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Der vernetzte Mensch

Body Sensor Networks

Arzt und Patient © NCI

Eines der ersten Anwendungsgebiete, in denen sich drahtlose Sensornetze durchsetzen und wirklich zum Einsatz kommen werden, so die Vorhersagen von Experten, könnte die Medizintechnik sein. Nur wenige Jahre soll es noch dauern, bis die so genannten Body Sensor Networks, zur festen Ausstattung von Krankenhäusern gehören oder Patienten mit ihrem persönlichen Sensornetz auch im Alltag umgehen.

Genaueres Langzeit-EKG

Am Imperial College in London entwickelt man derzeit drahtlose Sensornetze, die die bisher üblichen Langzeit-EKGs erweitern werden. Ein Langzeit-EKG zeichnet die Herzfrequenz eines Patienten über einen Zeitraum von 24 Stunden auf, um beispielsweise Herzrhythmusstörungen zu erkennen. Die ermittelten Daten werden von einem tragbaren Aufnahmegerät in digitaler Form auf Festplatten oder Speicherkarten gesichert.

Sensornetz am Menschen © Imperial College London

Weil starkes Herzklopfen beispielsweise aber auch einfach nur auf Anstrengung zurückzuführen sein kann, haben die britischen Informatiker ein Sensornetz entwickelt, das das einfache Langzeit-EKG ergänzt und andere relevante Daten aufnimmt. So werden mit verschiedenen drahtlosen Sensoren auch der Blutdruck, die Temperatur oder die Bewegung gemessen. Alle Daten zusammen, so die Entwickler, können in die Auswertung des EKG mit einbezogen werden und ermöglichen so eine bessere Diagnose. Denkbar sind solche Systeme auch zur Überwachung von Krebserkrankungen oder von medikamentösen Therapien.

Intelligente Häuser gegen Alzheimer

Einen Schritt weiter gehen Sensornetze, die genaue Bewegungsabläufe und Verhaltensmuster von Patienten in die Diagnose mit einbeziehen. Indem die Patienten selbst, aber auch deren Wohnungen mit Sensorknoten ausgestattet werden, lässt sich der gesamte Tagesablauf nachvollziehen. Das Intel Forschungslabor arbeitet an der so genannten „Proactive Health Technology“ (proaktive Gesundheits-Technologie). Laut Eric Dishman, Manager des Projekts bei Intel, verstehe man darunter eine Technologie, die älteren oder pflegebedürftigen Menschen das Leben erleichtern, sie aber gleichzeitig an der Vorsorge beteiligen solle.

So fasst die Technologie beispielsweise die Früherkennung von Alzheimer-Erkrankungen ins Auge. „Heute wird die Krankheit meist erst nach zwei oder drei Jahren diagnostiziert“, so Dishman. „Wir möchten veränderte Verhaltensmuster vorher erkennen. Beispielsweise, ob jemand beim Kochen länger braucht, oder gar nicht mehr kocht oder beim Einkauf die Lebensmittel vergisst.“ Damit könne die Therapie früher einsetzen und der Verlauf der Krankheit zumindest verzögert werden.

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Hilfe in der Küche durch Sensoren? © Placelab MIT

Die Krankheits-Überwachungs-Technologie von Intel soll so weit gehen, dass ein „smart home“, ein intelligentes Zuhause, auch die „Tagesform“ der Patienten erkennt. Die Wohnung soll dazu mit Sensoren in allen Räumen und Betätigungszonen ausgestattet sein, ebenso wie der Patient, dessen physiologische Prozesse drahtlos überwacht werden. Das gesamte Netz kann dann den Zustand des Patienten analysieren – die Wahrnehmungsfähigkeit von Demenzkranken wechselt sehr häufig zwischen klaren Momenten und weniger guten Tagen. Nach der Vorstellung von Intel, werden dem Patienten anschließend auf den jeweiligen Zustand abgestimmte Hilfsmittel angeboten.

„Je nach Tagesform werden die Patienten dann daran erinnert, dass sie ihre Medikamente nehmen sollen, oder nicht, dass sie vielleicht auch den Blutdruck messen müssen. Und wenn der Patient alleine gar nicht zurechtkommt, soll das System auch das erkennen und Hilfe holen“, so Dishman.

Dass die Menschen Bedenken haben könnten, sich in ein solches System der totalen Überwachung nach „Big Brother“-Manier zu begeben, sieht Dishman nicht. „Wenn die Aussicht besteht, eine Krankheit zu verhindern, werden viele Leute kein Problem damit haben, ein bisschen Privatsphäre dafür herzugeben.“

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Stand: 31.03.2006

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Inhalt des Dossiers

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