät

Am schwersten zu diagnostizieren sind Allergien gegen bestimmte Nahrungsmittel, da die meisten der bisher beschriebenen Tests bei ihnen zu keinem Ergebnis führen. In manchen Fällen machen sich die Symptome bei diesen Allergien erst Stunden oder sogar Tage später bemerkbar und verwischen damit die Spur zu den Ursachen. Den „Schuldigen“ zu finden erfordert schon detektivische Fähigkeiten.

Meist versucht man durch eine Kombination aus der Einschränkung der Ernährung und gezielten Tests mit „verdächtigen“ Lebensmitteln das Allergen zu identifizieren. Nicht selten bedeutet das drei Wochen lang eine eher eintönige Kost aus Salat, Reis oder Kartoffeln und Mineralwasser. Nur nach und nach kommen andere Nahrungsmittel dazu. Bleiben die Symptome auch nach drei Wochen dieser strengen Diät gleich, ist die Suche gescheitert – unter Umständen deshalb, weil die Allergiesymptome nicht durch Nahrungsmittel hervorgerufen werden.

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Stand: 26.03.2002

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Allergien
Wenn die Abwehr Amok läuft...

Allergien auf dem Vormarsch?
Kampf gegen den vermeintlichen Feind

Schnupfen oder Allergie?
Einige typische Allergie- Symptome

Wenn eine Allergie gar keine ist...
Von Pseudo-Allergien und anderen Überreaktionen

Allergie ist nicht gleich Allergie...
Die vier Allergietypen nach Coombs und Gell

Wer bekommt eine Allergie?
Das Rätsel um die Ursachen der Allergien

Gene oder Umwelt
...oder beides?

Was macht eine Substanz zum Allergen?
Von Proteinen, Pollen und Wasserlöslichkeit

Ein Allergieanfall aus immunologischer Sicht
Von Parasiten, Antikörpern und explodierenden Zellen

Die Zellen der Immunabwehr
Von Killern, Freßzellen und dem Schlüssel-Schloß-Prinzip

Die Wächtermoleküle
Antikörper und die humorale Immunabwehr

Detektive mit Nadel und Pflaster...
Die schwierige Suche nach den Allergie-Auslösern

Kleine Galerie der „Bösewichter"
Die wichtigsten Allergie-Auslöser in Kurzform

Flüchten oder Standhalten?
Tips zum Vermeiden hoher Allergenbelastungen

Therapie durch Hyposensibilisierung
Gewöhnung an den vermeintlichen Feind

Kampf den Symptomen...
Hilfe durch Medikamente

Was leisten "sanfte" Heilmethoden?
Placeboeffekt oder echte Alternative?

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