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Der Fluch der Globalisierung

Exoten auf dem Vormarsch?

1.350 eingewanderte Tierarten und über 600 nichtheimische Pflanzen leben nach Angaben von Forschern heute allein in Deutschland. Viele dieser im Laufe der Jahrhunderte eingewanderten oder eingeschleppten Organismen sind aus dem Landschaftsbild und aus Wirtschaftszweigen wie der Landwirtschaft längst nicht mehr wegzudenken. Nutzpflanzen wie Kartoffeln, Mais und Tomaten oder Tiere wie Truthahn, Feldlerche, Kaninchen oder Feldhase sind uns so vertraut, dass sie sogar kaum mehr als Fremdlinge wahrgenommen werden.

Besonders betroffen von der Exotenschwemme waren die Küstengewässer. In Nord- und Ostsee wurde seit Ende des 19. Jahrhunderts durchschnittlich alle sieben Monate eine neue Art gemeldet. Der Anteil der Einwanderer im Wattenmeer liegt nach Angaben von Wissenschaftlern vom Institut für Meereskunde mindestens bei fünf bis zehn Prozent. In zahlreichen Regionen der Erde sieht die Situation noch viel dramatischer aus. Auf Hawaii dominieren invasive Arten wie die Goldstaubmanguste oder das Jemen-Chamäleon bereits mehr als die Hälfte der Landfläche.

Die Globalisierung ist ausschlaggebend

Die Anopheles Mücke schaffte es über Flughäfen aus den tropischen Geländen Afrikas und macht Orte wie New York oder Frankfurt unsicher. © Muhammad Mahdi Karim/GFDL

Und die Zahl der Neuankömmlinge, daran lassen Wissenschaftler keinen Zweifel, steigt weiter rapide an. Transport im Gefieder von Vögeln, auf dem Buckel von Walen, Meeresströmungen oder Wanderungen aufgrund von minimalen Klimaverschiebungen: Zwar gibt es noch immer viele „natürliche“ Gründe für das Auftauchen von Exoten in neuen Lebensräumen, die wichtigste Triebfeder für die Einwanderung oder Verschleppung von „Aliens“ ist heute die Globalisierung.

Moderne Verkehrsmittel lassen die Welt immer enger zusammenrücken und sorgen so nicht nur für den Austausch von Technik- und Konsumgütern sondern dienen häufig auch als Sprungbrett für Exoten in eine neue Heimat. So wandern 3.000 Tierarten täglich allein im Ballastwasser von Frachtern oder Luxuslinern von Kontinent zu Kontinent. Oder sie heften sich, wie vor Jahren Keulenpolyp, Wollhandkrabbe und Schlickkrebs, an Schiffsrümpfe und gelangen so in neue Gefilde. Vogelspinnen, Schlangen, aber auch Parasiten machen sich dagegen in Transportkisten für Bananen oder anderen landwirtschaftlichen Produkte auf in ein neues Domizil.

Die Verflechtung von Flüssen vor allem in Europa und Nordamerika durch ein spinnennetzartiges System von Kanälen erleichtert zudem tierischen und pflanzlichen Auswanderern heute den Weg in eine neue Heimat. Via Flugzeug gelingt es sogar immer wieder der Anopheles-Mücke aus den tropischen Gefilden Afrikas, Asiens und Südamerikas bis nach New York oder Frankfurt Flughafen zu gelangen und von dort aus in die freie Natur zu flüchten.

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Stand: 22.12.2002

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Inhalt des Dossiers

Angriff der Exoten
Tierische und pflanzliche Einwanderer auf Erfolgskurs?

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