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Der erste „Cyborg“

Chip im Arm und "Ultraschallsinn"

„Ich wurde als Mensch geboren. Aber das war nur ein Versehen des Schicksals. Ich glaube, dies zu ändern, steht in unserer Macht“, sagt Kevin Warwick von der Coventry University. Er muss es wissen, denn er ist einer der ersten, die eine solche Änderung an sich vorgenommen haben – er wurde zum Bodyhacker. Oder wie Warwick selbst es nennt, zum „Cyborg 1.0“.

Kevin Warwick lässt sich sein Implantat einsetzen. © Element 14

Ein Chip im Arm

Im Sommer 1998 ließ sich der KI-Forscher als erster Mensch einen Mikrochip unter die Haut implantieren. Mit diesem RFID-Chip öffnete Warwick dank Radiowellensignalen berührungslos die Türschlösser seines Labors und seiner Wohnung, schaltete das Licht ein oder startete den Computer. Gleichzeitig war der Forscher mithilfe seines Implantats jederzeit lokalisierbar. Man könnte sich fragen, warum man einen solchen Eingriff riskiert, wenn doch eine normale Chipkarte oder ein Smartphone den gleichen Zweck erfüllt.

Doch für Warwick war dies nur der erste Schritt dahin, die menschlichen Fähigkeiten durch Technik zu erweitern. Im Jahr 2002 ließ er sich einen weiteren Mikrochip einpflanzen, der über 100 feine Elektroden mit den Nervenfasern seines Unterarms verbunden war. Diese „Braingate“ getaufte Schnittstelle ermöglichte es dem Forscher, den Chip und seine Funktionen direkt durch Nervenimpulse zu steuern. Nach einigem Training konnte er damit beispielweise über WLAN und Internet einen Roboterarm kontrollieren.

Kevin Warwick und sein BrainGate-Implantat.© Element 14

Vorbild für die Bodyhack-Szene

Noch spannender jedoch: Durch seine Verbindung mit dem Nervensystem erweiterte der implantierte Chip auch die Sinneswahrnehmung des KI-Forschers. „Er verleiht mir eine Art zusätzlichen Ultraschallsinn“, berichtet Warwick. „Wenn mir ein Objekt nahekommt, erhöht sich die Frequenz der vom Implantat an mein Gehirn geschickten Impulse.“ Bis sein Gehirn allerdings lernte, diese fremden Signale zu registrieren, dauerte es sechs Wochen.

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Damals von Forscherkollegen eher als Exot und Spinner belächelt, ist Warwick inzwischen zum Pionier einer ganzen Bewegung geworden. Denn abseits von Universitäten, Forschungsinstituten oder Unternehmen existiert heute eine ganze Szene von neuen „Cyborgs“ – Menschen, die ihren Körper durch technische Implantate nachrüsten. Die Bodyhacker, wie sie sich selbst nennen, experimentieren selbst und auf eigenes Risiko, welche Möglichkeiten die Verbindung von Mensch und Maschine eröffnet.

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Nadja Podbregar
Stand: 16.03.2018

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Bodyhacker
Mit implantierter Technik zum Cyborg

Der erste "Cyborg"
Chip im Arm und "Ultraschallsinn"

Marke "Eigenbau"
Bodyhacking zwischen Do-it-Yourself und High-Tech

RFID-Chips und Biosensoren
Das Spektrum der "praktischen" Bodyhacks

Erweiterte Sinne
Biomagnete, Kompass-Sinn und Erdbebenfühler

Rot klingt wie ein "A"
Neil Harbisson – Cyborg, Farbenhörer und Transhumanist

Vom Ersatzteil zur Optimierung
Bodyhacks in Medizin und Forschung

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