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Der Wolf im Zielfernrohr

Der Jäger wird gejagt

Leises Anpirschen gegen den Wind? Fährtenlesen und langes Auflauern? Nein – solche Szenen einer Wolfsjagd sind passé. Heute lärmen bei der Jagd auf den Wolf entweder die Rotorenblätter der Hubschrauber oder die Welt schrumpft zu dem Focus eines Hightech-Zielfernrohrs zusammen.

Der Wolf ist der perfekte Jäger und lässt sich daher selbst nicht leicht jagen. Er hört und sieht gut und riecht noch viel besser. Meist bekommen ihn Menschen aus diesem Grund gar nicht erst zu Gesicht: Er ist schon wieder weg, bevor sie ihn überhaupt bemerken. Zum Glück: Denn dass er laut dem Washingtoner Artenschutzabkommen zu den bedrohten Tierarten gehört, schützt ihn meist wenig.

Ein gesetzlicher Schutz für den Jäger

In allen Ländern Westeuropas ist der Abschuss des Wolfs per Gesetz verboten. In der Bundesrepublik stand der Wolf seit 1987 in der Artenschutzverordnung. Mit der Wiedervereinigung gilt der Schutz seit 1990 auf gesamtdeutschem Gebiet. Seit dem Berner Abkommen ist es nicht nur verboten die Tiere zu schießen, sondern sogar vorgeschrieben eine Ansiedlung zu fördern. Leider gelten die Wölfe in nur einigen Ländern Osteuropas als „vollständig geschützt“(IFAW). Viele dulden die Jagd nicht nur, sondern führen den Wolf explizit auf ihrer Abschussliste. In Rumänien, wo die meisten Wölfe Europas leben, sind die Tiere zwar geschützt, werden „aber mit Sondergenehmigung regelmäßig gejagt“ (IFAW). Lediglich Spanien erlaubt noch im Norden des Landes die legale Jagd.

Je weiter östlich der Wolf lebt, desto gefährlicher ist es für ihn. In Asien und Russland ist die Jagd auf den großen Grauen nicht nur gestattet, sondern wird durch Prämien sogar gefördert. Angeblich werden die Nutztiere der Bauern durch die großen Wolfsbestände gefährdet. In vielen der östlichen Länder gilt Wilderei ohnehin als ehrenhaft. Die Jagd ist stark im ländlichen Leben verwurzelt und in Regionen größerer Armut immer noch die letzte Rettung vor dem Hunger.

Die Jagd auf den Jäger

Schwarzer Wolf in Alaska © Mörschel/WWF

Als kräftige Einnahmequelle haben die ärmeren Länder des Ostens seit einiger Zeit die zahlungskräftigen Jäger aus Westeuropa entdeckt: Jagdtourismus – reisen um zu töten. Ein Pauschalangebot können Jäger beispielsweise für die Slowakei buchen: Anreise, Hotel und Treibjagd auf Wölfe inklusive. Ein Veranstalter bietet sogar eine Tour in den russischen Kaukasus an: Acht Tage für 4.000 amerikanische Dollar plus 450 Dollar Abschussgebühr für jeden erlegten Wolf. Der Kunde kann den Jagdurlaub wahlweise auch in Kasachstan verbringen. Der Veranstalter liefert ein ermunterndes Argument direkt mit: „Der Wolfsbestand in Kasachstan liegt bei rund 100.000 Wölfen und bringt enormen Schaden für die Tierzuchtwirtschaft.“

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Viele deutsche Jäger dagegen lehnen den Jagdtourismus ab. Besonders der Abschuss von bedrohten Arten, mögen sie in dem Aufenthaltsland noch so viele sein, ist sehr umstritten. Daher fordert der Ökologische Jagdverein Bayern den vollständigen „Verzicht auf Jagdtourismus“. Denn der Abschuss bedrohter Arten sei nicht vereinbar mit der Aufgabe des Jägers diese Tiere zu schützen und zu hüten.

Die Förster an der deutsch-polnischen Grenze nehmen ihre Aufgabe seit dem Jahr 1996 besonders ernst, als sich dort die ersten Wölfe in Deutschland niederließen. Ein wenig stolz sind sie schon, dass die Wölfe „ihre“ Wälder als neue Heimat gewählt haben. Der Präsident des Landesjagdverbandes Sachsen, Günter Giese, versichert: „Wir sind verpflichtet, den Wolf, wie alle Wildtiere, zu hegen, zu beschützen und durch die Gestaltung der Lebensräume den Bestand zu sichern.“ Dennoch seien die Jäger auch verantwortlich, dass „entstehende Raubtierpopulationen eine tragbare Dichte nicht übersteigen dürfen“, schränkt Giese ein.

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Stand: 30.09.2005

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Comeback der Wölfe
Neubeginn zwischen Faszination und Schrecken

Die Chronologie eines Wiedersehens
Von den ersten Schritten bis zu den jüngsten Welpen

Freud und Leid - Der Wolf ist da
Zwei Seiten einer Medaille

Wüste, Gebirge, Ewiges Eis – der Wolf ist überall
Auf der Suche nach einer neuen Heimat

Der Weg der Wölfe
Gibt es eine Wanderroute der Wölfe nach Deutschland?

Wer hat Angst vorm „bösen“ Wolf?
Mensch trifft Wolf

Märchen, Monster, Mythen - und Wahrheit
Eine Geschichte von Angst und Bewunderung

Von Rudelführern und Heulsusen
Das soziale Verhalten der Raubtiere

Der Wolf im Zielfernrohr
Der Jäger wird gejagt

Hunde im Schafspelz, Lappen und Elektroschocker
Wie Schafe sich den Wolf vom Hals halten

Warum Wölfe Manager brauchen
Die Zukunft von Isegrim

Steckbrief
Kurzinfos zum Wolf

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