Anzeige

Der tägliche Verkehrsinfarkt

Stau ohne Ende

Jeden Tag das gleiche Szenario: Hundertausende von Berufspendlern durchkreuzen das Ruhrgebiet, passieren mehrere Stadtgrenzen. Die A 40, der sogenannte „Ruhrschnellweg“, wichtigste Ost-West-Achse der Region, ist im Volksmund längst zum „Ruhrschleichweg“ geworden. Mit den täglich 112.000 Fahrzeugen auf der A 40 sind zur Rush-hour mehr als fünf Kilometer in einer Stunde kaum zu schaffen.

Eine schnelle und unkomplizierte Fortbewegung ist auch mit dem öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) nicht garantiert. Zu Stoßzeiten sind Busse und Bahnen gnadenlos überfüllt und verspätet. Überquert ein Fahrgast mehrere Stadtgrenzen, muss er mit schlecht aufeinander abgestimmten Verkehrssystemen und undurchschaubaren Tarifzonen fertig werden. Lange Warte- und Fahrzeiten sind so vorprogrammiert.

Das einst gut ausgebaute Verkehrsnetz des Ruhrgebiets hält dem ständig steigendem Verkehrsaufkommen schon lange nicht mehr Stand. Anders als in anderen Ballungsgebieten mit einem eindeutigen Zentrum, verlaufen im Ruhrgebiet die Verkehrsströme zudem pausenlos in unterschiedlichen Richtungen: Duisburger, die täglich nach Bochum fahren, Dortmunder, die in Essen arbeiten. Die enge räumliche Verflechtung der Städte wird nach einer WAZ-Umfrage von einem hohen Prozentsatz der Bewohner zwar als besondere Stärke des Ruhrgebiets angesehen, die theoretisch günstige Erreichbarkeit ist in der Realität jedoch nicht gegeben. Die Straßen sind bis an die Grenze überlastet und der ÖPNV stellt keine echte Alternative für die Autofahrer dar.

Schuld an dem drohenden Infarkt trägt neben den ständig wachsenden, städteübergreifenden Mobilitätsströmen eine nicht aufeinander abgestimmte Verkehrspolitik. Bau und Unterhaltung des regionalen Straßennetzes obliegt den Landschaftsverbänden bzw. den Bezirksregierungen. Ihre Zuständigkeiten laufen mitten durchs Ruhrgebiet. Der ÖPNV ist ähnlich zersplittert. Zahlreiche Verkehrs-betriebe betreiben im Ruhrgebiet ihr Geschäft – aneinander vorbei, ohne übergeordnetes Verkehrskonzept.

Um den Verkehr auf Straße und Schiene besser planen und koordinieren zu können, ist städteübergreifende Zusammenarbeit notwendig. Mit dem Zusammenschluss der Städte zur Ruhrstadt könnte eine übergeordnete Instanz geschaffen werden, die die Aufgaben der Verkehrsplanung übernimmt. Dies setzt auch die Formation der zahlreichen Verkehrsbetriebe zu einer einheitlichen Trägergesellschaft, einer „Ruhr-Verkehrsgesellschaft“ etwa, voraus. Nur so kann ein Verkehrsmanagement betrieben werden, in der die Infrastruktur intelligent und effizient genutzt wird.

Anzeige
  1. zurück
  2. |
  3. 1
  4. |
  5. 2
  6. |
  7. 3
  8. |
  9. 4
  10. |
  11. 5
  12. |
  13. 6
  14. |
  15. 7
  16. |
  17. 8
  18. |
  19. 9
  20. |
  21. 10
  22. |
  23. 11
  24. |
  25. 12
  26. |
  27. 13
  28. |
  29. weiter


Stand: 09.02.2002

Anzeige

In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Hightech statt Hochöfen
Das Ruhrgebiet auf dem Weg zur Metropole?

Das Ruhrgebiet
Klischee und Wirklichkeit

Vom Kohlenpott zur Metropole
Grüne Städtelandschaft mit kultureller Vielfalt

Route der Industriekultur
Ruhrkultur pur

Grünes Ruhrgebiet
Oasen in der Industriewüste

Die Städte untereinander
Konkurrenz statt Kooperation

Strukturschwaches Ruhrgebiet
Handeln ist angesagt

In der Diskussion
Aus dem Ruhrgebiet muss Ruhrstadt werden

Der tägliche Verkehrsinfarkt
Stau ohne Ende

Metrorapid als Rückgrat
Die Lösung ?

Mobilitätszentralen
Mit dem "Ruhrpilot" staufrei durchs Revier

Der Ruhrpott entsteht
Von einer explosionsartigen Industrieentwicklung

Der schwierige Strukturwandel
Schwarze Zukunft für die Kohle

Diaschauen zum Thema

keine Diaschauen verknüpft

News zum Thema

keine News verknüpft

Dossiers zum Thema

keine Dossiers verknüpft