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Der „Schicksalsberg“ der Deutschen

Scheitern am Nanga Parbat

Gipfel des Nanga Parbat © GDFL

Willy Merkl, der Leiter der Nanga Parbat Expedition im Jahr 1934, ist bereits zum zweiten Mal im Himalaya. Schon 1932 hatte er gemeinsam mit Deutschen und Amerikanern einen ersten Aufstieg auf den Berg versucht – vergeblich. Wenige hundert Höhenmeter vor der Gipfelregion hatten er und seine Kollegen Peter Aschenbrenner und Herbert Kunigk aufgeben müssem.

Expedition unter schlechtem Stern

Als Merkl 1934 erneut die Erlaubnis erhält, eine Expedition zusammenzustellen, ist bereits Hitler in Deutschland an der Macht. Die gesamte Expedition nutzen die Nationalsozialisten im Heimatland zu einer Propaganda-Schlacht. Der Kampf um den Nanga Parbat wird von ihnen als Kampf der Deutschen um Blut und Boden hochstilisiert. Wissenschaftliche Erkenntnisse spielen zu dieser Zeit längst keine Rolle mehr.

Ende Mai langt die Expedition wohlbehalten am Fuße des Nanga Parbat an – mit 7.000 Tonnen Ausrüstung und Verpflegung im Gepäck., Das ganze Unternehmen ist generalstabsmäßig organisiert und wird von zwei britischen Transportoffizieren unterstützt. 600 Sherpas stehen der Expedition zur Verfügung. Alles bestens – so scheint es zumindest.

Die Katastrophe

Richard Finsterwalder umrundet gemeinsam mit seinen zwei Wissenschaftlerkollegen Walter Rächl und Peter Misch, mehrfach das Massiv des Achttausenders. Sie vermessen das Gebiet und kartieren Topographie und Geologie. Eine die Chance, einen Aufstieg auf den Nanga Parbat zu wagen, erhalten sie nicht.

Willy Merkl, der Bergsteiger © DAV

Dafür aber die deutschen Bergsteiger. Zwei von ihnen erreichen Anfang Juli eine Höhe von 7.895 Metern. Der Rest der Truppe, darunter Expeditionsleiter Willy Merkl, müsste aus einem weiter unten gelegenen Lager nur nachsteigen. Dann jedoch ändert sich das Wetter. An einen weiteren Aufstieg ist nicht zu denken. Doch selbst der Abstieg misslingt völlig. Es kommt zur Katastrophe: Drei deutsche Bergsteiger, dabei auch Willy Merkl, und sechs Sherpas sterben.

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Bergsteigen im Dienste der Wissenschaft

Obwohl Merkl nicht von wissenschaftlichem Erkenntnisdrang angetrieben war, ist sein Name dennoch wie kaum ein anderer mit dem Alpinismus und so auch mit der Hochgebirgsforschung verbunden. Als Bergsteiger erschloss er über 40 Gipfelaufstiege in den Alpen und bei einer Durchquerung des Kaukasus im Jahre 1929 gelangen ihm acht Erstbesteigungen. Als Leiter der Deutsch-Amerikanischen Himalaya-Expedition im Jahre 1932 entdeckte zudem er die Route zum Gipfel des Nanga Parbat, auf der er schließlich tödlich scheiterte. Er legte damit aber immerhin den Grundstein für die weitere Erschließung des Himalayas.

Erst im Jahr 1953 geleingt es endlich auch den Nanga Parbat erstmals zu bezwingen. Die erneute Expedition hatte der deutsche Arzt Karl Maria Herligkoffer im Gedenken an seinen Halbbruder Willy Merkl organisiert. Da er selbst kein Bergsteiger war, überließ er den Aufstieg dem ehemaligen Gefährten Merkls, Peter Aschenbrenner. Unter dessen Leitung betritt Herrmann Buhl am 3. Juli 1953 erstmals den Gipfel des Nanga Parbat.

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Stand: 06.02.2009

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Vergessene Helden
Pioniere der Hochgebirgsforschung

Die Jagd nach dem Zauberberg
Gottfried Merzbacher im Tien Shan

Als Jude – verdrängt
Wie Merzbacher in Vergessenheit geriet

Mit 80 Pferden durch den Pamir
Die Vermessung des Fedtschenko-Gletschers

Rickmers und Finsterwalder
Einer Mäzen, einer Kartograph

Der „Schicksalsberg“ der Deutschen
Scheitern am Nanga Parbat

Drei Brüder in Indien
Auf den Spuren Alexander von Humboldts

Zu viel für drei Leben
Das Vermächtnis der Brüder Schlagintweit

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